Zwei Sitzungswochen lang wird Johannes F. Kretschmann im Deutschen Bundestag in der Fraktion von Bündnis ’90/Die Grünen die Wählerinnen und Wähler des Wahlkreises Zollernalb/Sigmaringen vertreten. Foto: Hanna Stauß

Aus traurigem Anlass, aber dennoch mit Vorfreude, rückt Johannes F. Kretschmann für kurze Zeit in den Deutschen Bundestag nach. Anlass ist der unerwartete Tod der Pforzheimer Abgeordneten Stephanie Aeffner. Was JFK jetzt vorhat, verrät er im Gespräch.

Unverhofft rückt Johannes F. Kretschmann aus Sigmaringen über die Landesliste von Bündnis ’90/Die Grünen in den Deutschen Bundestag nach.

 

Zwar wäre nach dem Tod von Stephanie Aeffner die Listenkandidatin aus dem Wahlkreis Heidenheim/Ostalb, Margit Stumpp, an der Reihe gewesen, doch die Lehrerin hatte am Mittwoch „verlautbart, dass sie verzichtet“, berichtet Kretschmann, der zur Wahl 2021 auch als Direktkandidat im Wahlkreis Zollernalb/Sigmaringen angetreten war und mit 12,7 Prozent ein respektables Erststimmen-Ergebnis geholt hatte.

Seit Mittwochabend also weiß Kretschmann, dass er „vielleicht der Abgeordnete mit der kürzesten Amtszeit in der Geschichte des Deutschen Bundestages“ sein wird, wie er mutmaßt. Dennoch betont er: „Ich will etwas daraus machen.“

Wichtig ist ihm in erster Linie, dass der Bundestag beschlussfähig bleibt, zumal Donald Trumps zweite Amtszeit als US-Präsident am Montag beginnt – schon für den Fall, dass dieser der Ukraine die Unterstützung versagen könnte und der Bundestag handeln müsste.

„Übernächste Woche wird eine volle Sitzungswoche sein und im Februar noch eine kurze mit Präsenzpflicht“, weiß Kretschmann, der mit der Grünen-Fraktion im Parlament schon Kontakt aufgenommen hat. „Der neue Bundestag wird sich wohl Ende März konstituieren – spätestens 30 Tage nach der Wahl muss er es.“

Für Kretschmann heißt es nun erst einmal, das Organisatorische zu erledigen: Um voll arbeitsfähig zu sein und seinen Pflichten als Vertreter der Wählerinnen und Wähler nachkommen zu können, braucht er ein Bundestags-Laptop, eine E-Mail-Adresse und die Zugangsberechtigungen für das Reichstagsgebäude, das er „physisch schon sehr gut“ kennt, hat er doch eine Zeit lang für die Grünen-Bundestagsabgeordnete Anja Reinalter aus dem Wahlkreis Biberach gearbeitet.

Nach den Sitzungen ein Dach über dem Kopf zu finden, wird für Kretschmann hingegen kein Problem: Als ehemaliger Berliner Student, der oft in der Bundeshauptstadt weilt und dort Freunde hat, muss er weder auf ein Hotel ausweichen, noch eine Wohnung suchen für die kurze Zeit.

Trotz der Kürze freut sich der 46-Jährige auf die Begegnungen mit Kollegen und will im Rahmen des Möglichen die „große Aufmerksamkeit, die mir wegen meines Namens zufliegt“, nutzen, um gute Arbeit zu leisten. Sein Vater ist der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

Traurig hingegen ist für Kretschmann der Anlass seines Nachrückens: „Stephanie Aeffner war eine sehr leidenschaftliche, engagierte und äußerst fleißige Sozialpolitikerin, die ich sehr geschätzt habe“, betont er und fügt hinzu: „Sie reißt eine Lücke, die ich nicht füllen kann.“

Als Kandidat für die Bundestagswahl am 23. Februar hatte sich Kretschmann nicht mehr aufstellen lassen, will aber den Wahlkreis-Kandidaten Simon Schutz aus Gammertingen nach Kräften unterstützen und für ein gutes Ergebnis für Bündnis 90/Die Grünen kämpfen, zumal er im Wahlkampf 2020/21 fleißig unterwegs war in den beiden Landkreisen und viel Erfahrung mitbringt.

Wichtige Auftritte mit seiner Bühnenpartnerin Hanna Stauß muss der Bühnenkünstler, Autor und Kommunalpolitiker im Kreistag Sigmaringen – „zum Glück und durch Zufall nicht verschieben“, wie er sagt. Mehrere ausverkaufte Auftritte mit „Schwäbisch vom Feinschda“ in Stuttgart haben die beiden gerade erst hinter sich.