Mitarbeiter der Stadt Bad Liebenzell, der stellvertretende Feuerwehrkommandant Simon Nonnenmann, der Beinberger Ortsvorsteher Thomas Todt sowie Mitarbeiter der Firma BIP Ingenieure bei einem gemeinsamen Workshop. Foto: Stadtverwaltung

Bad Liebenzell arbeitet seit einiger Zeit intensiv am Thema Starkregenrisikomanagement – ein wichtiger Schritt, um vor den Folgen von extremen Wetterereignissen zu schützen.

Was ist Starkregenrisikomanagement und warum ist es wichtig? Starkregenrisikomanagement bezeichnet den systematischen Umgang mit den Gefahren und Risiken, die durch plötzliche, intensive Regenfälle entstehen.

 

Anders als beim klassischen Hochwasserschutz, bei dem sich der Fokus auf Flüsse und bekannte Gewässer richtet, geht es hier vor allem um die oft unvorhersehbaren Folgen lokaler Regenmengen, die in kurzer Zeit große Schäden anrichten können.

Die dramatischen Ereignisse im Ahrtal im Jahr 2021 haben eindrücklich gezeigt, wie schnell solche Regenmengen zur Katastrophe führen können.

Aufbauende Phasen

Gezielte Maßnahmen Angesichts dieser Risiken hat die Stadtverwaltung Bad Liebenzell nach der Flutkatastrophe im Ahrtal entschieden, aktiv zu werden und den Prozess zum kommunalen Starkregenrisikomanagement zu starten. Ziel ist es, Gefährdungen frühzeitig zu erkennen und gezielte Maßnahmen zum Schutz von Menschen, Gebäuden und Infrastruktur zu entwickeln.

Vier Phasen Das Projekt ist in insgesamt vier aufeinander aufbauende Phasen unterteilt:

Gefährdungsanalyse In dieser ersten Phase wird mithilfe eines digitalen Geländemodells simuliert, wie und wohin sich Wasser bei Starkregen bewegt: Wo entstehen Fließwege? Wo staut sich Wasser? Die Analyse liefert Karten, die Überflutungsflächen und Fließrichtungen zeigen – unabhängig von der Bebauung.

Risikoanalyse (aktuell in Arbeit) Aufbauend auf den Gefährdungskarten werden hier die konkreten Risiken für Menschen, Gebäude, Straßen und wichtige Einrichtungen bewertet. Die Simulationen zeigen auf, welche Bereiche besonders gefährdet sind und wo mit erheblichen Schäden zu rechnen ist.

Maßnahmenkonzept In dieser Phase werden konkrete Vorschläge zur Risikominimierung erarbeitet. Dazu gehören bauliche Maßnahmen (zum Beispiel Rückhaltebecken, Entwässerungssysteme), planerische Vorgaben (zum Beispiel in der Bauleitplanung) sowie organisatorische und vorsorgende Maßnahmen.

Kommunikation und Verstetigung Ziel ist es, die Bevölkerung zu informieren, für das Thema zu sensibilisieren und das Thema dauerhaft in Verwaltung und Planung zu verankern. Schulungen, Informationsveranstaltungen und konkrete Handlungsempfehlungen für Bürgerinnen und Bürger stehen im Mittelpunkt.

Moderne Software

Geländemodell In Bad Liebenzell ist laut Pressemitteilung die erste Phase – die Gefährdungsanalyse – bereits erfolgreich abgeschlossen. Aktuell befindet sich die Stadt in Phase zwei, der Risikoanalyse.

Mithilfe eines digitalen Geländemodells und moderner Simulationssoftware werden die Auswirkungen verschiedener Starkregenszenarien berechnet.

So kann ermittelt werden, wo sich Wasser sammelt, welche Gebäude und Infrastruktureinrichtungen gefährdet sind und wo besonderer Handlungsbedarf besteht.

Für Bad Liebenzell bedeutet das konkret: Durch die Lage im Talraum entlang der Nagold fließen bei Starkregen große Wassermengen aus den umliegenden Höhenlagen zusammen. Besonders gefährdet sind daher Gebäude und Einrichtungen in den Taleinschnitten – darunter auch kommunale Gebäude, Feuerwehr und Rettungsdienste, die eine zentrale Rolle im Krisenfall spielen. Der Schutz dieser Einrichtungen hat oberste Priorität.

Die Erkenntnisse aus dem laufenden Projekt werden direkt in den Katastrophenschutzplan der Stadt einfließen und bilden zudem die Grundlage für einen langfristigen Maßnahmenplan zur Starkregenvorsorge.

Enge Zusammenarbeit

Infoveranstaltung Das Projekt wird durch Fördermittel unterstützt und in enger Zusammenarbeit mit dem erfahrenen Ingenieurbüro BTI Ingenieure aus Freiburg umgesetzt. Die Zusammenarbeit verläuft sehr erfolgreich und gewährleistet eine fachlich fundierte Umsetzung.

Bis Mitte 2026 soll das Starkregenrisikomanagement abgeschlossen sein.

Zum Projektabschluss ist übrigens eine Informationsveranstaltung für die Bürger geplant, bei der die Ergebnisse vorgestellt und konkrete Hinweise zum Selbstschutz gegeben werden.