Rottweils Innenstadt wandelt sich stetig. Immer wieder gibt es neue Geschäfte, aber auch viele mit langer Tradition. In einer Serie stellen wir diese vor. Diesmal: Intersport Kirsner
Alles, was das Sportlerherz begehrt, vom Fußballschuh, über Bekleidung für die verschiedensten Sportarten, bis hin zum Wanderrucksack, und zur perfekten Skiausrüstung, gibt es bei Intersport Kirsner am Kriegsdamm 5.
Und Skier gibt es in dem Traditionsgeschäft, das seinen Ursprung im „Kirsnerschen Haus“ in der Oberen Hauptstraße hat zwar nicht seit Anbeginn, aber bereits seit gut 120 Jahren. Und die kamen aus Skandinavien, wie Marius Kirsner, der Ururenkel des Firmengründers erzählt.
Noch heute zeigt die Malerei auf dem Gebäude in der Hauptstraße auf, was es hier einst zu kaufen gab: „Eisen, Kohlen, Glas“ ist in dicken Lettern zu lesen, darunter „Werkzeuge, Sportartikel, Küchengeräte und Sämereien“. Ein echter Gemischtwarenladen, den Wilhelm Ludwig Kirsner 1847 in dem einstigen Haus der Grafen von Zimmern einrichtete.
Bergsteigerei und Alpinismus als Initiator
Wilhelm Kirsner war nicht nur angesehener Kaufmann in Rottweil, sondern Gründungsmitglied der Volksbank, und saß auch in verschiedenen Gremien der Industrie- und Handelskammer. Als mit Hermann Kirsner die nächste Generation an den Start ging, wurde das Geschäft weiter ausgebaut und ein Flachglasgroßhandel eröffnet, sowie ein Eisenlager beim Gefängnis. Hermann Kirsner war es dann auch, der zu Eisenwaren, Küchengeräten und anderem Skier mit ins Sortiment nahm. Und die waren sehr gefragt, weiß Marius Kirsner. Vermutlich kam die Idee über seine innige Liebe zum Alpinismus. Mit diesem ersten Sportgerät hat er den Grundstein für das heutige Sportfachgeschäft gelegt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg hat mit „Wilu“, Wilhelm Ludwig Kirsner, die dritte Generation das Geschäft übernommen. Das Sortiment wurde neu geordnet und der Laden als Eisenwarengeschäft mit dem Schwerpunkt auf Werkzeug und Beschlägen weitergeführt.
1963 wurde der Laden aufgegeben und neu vermietet. So richtete Wilu Kirsner über die Herbst- und Wintermonate einen „Ski-Stadl“ ein. Hier wurden unzählige Skier und Wintersportartikel verkauft. Als Sohn Marius, gelernter Sportartikelkaufmann und Skilehrer, den „Ski-Stadl“ 1984 übernahm, erweiterte er das Geschäft um die einstige Wohnung der Oma im ersten Obergeschoss und eröffnete es als Ganzjahressportgeschäft.
Doch auch die 200 Quadratmeter wurden irgendwann zu eng, so dass Sport Kirsner schließlich im Jahr 2000 ins Kaufhaus am Kriegsdamm umzog, wo sich das Geschäft als „Intersport Kirsner“ etabliert hat und seither nach einem weiteren Umbau im Jahr 2007 auf gut 1000 Quadratmetern ein umfassendes Sportartikelsortiment anbietet.
Neue Besitzer planen weiteren Shop
Anfang 2024 hat Marius Kirsner das Geschäft an Dorothee Friederichs und Marcus Frank übergeben, die es unter dem Traditionsnamen weiterführen. „Es ist toll, dass ich so tolle Nachfolger gefunden habe, die unsere Philosophie übernommen haben und das Geschäft mit vielen neuen Ideen in die Zukunft führen. Handel ist immer auch Wandel“, freut sich Marius Kirsner.
Dorothee Friederichs und Marcus Frank möchten das Sortiment weiter professionalisieren und die Markenvielfalt erweitern. Nachhaltigkeit und Naturverbundenheit sind den beiden neuen Inhabern ganz wichtig. Und die beiden planen auch, ganz in der Nähe des Kirsnerschen Hauses, einen weiteren Shop. Momentan haben sie dort bereits ein Outlet eingerichtet und möchten hier ein Angebot für junge Sportler etablieren. Auch einen Halbmarathon für Rottweil aufzuziehen, ist eine ihrer zahlreichen Ideen. „Wir möchten die Region fördern, beleben und Impulse setzen, die Gemeinsamkeit und direkte Kommunikation ist uns dabei ganz wichtig“, betonen sie.