Deutschland ist wegen des demografischen Wandels auf Arbeitskräfte auf dem Ausland angewiesen. Allerdings bringen Flüchtlinge nicht immer die Kenntnisse mit, die für Mangelberufe nötig wären. Wie sind Syrer auf dem deutschen Arbeitsmarkt integriert?
Der Anteil syrischer Beschäftigter an der Gesamtbeschäftigung in Deutschland liegt aktuell bei 0,6 Prozent, unter Berücksichtigung der schon eingebürgerten Menschen aus Syrien sind es 0,8 Prozent. Diese Zahlen nennt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit. Viele Syrer arbeiten in Mangelberufen, etwa im Gesundheitswesen und in der Pflege.
Im September 2024 waren 287 000 der knapp eine Millionen syrischen Staatsangehörigen in Deutschland beschäftigt, davon 82 Prozent sozialversicherungspflichtig. Mit 42 Prozent liegt ihre durchschnittliche Beschäftigungsquote allerdings deutlich unter dem Durchschnitt der Deutschen (71 Prozent) und auch weit unter dem der ausländischen Bevölkerung in der Bundesrepublik (55 Prozent).
Hohe Arbeitslosenquote unter Syrern
Im November 2024 hatte die Bundesagentur für Arbeit 430 163 „Arbeitslose im Kontext von Fluchtmigration“ registriert, darunter 36 Prozent Syrer. Die Arbeitslosenquote der syrischen Migranten liegt bei 37,1 Prozent. Bei Flüchtlingen aus den wichtigsten Asylherkunftsländern, zu denen Syrien zählt, sind es 30,1 Prozent, bei Ausländern in Deutschland 15 Prozent und bei der deutschen Bevölkerung 5,3 Prozent.
Unter den Syrern in Deutschland gibt es 518 054 sogenannte Regelleistungsberechtigte. Das sind Personen mit Anspruch auf Sozialhilfe. Die sogenannte SGB-II-Quote, die den Anteil der Hilfsempfänger an den Personen unter 65 Jahren benennt, liegt unter Syrern bei 54,9 Prozent – mehr als die Hälfte ist also von staatlicher Hilfe abhängig. Diese Quote beträgt für Migranten aus den wichtigsten Asylherkunftsländern 44,9 Prozent, für die ausländische Bevölkerung in Deutschland 20,9 Prozent und für Deutsche 5,3 Prozent.
Bildungsstand sehr unterschiedlich
Das Bildungsprofil der Migranten aus Syrien ist sehr unterschiedlich. Dazu liegen Zahlen des Statistischen Bundesamts von 2020 vor. Weil der Altersdurchschnitt syrischer Flüchtlinge sehr niedrig ist, sind viele von ihnen noch in Ausbildung oder nicht einmal schulpflichtig (47 Prozent) – zum Vergleich: Für die Bevölkerung in Deutschland insgesamt liegt diese Quote bei 21 Prozent. 39 Prozent der Syrer in Deutschland haben keinen Berufsabschluss (Bevölkerung insgesamt: 15 Prozent). Unter den Syrern, die über ein Abschlusszeugnis verfügen, ist das Qualifikationsniveau aber relativ hoch: 56 Prozent von ihnen haben eine akademische Ausbildung genossen, unter den syrischen Frauen mit Schulabschluss sind es sogar 62 Prozent.
Im ersten Jahr nach der Ankunft in Deutschland waren 37 Prozent der erwerbstätigen Syrer als Helfer beschäftigt, nach sieben Jahren sank dieser Anteil auf 26 Prozent. Der Anteil der Beschäftigten in Spezialisten- und Expertenjobs, die meist eine akademische Ausbildung erfordern, stieg in diesem Zeitraum auf 15 Prozent. Insgesamt üben sieben Jahre nach dem Zuzug 74 Prozent der erwerbstätigen syrischen Geflüchteten solche qualifizierten Tätigkeiten aus, für die ein Berufs- oder Hochschulabschluss nötig ist.