Schramberg ist bunt. Die zeigt sich auch bei Stadtfesten, wie hier in der unteren Hauptstraße. Foto: Rainer Langenbacher

Mehr Vielfalt, weniger Kurse: Während Schramberg die Wochen gegen Rassismus startet, kritisiert die Stadt neue Hürden bei Integrationskursen für Geflüchtete.

Am Montag, 16. März, startet die Stadt Schramberg ihr Programm zu den „Internationalen Wochen gegen Rassismus“, die jedes Jahr um den 21. März herum stattfindet. „Es ist uns wichtig, gerade in Zeiten, in denen Hass und Vorurteile geschürt werden, zunehmend Werte wie Respekt, Toleranz und Vielfalt in unserer Stadt hochzuhalten“, betont Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr.

 

Beratung auch für Nachbargemeinden

Schramberg engagiere sich aktiv für gelingende Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Eine zu 50 Prozent bei der Stadt beschäftigte Integrationsbeauftragte kümmere sich um Netzwerkarbeit und kommunale Integrationsprojekte. Ergänzend dazu sei das Integrationsmanagement mit einem Stellenumfang von 150 Prozent auf die individuelle Beratung und Unterstützung von zugewanderten Menschen im Rahmen der Anschlussunterbringung ausgerichtet, erläutert Eisenlohr auf Anfrage. Im Rahmen der Verwaltungsgemeinschaft decke diese Beratung auch die Nachbargemeinden Aichhalden, Hardt und Lauterbach mit ab.

Zuständig für die Umsetzung der Integrationsarbeit ist das JUKS³, gefördert wird die Arbeit im Rahmen des „Pakt für Integration“ zwischen dem Land Baden-Württemberg, dem Landkreistag Baden-Württemberg, dem Städte- sowie Gemeindetag.

Kosten werden nicht mehr übernommen

„Aktuell beschäftigt uns die kürzlich getroffene Entscheidung des Bundesministeriums für Migration und Flüchtlinge, den Zugang zu Integrationskursen zu erschweren. Insbesondere Asylbewerber, Geduldete (§ 60a Abs. 2 S. 3 AufenthG), Menschen aus der Ukraine und Unionsbürger werden nicht mehr im Rahmen verfügbarer Kursplätze zur Teilnahme an Integrationskursen zugelassen“, so Eisenlohr. Sprich: Das Ministerium übernimmt die Kosten für deren Kurse nicht mehr. Zwar könnten die Menschen weiterhin als Selbstzahler an den Kursen teilnehmen, dies sei aber nach Einschätzung der städtischen Mitarbeiter nicht realistisch.

Kursträger wie die Volkshochschule Schramberg, die aufgrund des großen Andrangs auf die Kurse in den vergangenen Jahren Lehrkapazitäten geschaffen haben, sind nicht ausgelastet und könnten wirtschaftlich unter Druck geraten. „Lehrkräften, die sich mit viel Engagement auf die Integrationskurse vorbereitet haben, fehlen Aufträge.“

Perspektive fehlt

Eisenlohr: „Das Schlimmste dabei: Menschen, die schon in Deutschland sind, fehlt die Perspektive. Die Sofort-in-Arbeit-Idee wird in den seltensten Fällen funktionieren. Ohne ausreichende Sprachkenntnisse bekommen die Zugewanderten, wenn überhaupt, nur so geringfügige Beschäftigung, dass sie davon kaum eigenständig leben können.“

Hier brauche es dringend eine Korrektur dieser Entscheidung und verlässliche Rahmenbedingungen für Integrationskurse.

Aktuell leben 802 geflüchtete Personen in Schramberg. Dazu gehören Menschen, die eine Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen besitzen, Menschen, die als Geflüchtete anerkannt sind oder einen vorübergehenden Schutzstatus haben (Ukrainer), und Personen, die sich im laufenden Asylverfahren befinden oder mit einer sogenannten Duldung hier leben. Die Geflüchteten in Schramberg stammen überwiegend aus der Ukraine, Syrien und Afghanistan.

Sattes Plus durch Anschlussunterbringungen

Die aktuellen Unterbringungskapazitäten seien ausreichend, so Eisenlohr. Schramberg erfülle die Aufnahmequote.

Für die vorläufige Unterbringung von Geflüchteten (maximal 24 Monate) zeichnet der Landkreis Rottweil verantwortlich. Die Stadt ist für die Anschlussunterbringung zuständig. „Sie greift nach dem Ende der vorläufigen Unterbringung, sofern die betroffenen Personen bis dahin keinen eigenen Wohnraum finden konnten“, so die Oberbürgermeisterin.

Zu diesen Kosten teilt die Stadt mit: Für die Anschlussunterbringung erhält die Kommune vom Jobcenter Mietzahlungen sowie vom Landratsamt gewisse Pauschalen. Dadurch ergab sich 2023 (aus diesem Jahr stammt der letzte Integrationsbericht) ein Ertrag von rund 196 000 Euro.

196 000 Euro Ertrag

Die Aufwendungen der Stadt für Miete, Gebäudebewirtschaftung und Verwaltung beliefen sich im selben Jahr auf rund 149 000 Euro. „So entstand ein positives Ergebnis von zirka 47 000 Euro, von dem noch Personalkosten im Rahmen der Unterbringung – wie geringfügige Beschäftigung eines Hausmeisters – abzuziehen sind.“

Eisenlohr: „Auch der Blick auf die letzte Aufstellung der Mietzahlungen im April 2025 ergab ein leicht positives Ergebnis. Neuere Zahlen wird das JUKS³ voraussichtlich im Herbst 2026 vorstellen.“

Zuweisungen rückläufig

Allgemein sei die Zahl der Zuweisungen rückläufig. Die Stadt habe bereits einzelne Mietverträge gekündigt, andere liefen in absehbarer Zeit aus.

Der Anteil ausländischer Staatsbürger in der Gesamtstadt beträgt rund 20 Prozent. Davon leben die meisten in der Talstadt (knapp 35 Prozent), gefolgt von Sulgen, Heiligenbronn, Waldmössingen, Schönbronn und Tennenbronn (siehe Grafik).