Flächen für gewerbliche Neuansiedlungen sind in Schiltach kaum mehr vorhanden; Erweiterungen –­ wie aktuell bei Vega – sind aufgrund der topografischen Lage vielerorts nur eingeschränkt möglich. Foto: Sum

Ein interkommunales Gewerbegebiet mit Aichhalden? Schiltachs Bürgermeister Thomas Haas zeigt sich alles andere als abgeneigt. Das letzte Wort hat aber der Gemeinderat.

Schiltach - Ende Mai sprach Aichhaldens Bürgermeister Michael Lehrer öffentlich über die Idee, ein interkommunales Gewerbegebiet gemeinsam mit Schiltach auf der Gemarkung seiner Gemeinde auszuweisen. In einem Telefonat hatte er seinem Schiltacher Amtskollegen den Vorschlag bereits vorab unterbreitet – und Haas grundsätzliches Interesse bekundet.

"Bauflächen – sei es privat oder gewerblich – sind ein großes Thema bei uns. Wegen unserer topografischen Lage haben wir kaum noch Flächen", sagt Bürgermeister Thomas Haas und verwies auf das Baugebiet "Hinter dem Schloss", das wohl deutlich kleiner ausfallen wird als ursprünglich angedacht. "Wenn wir uns daher an einem Gewerbegebiet mit Aichhalden beteiligen können, sollten wir das tun", schildert er die Verwaltungssicht.

Rund 300 Firmen in Schiltach angesiedelt

Entscheiden wird aber – immerhin geht es wohl um eine ordentliche Stange Geld, beispielsweise für Erschließungskosten – der Gemeinderat. Dort hat Haas das Thema bereits angesprochen. "Es gibt dazu noch kein Stimmungsbild", kann er nicht abschätzen, wie die Ratsmitglieder zu der Sache stehen. Einige Räte stünden dem Flächenverbrauch generell eher kritisch gegenüber, meint Haas. Die Versiegelung dürfe natürlich nicht außer Acht gelassen werden, betont er. Andererseits "dürfen wir auch die Gewerbe-Entwicklung nicht abwürgen". So gebe es etliche Arbeitnehmer auf der Höhe, die täglich nach Böblingen oder Sindelfingen – ­wo die Flächen dann ebenfalls versiegelt seien – zur Arbeit fahren. "Ob das dann sinnvoller ist?", gibt Haas zu bedenken.

In Sachen Gewerbeflächen habe die Stadt alles ausgereizt, was machbar ist. "Wir würden mehr ausweisen, wenn wir könnten", erklärt Haas. Circa 25 Hektar Gewerbefläche verteilen sich auf das Stadtgebiet, informiert Achim Hoffmann, Baurechtssachbearbeiter der Stadt, auf Nachfrage –­ von Hinterlehengericht mit BBS bis Vorderlehengericht mit Betrieben wie dem Stahlbau-Unternehmen Möcke.

Rund 300 Firmen sind in Schiltach angesiedelt: Darunter mit Hansgrohe, Vega und Grieshaber drei richtig große Industriebetriebe, aber eben auch viele kleinere Handwerks- und Dienstleistungsunternehmen. Mehr als 4000 Arbeitsplätze gibt es laut Hoffmann in Schiltach – bemerkenswert, bei gerade einmal 3800 Einwohnern.

Eine brummende Wirtschaft ist für Schiltach immens wichtig: Mehr als zwei Drittel ihrer Einnahmen zieht die Stadt aus der Gewerbesteuer – und die liegt bei erwarteten 21 Millionen Euro in 2021 deutlich über dem, was andere Kommunen mit vergleichbarer Größe einnehmen.

Steigende Auflagen

Die Neuansiedlung von Unternehmen ist in der Stadt aber kaum mehr möglich. Anfragen gebe es fast keine: "Die ansässigen Betriebe wissen, dass es flächenmäßig schwierig ist. Und wir machen nach außen keine Eigenwerbung", sagt Haas. Wenn das interkommunale Gewerbegebiet zustande käme, "könnten wir dorthin verweisen und hätten auch noch etwas davon", meint der Bürgermeister.

Er werde sich jetzt kundig machen, wie das Vorgehen bei solchen interkommunalen Gewerbegebiet-Zusammenarbeiten sei und "wie eine faire Lösung für beide Seiten" aussehen könnte. Dann wolle er noch mal mit Michael Lehrer sprechen und das Thema dann in den Gemeinderat bringen. Er hofft, dass die Sache bis zum Herbst einen Schritt weiter ist. Sollte die Entscheidung zugunsten des interkommunalen Gewerbegebiets fallen, sei es wichtig, das Vorhaben "planungsrechtlich so auf Stand zu bringen, dass bei Nachfragen schnell reagiert werden kann", sagt Haas. Angesichts der stetig steigenden Vorgaben und Auflagen werde auch das Ausweisen von Gewerbegebieten "immer schwieriger", fürchtet er.INFODarum geht’s

Das Thema "Interkommunales Gewerbegebiet" war in der Mai-Sitzung des Aichhalder Gemeinderats erstmals öffentlich auf den Tisch gekommen. Das Gremium hatte sich dort mit punktuellen Änderungen des Flächennutzungsplans beschäftigt.

Die Gemeinde will mit der Gebietsausweisung "Barthleshof" (circa fünf Hektar) langfristig Gewerbeflächen sichern. Weil Aichhalden als Eigenentwickler nicht auf Vorrat planen darf, schlug Bürgermeister Michael Lehrer die Entwicklung eines interkommunalen Gewerbegebiets mit Schiltach vor. So könne die Fläche im Flächennutzungsplan drin bleiben. Ein weiterer Vorteil aus Aichhalder Sicht: Schiltach würde sich an den Verfahrenskosten beteiligen.

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