Verena Auwärter (sitzend) zeigte den Besuchern im Kunstdepot, wie man ein Gemälde restauriert. Foto: Roland Stöß

Ein Museumsbesuch heutzutage bedeutet nicht nur Sehen und Hören, sondern auch Erleben und Mitmachen. Das erfuhren zahlreiche Menschen, die der Einladung zum 46. Internationalen Museumstag folgten.

Alle neun Calwer Museen öffneten ihre Türen und stellten sich in bestem Licht da. Sie boten interessante Geschichten, Ausstellungen und faszinierende Einblicke in das jeweilige Thema. Hier und da durfte Groß und Klein aktiv mitmachen und selbst Hand anlegen. Beispielsweise, um ein Kunstwerk für das eigene Zuhause zu schaffen.

 

Premiere im „Bohnenberger Showroom“

Zum ersten Mal rief der „Bohnenberger Showroom“ in Altburg großes Interesse hervor. Eberhard Bantels Erklärungen zum Thema „Orientierung auf der Erde, in der Luft und im All“ plus Filmchen zeigte, dass Johann Gottlieb Bohnenberger Bahnbrechendes erfand und Grundprinzipien späterer Steuerungselemente entwickelte. Auch wäre ohne ihn die heutige Landvermessung nicht die Gleiche, die wir kennen.

Alfred Weinmann, der Museumsschmied der Dorfschmiede, faszinierte die Kinder und manches Elternteil mit seinem alten Handwerk. Die Jungen und Mädchen staunten über das Feuer und das glühende Eisen und freuten sich über die gegossenen Zink-Tier-Figürchen zum Mitnehmen. Die Bauernhausmuseum-Helfer Willi Hanselmann und Margot Irion entführten derweil die Gäste in das Leben des 19. Jahrhunderts.

Das harte Leben eines Gerbers

Irmhild Mannsfeld wusste Interessantes über das Gerberhandwerk und die damit verbundene harte Arbeit zu erzählen. Im Obergeschoss des Gerbereimuseums gab Suzanna Lehmann Antworten zu den frühen Jahren Hermann Hesses. Die Vitrinen mit den bedeutenden Hesse-Utensilien stehen übergangsweise an diesem Ort, solange das Hermann-Hesse-Museum renoviert wird.

Das „Palais Vischer“, „Der Lange“, diese das Stadtbild prägende alte Wehranlage und Gefängnis sowie das „Eisenbahnmuseum Stellwerk 1“ waren weitere Ziele mancher Familien.

Einstiges Hallenbad jetzt Hotspot der Kunstgeschichte

Inzwischen ist das ehemalige Hallenbad am Schießberg Hotspot der Kunstgeschichte, weil es Heimat für 60 000 Einzelstücke bedeutender Maler aus nah und fern ist. Verena Auwärter saß am Arbeitstisch, umgeben von faszinierenden Bildern. Sie führte den vielen Besuchern vor, wie Kunstwerke restauriert werden.

Im Klostermuseum präsentierte die Berliner Künstlerin Birgit Maria Wolf, die aus Calw stammt, die Kunstausstellung „Reminiszenz“. Wolf visualisiert in ihrer 120-teiligen Werkserie einen rückwärtsgewandten Spaziergang auf die Reste dieser historischen Hirsauer Orte. Die Zuhörer nutzten die Gelegenheit, gleichzeitig das Klostermuseum mit seinen eindrucksvollen Resten der Klöster St. Aurelius sowie St. Peter und Paul zu besichtigen.

Klosterreste üben große Faszination aus

Wolf verriet Verborgenes über die Faszination, die sie an diesem zauberhaften Ort erlebt. „Ist gerade hier Sandstein ein Merkmal und tritt so in Korrespondenz mit meinen Arbeiten“. Wolfs Zeugnis voller Leidenschaft: „Ich liebe diesen Ort“. Gemeinsam mit der Künstlerin beschritt man alle Ebenen des Museums, an deren Wände Wolf bis Oktober ihre Werke präsentiert. In dem anschließenden Kreativworkshop konnten Groß und Klein erleben, was es bedeutet, auf einer 30 mal 30 Zentimeter-Leinwand mit Sand statt Malfarbe zu arbeiten und ein eigenes Sandkunstwerk zu kreieren. Um es dann mit nach Hause zu nehmen.

Das Fazit: Die Vielfalt der Ausstellungen, die Geschichten und Erklärungen machten diesen Tag zu einem besonderen Erlebnis, das die kulturelle und historische Bedeutung der Stadt Calw eindrucksvoll unterstrich. Die Calwer Museumslandschaft lebt.