Wie geht es im ehemaligen Schuhhaus Kindle weiter? Eine Anzeige im Internet wirft Fragen auf. Foto: Köhler

Eine Annonce im Internet sorgt derzeit in Lahr für Fragen. Darin sucht die neue Inhaberin des ehemaligen Schuhhauses Kindle in der Marktstraße nach Mieterinnen für einen Schönheitssalon.

Noch tut sich nichts im früheren Schuhgeschäft gegenüber des Bistros Wolkenkratzer: An die Fenster sind von innen Kartons gelehnt, wer darüber hinweg schaut, erblickt gähnende Leere in den Räumlichkeiten. Stand jetzt deutet noch nichts darauf hin, dass Asia Loodin, die das Gebäude im August gekauft hat, ihre Ankündigung sobald wahr macht und dort einen Lebensmittelmarkt mit Gastronomie-Angebot eröffnet. Im November, sagte sie vor gut vier Wochen unserer Redaktion, könnte es losgehen. Nun gibt es zumindest Anzeichen dafür, dass diese Pläne nicht mehr aktuell sein könnten.

 

Eine Anzeige auf der Online-Plattform Ebay-Kleinanzeigen sorgt derzeit in Lahr für Gesprächsstoff. Dort ruft eine Nutzerin namens Asia Loodin „junge Damen“ dazu auf, sich als Frisörin oder Kosmetikerin für einen Schönheitssalon zu bewerben – und zwar in „Lahr City Centre. Mitten in Lahr“. Eine genaue Adresse ist nicht genannt. Hat Loodin – unter dem Radar der Öffentlichkeit – ein weiteres Objekt in der Lahrer Innenstadt erworben, oder ist tatsächlich die Marktstraße 33 gemeint? Für Letzteres spricht die in der Anzeige genannte Ladenfläche von 230 Quadratmetern. Diese entspricht den Maßen des früheren Schuhhauses Kindle.

Schönheitssalon statt Supermarkt? Viele Lahrer würde das enttäuschen – inklusive OB Markus Ibert. Er hatte erst Ende vergangener Woche in einer Pressemitteilung der Stadt betont, dass „Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs im Stadtzentrum einen großen Mehrwert“ bedeuteten, zumal in der Innenstadt „die Wohnfunktion in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen“ werde. Der von Loodin geplante Lebensmittelmarkt stelle eine Nutzung dar, „die wir in unserer Innenstadt in dieser Form seit einiger Zeit nicht mehr hatten“, so der OB. Dagegen zählt ein Schönheitssalon freilich zu einer Branche, die in der Innenstadt alles andere als unterrepräsentiert ist.

Handynummer stimmt mit der Loodins überein

Der Rathauschef wurde am Dienstag von unserer Redaktion auf die Anzeige im Internet aufmerksam gemacht. „Mein letzter Stand ist nach wie vor, dass in das ehemalige Schuhhaus Kindle ein Lebensmittelgeschäft einziehen soll. Etwas anderes habe ich nicht gehört“, erklärte der OB.

Loodin hatte gegenüber unserer Redaktion Anfang September einen „Supermarkt mit Mittagessen“ angekündigt. Es werde alltägliche Nahrungsmittel, darunter viele Produkte aus der Region geben. Dazu werde sie chinesische, arabische und türkische Speisen anbieten, ließ sie damals verlauten. Die Freiburgerin war trotz mehrfacher Versuche bis Redaktionsschluss am Dienstagabend nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Laut der Annonce, die am 29. September eingestellt wurde, ist eine „Plattform für junge Damen“ und ein Salon mit vier bis fünf Stationen geplant. Die Vorstellung: „Ein Raum voller Kundinnen und Freundinnen, die zusammen in das Geschäft kommen, sich wohlfühlen und entspannen können.“ Wer in der Beauty-Branche tätig sei, „selbstständig arbeiten und wenig Miete zahlen“ möchte, solle sich für weitere Infos melden, heißt es. Die im Inserat angegebene Handynummer ist die von Asia Loodin.

Stadt hatte Interesse

Kurz vor Weihnachten 2023 hatte OB Markus Ibert angekündigt, dass die Stadt das seit Jahren leerstehende ehemalige Schuhhaus Kindle kaufen könnte, um einen „Ausverkauf“ der Innenstadt zu unterbinden. Nach einigem Hin und Her und mehreren Verhandlungen mit dem Eigentümer wurde schließlich im August die neue Besitzerin präsentiert.