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Internationaler Tag des Glücks „Geld wird überschätzt“

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Ein wichtiger Faktor für Glück: Gelingende zwischenmenschliche Beziehungen. Foto: dpa
Stuttgart - Herr Ruckriegel, was bedeutet eigentlich Glück?
Die Glücksforschung beschäftigt sich mit Glück im Sinne von subjektivem Wohlbefinden. Dieses besteht aus zwei Komponenten: dem emotionalen Wohlbefinden und dem kognitiven Wohlbefinden. Das emotionale Wohlbefinden bezieht sich auf das Verhältnis von positiven und negativen Gefühlen über den Tag verteilt. Idealerweise sollten diese mindestens im Verhältnis 3:1 stehen. Beim kognitiven Wohlbefinden geht es um die Bewertung: Wie zufrieden ist ein Mensch mit seinem Leben? Das hängt wiederum von den Zielen ab, die er sich setzt. Diese können durchaus ambitioniert, müssen aber realistisch sein. Emotionales und kognitives Wohlbefinden sind gleichermaßen wichtig, denn sie beeinflussen sich gegenseitig.
Was kann man tun, um sein Wohlbefinden zu steigern?
Der Mensch nimmt negative Gefühle in der Regel  stärker wahr als positive. Deshalb ist es wichtig, die positiven Gefühle zu stärken, indem man beispielsweise ein Dankbarkeitstagebuch führt und sich so das Positive bewusst macht. Außerdem sollte man darauf achten, nicht alle negativen Gefühle mitzunehmen – wenn ich mich aufrege, weil ich im Stau stehe, hat das keinen Sinn. Es ändert nichts an der Situation.
Wie lautet das Rezept für ein glückliches Leben?
Es gibt bestimmte Glücksfaktoren. Der wichtigste sind gelingende soziale Beziehungen. Wir Menschen sind soziale Wesen und aufeinander angewiesen. Ein nahezu ebenso bedeutender Faktor ist psychische und physische Gesundheit. Wenn sie etwa an einer Depression leiden, dann ist es erst mal vorbei mit dem Glück, wie Untersuchungen zeigen. Menschen geben dann auf einer Skala von 0 bis 10, wie zufrieden sie sind, einen Wert nahe 0 an. Weitere wichtige Faktoren zum Glück sind eine erfüllende Tätigkeit, gesellschaftliches Engagement und ein gewisses Maß an persönlicher Unabhängigkeit, das heißt Einfluss auf sein Leben. Und natürlich ist auch die persönliche Einstellung wichtig: Dankbarkeit, Optimismus, die Überzeugung einer Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens – all das fördert das Glück.
Welche Rolle spielt Geld?
Die Bedeutung des Einkommens für das Glück wird maßlos überschätzt. Sicherlich, ein gewisses Maß an Einkommen ist notwendig – aber wenn dadurch die Grundbedürfnisse abgedeckt sind, dann führt mehr Geld nicht zu signifikant mehr Zufriedenheit. Eher tendieren Menschen dann verstärkt dazu, sich mit anderen zu vergleichen. Das kann wiederum unzufrieden machen. Wenn man bedenkt, welchen Stellenwert soziale Beziehungen für das Glück haben, dann wird etwas anderes wichtiger: Die Währung für gelingende Beziehungen ist Zeit, nicht Geld. Diese Erkenntnis setzt sich derzeit verstärkt bei den jungen Leuten der Generation Y durch.
Gelten diese Glücksfaktoren universell?
Ja, im Prinzip schon. Sie sind je nach Kulturkreis unterschiedlich ausgestaltet, aber die Gefühle sind dieselben. Im Iran etwa spielt bei der Partnerwahl die Meinung der Familie eine viel größere Rolle als bei uns. Deshalb verhalten sich die Menschen dort entsprechend anders als in Deutschland – doch in beiden Fällen geht es um gelingende soziale Beziehungen.
Kann jemand, der schwer krank ist, glücklich sein? Oder jemand, der arbeitslos ist?
Ich habe einmal einen jungen Mann kennengelernt, der durch einen Unfall eine Querschnittslähmung hatte. Er hat die Ziele, die für sein kognitives Wohlbefinden bedeutsam sind, anders gesetzt. Und er hatte großen Rückhalt durch seine Freunde und Familie. Ein kranker Mensch kann also durchaus glücklich sein. Schwieriger ist es bei Arbeitslosigkeit, die zieht einen massiv herunter. Dem Arbeitslosen fehlen oft Sinnhaftigkeit und Wertschätzung.
Können Staat und Gesellschaft etwas zum Glück des Einzelnen beitragen?
Ja. Unternehmen beispielsweise müssen darauf achten, den Mitarbeiter in den Mittelpunkt zu stellen, ihm Wertschätzung entgegenzubringen. Er sollte weder über- noch unterfordert sein, und die Work-Life-Balance muss stimmen. Diese Erkenntnis setzt sich bei den Unternehmen zunehmend durch. Denn zufriedene Mitarbeiter sind engagierter, loyaler und motivierter. Auf der vorhin bereits erwähnten Skala zur Zufriedenheit liegen die Deutschen im Durchschnitt bei 7,0. Da sind also noch einige Baustellen offen. In Deutschland muss der Staat vor allem auf gleiche Lebenschancen und größere Bildungsgerechtigkeit achten. Menschen mit einem höheren Bildungsgrad sind häufig zufriedener, sie haben auf jeden Fall mehr Möglichkeiten im Leben.
Warum brauchen wir einen Internationalen Tag des Glücks?
Die Staatengemeinschaft hat erkannt, wie bedeutend es ist, ob Menschen sich wohlfühlen. Das Wohlbefinden entscheidet darüber, wie gesund ein Mensch ist und beeinflusst auch seine Lebenserwartung. Dieser Tag soll deshalb dazu beitragen, dass Staaten sich stärker darauf ausrichten, das Wohlbefinden ihrer Bürger zu fördern. Die OECD gibt in diesem Zusammenhang Empfehlungen an die einzelnen Länder heraus. Da hat sich in den vergangenen Jahren schon einiges getan. In den Vereinigten Arabischen Emiraten gibt es sogar seit ein paar Wochen eine Ministerin für Glück.
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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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