Immer mehr Menschen treibt es in der Corona-Zeit hinaus in die Natur. Manche entdecken sogar neue Hobbys an der frischen Luft für sich. So ist das Interesse am Angeln gestiegen – das merken auch die Vereine in Dietingen und Villingendorf.
Dietingen/Villingendorf - "Viele Leute wollen gerne mal mit zum Angeln, welche noch nie angeln waren. Auch Mitglieder, die sonst eher selten angeln waren, gehen nun deutlich öfter an die Gewässer", schildert Johannes Baur, Schriftführer beim Angelverein Dietingen (AVD), die Erfahrungen der vergangenen Monate. Er ist überzeugt: "Angeln ist in diesen Zeiten ein ideales Hobby, um frische Luft und Abwechslung in der Natur genießen zu können."
Allerdings macht es Corona den "Neulingen" nicht einfach – da Prüfungen aktuell nicht stattfinden können. "Schon immer problematisch war das Ablegen der Fischerprüfung. Oftmals verpassen dies Jungangler, scheiden dann aus dem Verein aus, da man ab 16 Jahren nur mit gültigem Fischereischein und nicht mehr mit dem Jugendfischereischein angeln darf, und haben später aber doch wieder Interesse am Angeln und würden dem auch gerne nachgehen", erklärt Baur.
Drei neue Mitglieder
Theoriestunden fänden nur online statt, führt er weiter aus. Jedoch werde auch ein Praxistag und die Prüfung in Präsenz benötigt, die aktuell nicht stattfinden könnten. "Das könnte sich aber in den nächsten Monaten wieder ergeben", bleibt er optimistisch.
Auch das Vereinsleben im AVD steht zurzeit so gut wie still. "Seit einem Vereinsfischen im September konnte bis auf einen kleinen Fischverkauf am Gründonnerstag kein Termin und auch keine Generalversammlung stattfinden. Einzig am Wasser trifft man die Angelkollegen – und das ist auch schön so", berichtet Baur.
Schwierig gestalte sich die Ausschussarbeit, wobei es ohne Termine auch nicht so viel zu organisieren gebe als sonst. Ab und zu fänden kleine Pflegeaktionen statt – immer coronakonform mit nur zwei Personen.
"Finanziell steht der Verein noch gut da, weil die laufenden Kosten von den Mitgliedsbeiträgen gedeckt werden und man noch ausreichend Rücklagen hat", stellt Baur fest. Auch die personelle Situation sei in Dietingen erfreulich: Es seien keine Austritte, sondern vermehrt Beitrittsanfragen zu verzeichnen. Im Hinblick auf die Mitgliederzahlen sei der AVD an der oberen Grenze, stellt Baur fest.
Drei neue Mitglieder hat in der Corona-Zeit der Anglerverein Villingendorf gewonnen. "Die Rückbesinnung auf die Natur ist da. Es gibt auch unheimlich mehr Spaziergänger an den Teichen. Wir führen viel mehr Gespräche als früher", stellt Claus Jung, der Vorsitzende des Anglervereins Villingendorf, fest. Stärker sei jetzt auch das Interesse bei jüngeren Leuten ausgeprägt. "Das Angeln wird zum Trend. Wir sind wirklich kein ›Alte-Männer-Verein‹", sagt Jung.
Finanziell ist die aktuelle Situation eine Herausforderung
Loslegen können jetzt allerdings nur diejenigen, die den Fischereischein bereits besitzen. Denn Lehrgänge und Prüfungen sind aufgrund von Corona ausgesetzt.
Und diese Lehrgänge, sie haben es in sich: An mehreren Abenden setzen sich die angehenden Angler mit den Themen Naturschutz und Tierschutz auseinander. "Es ist schon eine ernsthafte Geschichte. Das geht nicht nebenher", macht Jung deutlich.
Die gemeinsamen Aktivitäten fehlen den Mitgliedern des Villingendorfer Vereins. "Das Zusammenkommen, die Kameradschaft – das ist sehr wichtig", sagt Jung. Alle wichtigen, organisatorischen Sachen werden über Videokonferenzen geregelt und in Briefen oder Telefonaten mitgeteilt. Der Vorsitzende ist überzeugt: Wenn die Lage es wieder erlaubt, sind alle Mitglieder wieder bei der Stange: "Der Zusammenhalt ist gut. Uns verbindet die Freude an der Natur, an der Kreatur und am Gewässer", hebt er hervor.
Finanziell ist die aktuelle Situation für die Villingendorfer Angler eine Herausforderung. Dadurch, dass der traditionelle Fischverkauf nur in einer sehr abgespeckten Form oder gar nicht möglich ist, gehen dem Verein wichtige Einnahmen verloren. "Gerade für kleinere Vereine ist es eine große Umstellung", betont Jung.
Trotzdem blickt er optimistisch in die Zukunft. Der "Back-to-the-roots"-Trend lässt hoffen, dass immer mehr Jugendliche das Hobby für sich entdecken. "Die Neuen finden sich bei uns immer erstaunlich schnell zurecht. Es gibt Paten, die sie an die Hand nehmen, sie in die Anlage und in die Vorschriften einweisen", schildert Jung.