Das Wohnprojekt der Beginenstiftung in Stein holt neuen Schwung. Zuletzt waren mehrere Frauen abgesprungen. Die Stiftung ist aber nach wie vor überzeugt von dem Vorhaben.
Vielversprechend klangen die Pläne der Tübinger Beginenstiftung im Mai 2024. Auf einem brach liegenden Fabrikgelände direkt an der Bahnlinie soll ein Beginenhof entstehen, auf welchem etwa zwölf alleinlebende Frauen zusammen wohnen. Das Grundstück wurde der Beginenstiftung zugestiftet; eine offizielle Schlüsselübergabe mit dem Zustifter war für Anfang 2025 vorgesehen.
Dazu ist es jedoch nicht gekommen, wie Andrea Marschall, Mitglied im Vorstand der Beginenstiftung, unserer Redaktion mitteilt. Jüngst habe das Projekt etwas an Fahrt verloren, mehrere Frauen seien abgesprungen, überwiegend aus persönlichen Gründen.
„Wir nehmen nun einen neuen Anlauf“, rührt Marschall erneut die Werbetrommel. Derzeit seien lediglich drei bis fünf Frauen konkret interessiert, die ehemaligen Firmengebäude zu Wohnraum umzugestalten. Acht Frauen müssten es aber schon sein, damit das Vorhaben gelingen kann, möglich wären zwölf bis 15. Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, dass bis Ende 2026 ein sogenannter Hausverein von den beteiligten Frauen gegründet wird, damit Verbindlichkeit herrsche.
Andrea Marschall ist zuversichtlich, dass dies gelingen kann. Das Grundstück an sich sei ein Sechser im Lotto. Viel Natur, aber doch verkehrsgünstig in Richtung Hechinger Stadt- und Einkaufszentrum gelegen. Grundsätzlich hätten auch zwischen 30 und 40 Frauen Interesse signalisiert.
Einlage von 100 000 Euro sollten Frauen mitbringen
Marschall weiß aber auch, dass gewisse Voraussetzungen für eine Beteiligung erfüllt sein müssen: „Es liegt an den Frauen zu entscheiden, ob sie in einer Gruppe leben möchten und etwas für ihr neues Zuhause tun wollen.“ Denn: Die Frauen sollen über Raumplanung und Konzept wie beispielsweise Gemeinschaftsräume federführend entscheiden. Interessierte müssen „mit anpacken“, „Tatkraft und Begeisterung“ mitbringen, betont Marschall. Dazu müssen eine Einlage in Höhe von 100 000 Euro geleistet werden – für viele ebenfalls eine Hürde.
Was könnte auf dem ehemaligen Firmenareal entstehen? Die Beginenstiftung, die die Frauen bei der Umsetzung des Projekts begleitet, stellt sich vor, die Bestandsgebäude auf dem Gelände zu Wohnungen und Gemeinschaftsflächen umzubauen. In einem langgestreckten, eingeschossigen Gebäude, das früher als Lagerhaus genutzt wurde, könnten circa acht bis neun kleine Wohneinheiten, kleine „Reihenhäuschen“ entstehen, jedes mit circa 43 Quadratmeter Grundfläche und einer Galerie mit rund 21 Quadratmeter. Auch eine Gartenfläche ist vorgesehen.
Konzept: Sprachkurse für Bürger denkbar
Im ehemaligen quadratischen Bürogebäude könnten im Obergeschoss ebenfalls Wohnungen und im Erdgeschoss Gemeinschaftsflächen ermöglicht werden. Denkbar sei auch, Gebäudeteile für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, beispielsweise für Sprachkurse. Bei einem anderem Projekt der Stiftung seien auch Fremdenzimmer zur Vermietung eingerichtet worden. Auch das könne in Stein realisiert werden.
Andrea Marschall hofft auf die Zusage vieler Frauen, die den Mut haben, aktiv eine neue Form des Zusammenlebens zu gestalten. Sind genügend Frauen gefunden, soll auch die aufgeschobene Schlüsselübergabe mit dem Zustifter nachgeholt werden. Die Bürgerschaft Steins soll dabei explizit miteinbezogen werden.
Wer Interesse hat, kann sich bei der Beginenstiftung per E-Mail an info@beginenstiftung.de wenden.