Wie feiert man in anderen Ländern eigentlich das Weihnachtsfest? Besucher und Mitarbeiter im Nagolder Youz verraten uns ihre Weihnachtstraditionen.
Wer an Weihnachten in Deutschland denkt, dem kommen vermutlich die üblichen Traditionen in den Sinn: Ein Weihnachtsbaum, der Weihnachtsgottesdienst in der Kirche, das gemeinsame Weihnachtsessen mit der Familie und natürlich die Bescherung.
Doch wie wird Weihnachten eigentlich in anderen Kulturen gefeiert? Welche Traditionen werden aus dem Heimatland mitgenommen und vor allem: Was machen muslimisch geprägte Familien an dem christlichen Fest? Im Nagolder Jugendhaus Youz erzählen die Mitarbeiter und Besucher von ihren Weihnachtstraditionen.
Weihnachts-Schiff anstatt Baum in Griechenland
Jugendhaus-Mitarbeiterin Marina Sismanidou erzählt von der Weihnachtstradition der Griechisch-Orthodoxen:„Da es in Griechenland viele Seemänner gibt, stellen die Familien anstatt eines Baums ein beleuchtetes Schiff ans Fenster. Dadurch sehen die Seemänner immer, wo ihr Zuhause ist und wo sie zu Weihnachten einkehren können“, erklärt sie. Die Griechen nennen dieses Weihnachtsschiff „Karaváki“, es leuchtet bis zum Dreikönigstag. An Heiligabend gibt es ein Fest mit der Familie, allerdings ohne Geschenke.
Bei den Griechisch-Orthodoxen bringt nämlich nicht das Christkind oder der Weihnachtsmann die Geschenke, sondern der heilige Basilius, auf griechisch „Agios Vasilis“. Die Bescherung gibt es an Neujahr und der heilige Basilius reist anstatt auf einem Schlitten in griechischer Seemannsmanier auf einem Schiff an.
An Leckereien werden „Melomakarona“ (Honig-Nuss-Plätzchen) und „Kourabiedes“ (Mandel-Puderzucker-Kekse) gebacken. An Heiligabend und Sylvester ziehen die griechischen Kinder von Haustür zu Haustür und singen Lieder. Von den Bewohnern erhalten sie dann entweder Süßigkeiten und Plätzchen, oder auch mal ein bisschen Geld. „Ich hab mir davon auch schonmal einen Gameboy leisten können“ erinnert sich Sismanidou freudestrahlend.
Auch in Russland werden die Geschenke an Neujahr gebracht.
Ein russisch-orthodoxer Besucher erklärt ebenfalls, in Russland bringe der „Ded Moroz“, also Väterchen Frost, die Geschenke an Neujahr. Das Weihnachtsfest selbst werde am 7. Januar gefeiert. Das liegt daran, dass die russisch-orthodoxe Kirche den älteren julianischen Kalender verwendet, der 13 Tage hinter dem gregorianischen liegt.
Am 6. Januar werde außerdem nichts gegessen, bis der erste Stern am Himmel aufgeht. Nach einem gemeinsamen Gottesdienst gebe es dann das traditionelle Weihnachtsessen.
Wie feiern Muslime eigentlich Weihnachten?
Jugendhaus-Mitarbeiterin Sümeyya Genç hat eine deutsche Mutter und einen türkischen Vater, sowohl ihre Eltern als auch sie selbst sind Muslime. Dennoch ist sie mit der klassischen christlichen Weihnachtstradition aufgewachsen. „Durch meine evangelische Oma haben wir immer ganz klassisch mit geschmücktem Weihnachtsbaum gefeiert, zusammen gegessen, getrunken und Unmengen von Omas berühmten „Bredle“ (Plätzchen) verzehrt“, erinnert sich Genç schmunzelnd. „Heiligabend verbringen wir immer zusammen. Das war in meiner Kindheit so und das ist bis in mein Erwachsenenalter so geblieben.“
Auch mit ihrem syrischen Mann wird weiterhin jedes Jahr Weihnachten gefeiert. „Mein Mann ist auch Muslim. Bis er mich kennengelernt hat, hat er noch nie Weihnachten gefeiert“, sagt sie. Mittlerweile sei auch ihm die Weihnachtstradition wichtig: „Ich habe ihn schonmal gefragt, ob wir über Weihnachten verreisen sollen. Er sagte: ,Das geht nicht, wir müssen an Weihnachten alle zusammen feiern’“, lacht sie.
„Ihm gefällt dieser Brauch total. Er liebt diese ganze Atmosphäre mit dem schön geschmückten Baum, den schönen Lichtern und das die ganze Familie zusammenkommt.“
Von muslimischen Besuchern gab es unterschiedliche Antworten: Ein Teil feiert das traditionelle Fest in der Form zwar nicht, kommt aber trotzdem an Weihnachten mit der Familie zusammen. Andere berichten jedoch auch, dass sie trotz ihres Glaubens viel Gefallen an der Tradition finden. „Wir sind zwar Muslime, holen uns aber trotzdem einen Baum und geben uns Geschenke, einfach weil uns das gefällt“, sagt ein Besucher aus dem Iran. Die Magie vom Weihnachtsfest ist eben eine Sprache, die man auf der ganzen Welt versteht.