Der verbliebene Teil des Wolfacher Integrationskurses, der am Freitag mit dem Test Leben in Deutschland die Grundlage für eine Einbürgerung legt. Mit auf dem Foto zu sehen sind Thomas Lang sowie die Lehrer Werner Wußler und Angelika Spitzmüller. Foto: Lupfer

Die Teilnehmer haben am zweiten Integrationskurs der Volkshochschule in Wolfach erzählen über ihre Erfahrungen nach einem Jahr.

Ein Jahr Unterricht liegt hinter den Teilnehmern des zweiten Integrationskurses, den die Volkshochschule in Wolfach am Freitag mit dem Abschlusstest „Leben in Deutschland“ zu Ende bringt. Jeden Schultag seit Mitte Mai 2025 ging’s für die Teilnehmer von 13.30 bis 16.45 Uhr in die Beruflichen Schulen– am Ende stolze 700 Unterrichtsstunden. Bei den Teilnehmern mischen sich Freude und Wehmut über das Ende der bunt gemischten Gemeinschaft – und bei den Organisatoren herrscht trotz positiver Bilanz Ungewissheit, ob es den geplanten dritten Kurs geben wird.

 

Überwogen bei der Premiere Flüchtlinge aus der Ukraine, sitzen diesmal viele türkische Einwanderer im Rund. Mit ihnen Zuwanderer aus Iran, Syrien, Ecuador, von den Philippinen, aus Serbien, dem Irak, Afghanistan und der Ukraine. Allen gemein: Am Anfang sprachen sie praktisch kein Wort Deutsch. Mitte März stand die Prüfung zum Sprachniveau B1 oder A2 an. Der Großteil der Gruppe setzt seither mit dem Orientierungskurs in Modul sieben noch eins drauf, büffelt darin nach Sprache nun Rechtsordnung, Geschichte, Kultur und Werte. „Ja, es war genauso schön“, sagt Lehrer Werner Wußler. „Die ersten Tage hat man immer Vergleiche angestellt.“

Andere Kulturen kennen und schätzen gelernt

Doch auch der zweite Kurs sei eng zusammengewachsen. Lehrerin Angelika Spitzmüller erinnert sich an die große Umgewöhnung vom ersten zum zweiten Integrationskurs. „Da mussten wir uns auch drauf einstellen.“ Doch, sagt sie: „Es macht den Kurs spannend.“ Wie ist es, Deutsch zu lernen? „Schwer“, sagt Neslehan Aydin. Zusätzlich zum Unterricht hätten ihr Podcasts, Filme und Nachrichten auf Deutsch geholfen, die Sprache zu lernen, erklärt die 45-jährige Türkin. Lohn der Mühe: das bestandene Zertifikat B1. Die Sprache allein sei es nicht gewesen, die die Gruppe ausmachte: „Jede Person hat eine andere Geschichte, auch schwere Geschichten.“

Vier Punkte fehlten Yeliz Altintas (44) aus Wolfach schriftlich zum B1-Niveau. „Ich bin vor einem Jahr aus der Türkei gekommen. Deutschlernen macht mir viel Spaß.“ Das Sprechen funktioniere schon gut. Die richtigen Worte zu finden, ist trotzdem nicht immer leicht. „Ich habe hier Deutsch gelernt, das freut mich“, sagt Hüsnü Benlik. Der 23-jährige Kurde kam 2023 aus der Türkei nach Deutschland. In der Gruppe habe er auch andere Kulturen kennen und schätzen gelernt.

Den längsten Namen der Gruppe darf Susana del Rocio Moya Viracocha für sich beanspruchen. „Aller Anfang ist schwierig – egal wo“, sagt die 46-Jährige aus Ecuador. In der Gruppe zu lernen, sei für sie eine wertvolle Erfahrung gewesen. „Jetzt habe ich viele Freunde hier. Vielen Dank für die Hilfe“, dankt sie wie alle anderen dem Lehrer-Duo.

„Ich bin sehr glücklich. Hier in Deutschland gibt es Freiheit und Sicherheit“, sagt die 37-jährige Forouzan Panahandeh. In ihrem Heimatland Iran sei das anders. Welchen Unterschied ein Jahr ausmacht, zeigt Elif Celik: Anfangs habe sie kein Deutsch sprechen können, immer ihre Schwester oder ihren Mann bitten müssen zu übersetzen. „Jetzt vertraue ich mir“, sagt die 28-jährige Türkin. Auch wenn sie „nur B1“ geschafft habe bisher, gebe ihr die Sprache Selbstsicherheit. Und: Sie hat mithilfe des Gelernten unter anderem gerade die Führerscheinprüfung gemeistert. Das Bundesinnenministerium schränkte die Kostenübernahme der Integrationskurse Anfang des Jahres drastisch ein. Im aktuellen Kurs der VHS in Wolfach gibt es zwei Selbstzahler – pro Kopf kostet der Integrationskurs mehrere Tausend Euro. „Wir versuchen alles dranzusetzen, dass es weitergeht“, betonte Geschäftsstellenleiter Thomas Lang. Am Montag, 8. Juni, soll der dritte Integrationskurs in Wolfach starten, alternativ im September. „Im Moment haben wir noch zu wenige Anmeldungen“, so Lang. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer sei bisher über das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) zugelassen worden – die freiwillige Leistung, die es jetzt nicht mehr geben soll. Ohne verstärkte Zuweisungen über das Jobcenter aber könnte der Kurs ganz wegbrechen, so die Sorge.

Sprachniveaus

Die Sprachniveaus A1 bis C2 orientieren sich am Europäischen Referenzrahmen für Sprachen. A steht für grundlegende, B für selbstständige und C für kompetente Sprachverwendung. Mit B1 können sich Menschen im Alltag meist selbstständig verständigen.