Die Gütenbacher Bürgermeisterin Lisa Hengstler mit ihrem Sohn Paul. Foto: Gemeinde Gütenbach

Am 8. März ist Internationaler Frauentag. Stimmen von Frauen bekommen vor allem in der Kommunalpolitik zu wenig Gehör. Politikerinnen aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis sprechen darüber, warum das so ist und wie sich das ändern kann.

Lisa Hengstler ist eine echte Seltenheit in Deutschland. Die Bürgermeisterin von Gütenbach ist nämlich bundesweit eine der wenigen Frauen an der Spitze eines Rathauses. Laut dem Deutschen Städtetag ist das nur in etwa jeder elften Gemeinde der Fall.

 

Im Schwarzwald-Baar-Kreis ist Hengstler sogar die einzige Bürgermeisterin in den 20 Gemeinden. Doch nicht nur in den hiesigen Rathäusern bleiben die Stimmen von Frauen unterrepräsentiert. Nur zwölf von 61 Abgeordneten im Kreistag sind Frauen.

Wenige Frauen auf Listen

„Wenige Frauen lassen sich zur Wahl stellen. Das liegt aber nicht nur an der Außenwelt. Viele trauen es sich nicht zu“, sagt Lisa Hengstler. Gerade bei jüngeren Frauen mit Kindern sei das ein Problem.

„Ich merke es selbst. Wenn man Kinder hat, ist es schwierig.“ Die CDU-Politikerin ist zweifache Mutter, war während der Schwangerschaft und kurz nach der Geburt ihres ersten Kindes auch noch im Kreistag vertreten. Herausfordernd, aber sie hat es geschafft. „Es gibt vielleicht auch nicht so viele Männer, die das als Partner mitmachen.“

Viele Frauen würden das Interesse an politischen Ämtern erstmal hintenanstellen. Es sei dann die Frage, ob sie später noch wirklich in großer Zahl in die Politik einsteigen.

Die Verantwortung dafür liegt für Lisa Hengstler auch bei einer allgemeinen Denkweise. „Von der Öffentlichkeit wird man beim Thema Familie anders behandelt als ein Mann.“ Sie nimmt etwa wahr, dass sie als Frau öfter nach den Kindern gefragt werde als ihre männlichen Kollegen, die ebenfalls kleine Kinder haben.

Kein Fan von Frauenquote

In den Kreistagen im Land ist der Frauenanteil nach der Kommunalwahl 2024 von 22,6 auf 21,7 Prozent gefallen. Baden-Württembergs Gemeinderäte bestehen laut dem Statistischen Landesamt aktuell zu 27,4 Prozent aus Frauen, etwas mehr als 2019 (26,8 Prozent). Trotzdem sind Frauen auch hier klar in der Unterzahl. „Frauen trauen sich prinzipiell nicht so viel wie Männer“, sagt die Donaueschinger FDP-Stadträtin Lisa Fritschi. Der zeitliche Aufwand und viele Abendtermine für die oft ehrenamtliche Arbeit führten dazu, dass vor allem junge Frauen mit Kindern seltener auf Kandidatenlisten gingen.

Die Donaueschinger FDP-Stadträtin Lisa Fritschi Foto: Dagobert Maier

„Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Teilnahme für Frauen in der Politik zu ermöglichen beziehungsweise zu erleichtern“, sagt auch Fritschi. Etwa hybride Gemeinderatssitzungen oder Sitzungen zu anderen Zeiten könnten dabei helfen.

Fritschi möchte eine stärkere Repräsentation von Frauen in der Politik aber nicht über eine Quote erreicht sehen. „Man muss mehr Anstrengungen unternehmen, um Frauen davon zu überzeugen, dass es auch etwas für sie ist.“

Weiter Nachholbedarf

Für Kerstin Skodell, SPD-Fraktionsvorsitzende im Hüfinger Gemeinderat, könnten auch die Parteien noch mehr machen. Sie fordert keine Quote. Dass Parteien Kandidatinnen stärker unterstützen, wünscht sie sich dennoch. „An der Kompetenz fehlt es nicht“, so Skodell. Vielleicht werde aber gerade jungen Frauen zu wenig davon zugesprochen.

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Kerstin Skodell Foto: Roland Sigwart

Auch wenn in der Kommunalpolitik heute nicht mehr so herablassend auf politische Frauen geblickt werde: „Man muss als Frau immer noch kämpfen. Deshalb ist der Weltfrauentag auch total wichtig, um darauf zurückzukommen und an die vielen Kämpferinnen zu erinnern.“ Und der Kampf lohnt sich für Skodell. Ausgeglichenheit sei auf allen Ebenen wichtig. Jung und Alt, Mann und Frau müssten gleichermaßen gehört werden. Wenn Frauen im Gemeinderat fehlen, dann fehlten Themen und wichtige Blickwinkel.