So sieht es im Dispositionsraum der Integrierten Leitstelle im Kreis Rottweil aus. (Archiv-Foto) Foto: Siegmeier

Eine Leitstelle, zwei Arbeitgeber: Das sorgt im Kreis Rottweil immer wieder für Probleme. Auch aus Sorge vor Personalproblemen steht eine Veränderung an. Das ist der aktuelle Stand.

In der Integrierten Leitstelle (ILS) landen alle Anrufe vom medizinischen Notfall bis zum Brand. Dort werden die Einsätze koordiniert und die Kräfte alarmiert. Nun ist geplant, die ILS in eine gGmbH umzuwandeln. Ein Vorhaben, das ein Insider im Gespräch mit unserer Redaktion allerdings schon als „Schnapsidee“ bezeichnet hatte. Eine alleinige Trägerschaft des DRK wie früher war ein Alternativvorschlag. Auch dieser Aspekt wurde im Sachstandsbericht aufgegriffen, den es nun im Kreisausschuss für Umwelt und Technik gab.

 

Früher hat das DRK die ILS eigenständig geführt. Seit rund fünf Jahren tragen DRK und Landkreis die Verantwortung gemeinsam. Der Landkreis entscheidet über die Feuerwehrbelange und übt die Fachaufsicht über den Rettungsdienst aus.

Zwei Arbeitgeber, viele Schwierigkeiten

Dass die Leitstelle zwei unterschiedliche Arbeitgeber hat, führt aber immer wieder zu Problemen. So sind bei Entscheidungen nicht nur unterschiedliche Interessen zu berücksichtigen, DRK und Landkreis haben jeweils auch Gremien, durch die manches Thema erst einmal durch muss. Das mache Abstimmungen enorm komplex und führe zu Verzögerungen, wurde im Kreisausschuss berichtet.

Weitere Probleme seien unterschiedliche Arbeitszeit- und Vergütungsmodelle, die zu Ungleichbehandlungen bei den Mitarbeitern, von denen ein Teil beim Landkreis und ein Teil beim DRK angestellt ist, führten.

Sorge vor Personalproblemen

Gleichzeitig kämpfe man mit der Herausforderung, dass Leitstellenplätze auf dem Land weniger attraktiv seien. DRK und Landkreis sehen deshalb die Gefahr von Personalproblemen. Die Umwandlung in eine gGmbH soll das auffangen.

Die Leitstelle soll damit ein eigener Arbeitgeber mit einem einheitlichen Tarifvertrag werden. Damit einhergehen könne eine Entlastung von Verwaltungsaufgaben.

Umwandlung hat nicht nur Befürworter

Gleichwohl wird dieser Plan von manchem kritisch gesehen. So hatte uns ein Insider berichtet, dass nicht jeder beim DRK darauf erpicht sei, den Arbeitgeber zu wechseln und bei der gGmbH angestellt zu sein. Er sah die Gefahr, dass die Mitarbeiter die Leitstelle dann sogar lieber verlassen würden.

ILS-Betriebsratsvorsitzender Marcus Gries hatte sich für die geplante Umwandlung ausgesprochen. Eine gGmbH habe schon 2021 im Raum gestanden, teilte er uns vergangenen Oktober mit.

Alleinige Trägerschaft ist keine Option

Eine alleinige Trägerschaft des DRK – das machte der Vertreter des Landratsamtes in der Ausschusssitzung deutlich – sei aus Kapazitätsgründen nicht realistisch. Das sähen sowohl Landkreis als auch DRK so, und die Feuerwehr wünsche diesen Schritt ebenfalls nicht.

Der Vergleich mit anderen Leitstellen zeigt: Eine ILS als gGmbH gibt es in der Region noch nicht. Im Schwarzwald-Baar-Kreis und im Kreis Tuttlingen sei das DRK der Träger, in anderen Landkreisen gebe es oftmals die gemeinsame Trägerschaft. Eine gGmbH gebe es beispielsweise in Ludwigsburg, Mannheim und im Rhein-Neckar-Kreis, hieß es im Kreisausschuss. Mit letzterem stehe man im Austausch.

Der Neubau des Landratsamtes in Rottweil, in dem auch die Integrierte Leitstelle Platz finden wird, biete eine einmalige Chance, die Weichen neu zu stellen, meinte die Landkreisverwaltung abschließend.

Vernetzung der Leitstellen

Die drei Leitstellen
Rottweil, Schwarzwald-Baar und Tuttlingen sollen künftig zusammenarbeiten und vernetzt werden. Eine entsprechende Absichtserklärung wurde im Frühjahr 2025 auf den Weg gebracht. Ende 2025 habe der Landkreis Konstanz Interesse an einer Beteiligung geäußert, hieß es im Kreisausschuss. Die drei Landkreise hätten sich jedoch bereits mit hohem Aufwand und Abstimmungsbedarf angenähert. Und der Landkreis Konstanz bringe mit seiner Grenznähe und dem Bodensee besondere Anforderungen mit, so dass man eine Erhöhung der Komplexität und weitere Verzögerungen befürchte, hieß es von Seiten des Landratsamtes Rottweil. Deshalb wolle man nun erst einmal eine grundlegende Struktur schaffen – ohne den Landkreis Konstanz.