Krankenschwester Sabine Breisacher hielt im Schloss einen Vortrag über ihr Engagement in der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen.
Die Organisation Ärzte ohne Grenzen wurde 1971 gegründet, so die Info bei der Veranstaltung im Rahmen der Interkulturellen Woche.
Ziel ist die akute Notversorgung in Armuts- und Krisengebieten, um möglichst viele Leben zu retten. Dabei ist neben der globalen Vernetzung für eine schnelle Organisation im Krisenfall auch die Einbindung von Ortskräften ein wichtiger Bestandteil der Arbeit. Nur in Kooperation mit Einheimischen und unter Beachtung lokaler Kultur und Tradition könne eine bestmögliche Versorgung für die Mehrheit der Bedürftigen gelingen.
Breisacher war mehrfach für Ärzte ohne Grenzen im Einsatz und referierte zum ersten Mal in Schramberg. Sie berichtete von ihren Erfahrungen in Lakien im Südsudan, Mossul im Irak und im Lager der Rohingya in Bangladesch. Darüber, wie man sich blind verständige, ohne ein Wort Antworten finde und mit begrenzten Möglichkeiten neue schaffe. Über Weltanschauung, kulturelle Unterschiede vor Ort sowie jene zwischen Helfern und Einheimischen und wie sie überbrückt werden könnten.
Behandlung von Schussverletzungen
Im Südsudan werden vorwiegend Mangelernährung, Schwangerschaften und Malaria behandelt. Doch auch Drogen und andere Krankheiten sind keine Seltenheit. Es wird getestet, geimpft und Statistik geführt. Auch chirurgische Behandlungen, etwa für Schussverletzungen, werden mit einfachsten Mitteln geleistet.
Die Meinung der Bevölkerung über die fremde Hilfe ist oft geteilt. Einige sind interessiert, wissbegierig – so wird eine Teststation schnell zum Spektakel und Hilfsmittel werden angenommen. Andere sind skeptisch, wenden sich lieber an die traditionellen, örtlichen Mediziner. Daher ist Aufklärungsarbeit, besonders durch die Ortskräfte, unerlässlich, um zielführend helfen zu können.
In Bangladesch unterstützte Breisacher Ärzte ohne Grenzen bei der Versorgung von Rohingya-Geflüchteten. Das riesige Camp von knapp 900 000 Vertriebenen war quasi über Nacht entstanden. Es fehlte an allem. Das neue Zusammenleben auf engstem Raum berge neben sozialem Sprengstoff auch Seuchengefahr durch katastrophale hygienische Bedingungen. Hinzu kam Corona. Die Angst vor dem Virus und dass Fremde es einschleppen könnten, erschwerte dem Helferteam die Arbeit vor Ort so sehr, dass das Lager zeitweise nicht betreten werden konnte.
Nächster Einsatz in Niger
Auch in der vor nicht allzu langer Zeit hart umkämpften Stadt Mossul im Nordirak war die Situation unter Corona schwierig. Ressourcen mussten sparsam eingesetzt werden, die Sterblichkeitsrate war hier ebenso hoch. Hinzu kamen strenge Sicherheitsvorkehrungen, die die Bewegungsfreiheit stark einschränkten.
Breisacher blickt schon ihrem nächsten Einsatz ab Mitte Oktober entgegen. Dann wird sie für 4,5 Monate helfen, die Menschen rund um die nordnigerianische Stadt Kano zu versorgen.