Im Gewerbegebiet Auf Stocken gibt es keine Glasfaserleitungen – und dass sich das in absehbarer Zeit ändert, ist bislang nicht zu erwarten. Bei den Betroffenen sorgt das für Frustration. Foto: Daniela Schneider

Koax-Kabel gelten als gigabitfähig – und verhindern damit staatliche Förderung. Das wird für Betriebe im Bad Dürrheimer Gebiet „Auf Stocken“ zum echten Standortnachteil.

Es stockt auf Stocken – so könnte man wohl mit Blick auf die Internetversorgung sagen. David Am Ende, Inhaber und Geschäftsführer der Firma Stegmann GmbH, beklagt sich über die Internetversorgung in dem Gewerbegebiet, in dem sich sein Unternehmen befindet.

 

„Wir arbeiten komplett digital, jeder Mitarbeiter hat ein Tablet, wir nutzen ein Dealer-Management-System, da brauchst du große Datenleitungen,“ berichtet er.

Die aber habe man nur bedingt – und auch keine wirkliche Aussicht auf Verbesserung.

Immer wieder mal habe man bei der Stadtverwaltung deshalb schon nachgefragt, aber eine Lösung sei leider nicht in Sicht.

Das sagt der Zweckverband

Katrin Merklinger, Sprecherin des Zweckverbands Breitbandversorgung Schwarzwald-Baar-Kreis, versichert auf Nachfrage der Redaktion vorneweg: „Der Ausbau zu und in den Gewerbegebieten Bad Dürrheims, um die Unternehmen mit leistungsfähigen Breitbandinfrastrukturen anzuschließen, ist der Stadt Bad Dürrheim und dem Zweckverband Breitbandversorgung Schwarzwald-Baar ein großes Anliegen.“

Unter der aktuellen Förderkulisse bestehe aber leider für den Bereich Auf Stocken keine Möglichkeit, beim Bund und Land Fördergelder zu beantragen. Bevor ein Antrag eingereicht werde, mache der Zweckverband eine Markterkundung. Diese habe hier gezeigt: „Die Gebiete gelten durch die vorhandenen Koax (Kabel)-Verbindung als zu gut versorgt.“

Gigabitfähigkeit verhindert Förderung

Für Bereiche, in denen der Anbieter Vodafone über Koax-Kabel versorge – also Kabelfernsehen – könne man aktuell keine Förderung beantragen, da diese Anschlüsse gigabitfähig sein sollten – also bis zu 1000 Mbit pro Sekunde liefern sollten.

„Ein Ausbau ohne Förderung wäre finanziell nicht umsetzbar“, betont die Zweckverband-Sprecherin gleichzeitig. Leider könne man nicht sagen, wann es eine neue Richtlinie gebe. Der Zweckverband sei in der Thematik mit Bürgermeister Jonathan Berggötz im Austausch und informiere die Stadtverwaltung kontinuierlich darüber, sollten sich neue Fördermöglichkeiten ergeben.

Der einzige Rat, den der Zweckverband den Betroffenen aktuell geben könne, sei, den Anbieter – also in diesem Fall Vodafone – zu kontaktieren und abzuklären, ob und was sich verbessern ließe.

Das sagt Vodafone

Seitens Vodafone betont ein Sprecher auf Nachfrage, dass man „in Bad Dürrheim ein sehr gut ausgebautes Kabel-Glasfasernetz mit über 6700 gigabit-fähigen Anschlüssen“ betreibe. Anwohner könnten auf der Internetseite https://www.vodafone.de/privat/internet/verfuegbarkeit-pruefen.html die Verfügbarkeit adressgenau prüfen.

Tut man das zum Beispiel für die Firma Stegmann, zeigt sich: Hier gibt es maximal 1000 Mbit pro Sekunde im Download und 50 Mbit/s im Upload.

Das sagen die Betroffenen

1000 Mbit? Das klingt doch gut! Mehr gibt es bei etlichen Breitbandleitungen derzeit ja auch nicht? Stegmann-Geschäftsführer Am Ende macht aber deutlich, dass der Pferdefuß an der Sache nicht nur die Download-Kapazität, sondern vor allem der Upload ist. 50 Mbit pro Sekunde – das ist für seine Zwecke eindeutig zu wenig. Dieses Netz ist für seinen Betrieb auf Dauer nicht leistungsfähig genug, wie er sagt.

„Unsere Software-Anwendungen laufen alle in einer Cloud und wir haben extrem viele Schaden-Bilder“, erläutert er. Die müssen hochgeladen werden – und das dauert bei dieser Leitungskapazität einfach zu lang, wie er sagt. Kein Wunder, dass der Frust in dem Unternehmen nicht kleiner wird, wenn keinerlei Aussicht auf Verbesserung besteht.

Immer größere Datenmengen

Die Firma Stegmann ist derweil längst nicht die einzige Betroffene im Bereich Auf Stocken. Auch, wenn sein Zimmerei- und Holzbaubetrieb nicht mit ganz so großen Datenmengen hantiert, ist zum Beispiel auch dessen Chef Michael Mühlberger überzeugt: „Ein Gewerbegebiet sollte schon Glasfaser gewährleisten.“ Er sagt: „Auch wir haben immer wieder mal Probleme“, zum Beispiel bei Anwendungen über Microsoft Teams stocke es schonmal, und: „Die Datenmengen werden auch im Handwerk immer größer.“ Schon jetzt verschicke man Pläne und andere Daten nicht mehr per Mail, sondern vermehrt über Cloudlösungen.

Stand der Dinge in Bad Dürrheim und den Ortsteilen

Kernstadt und einige Ortsteile
Der erste und zweite Bauabschnitt des Zweckverband-Netzes in der Kernstadt sowie in den Ortsteilen Sunthausen, Biesingen, Ober- und Unterbaldingen sind fertiggestellt. Durch Kabel BW sind im Kernort davon abgesehen für circa 95 Prozent der Haushalte Downloadbandbreiten von bis zu 100 Mbit pro Sekunde möglich und auch in Ober- und Unterbaldingen gibt es eine Versorgung durch Kabel BW.

Öfingen
Im November konnte der Zentralverband den Förderbescheid über 400 000 Euro für den Lückenschluss der grauen Flecken in Öfingen in Stuttgart abholen. Der Bund beteiligt sich mit 50 Prozent der Baukosten, das Land mit bis zu 40 Prozent. Da die endgültigen Summen erst nach Abschluss der Baumaßnahme anhand der tatsächlich angefallenen Baukosten berechnet werden, variiert der Anteil, den die Kommunen zahlen müssen. Teile Öfingens sind auch durch Kabel BW versorgt. Hochemmingen
Auch in Hochemmingen gab es bereits einen Breitbandausbau durch den Zweckverband. Zudem hat die Ortschaft rund 85 Prozent Abdeckung durch Kabel BW. Die Bandbreiten der Telekom in den Gewerbegebieten Hochemmingen Bad und in Hochemmingen Schroteln gelten als unzureichend, während hier die Abdeckung durch Kabel BW wiederum gegeben ist.

Gewerbegebiet Bad Dürrheim und Auf Stocken
Kabel BW ist „Auf Stocken“ mit Koaxialkabel flächendeckend vertreten, anders als im Gewerbegebiet Bad Dürrheim. Dieses ist durch die Telekom abgedeckt, allerdings keineswegs mit gigafähigen Leitungen. Mitunter werden hier Raten von 175 Mbit pro Sekunde geschafft. Glasfaser wurde auch hier definitiv noch nicht verlegt. Sobald eine neue Förderrichtlinie die Grundlage bietet, soll ein Förderantrag im Graue-Fleckenprogramm in 2026 für Bad Dürrheim gestellt werden,“ versichert Katrin Merklinger in diesem Zusammenhang. Mitverlegungsmöglichkeiten, die sich geboten hätten, seien, in Abstimmung mit der Gemeinde, bereits genutzt worden. Rohre kamen demnach in einem Teil der Carl-Zeiss-Straße und im Kreuzungsbereich Carl-Friedrich-Benz-Straße und Robert-Bosch-Straße schon mal in den Boden.