„Bitte Lächeln“. OB Großmann (rechts oben) fotografiert die Gäste des Empfangs am Nagolder Stadtmodell. Foto: Mira Hofmann

Beinahe jeder Stuhl ist im Sitzungssaal des Nagolder Rathauses belegt. Normalerweise tagt hier der Gemeinderat, doch an diesem Morgen nehmen die Teilnehmer von zwei Integrationskursen der VHS dort Platz und werden von Oberbürgermeister Jürgen Großmann empfangen.

Das Willkommenheißen geflüchteter Menschen ist OB Großmann wichtig. „Jeder, der Mensch ist, hat in Deutschland Schutz und Sicherheit verdient”, sagt er.

 

Die Kurse setzten sich hauptsächlich aus wissbegierigen, jungen Menschen zusammen, die nach Deutschland flüchteten und für die das Lernen der Sprache eine Grundvoraussetzung für die Integration in die fremde Gesellschaft ist.

In den Integrationskursen finden Menschen aus unterschiedlichen Teilen der Welt zusammen. Einige Kursteilnehmer kommen aus der Ukraine, andere aus der Türkei, aber alle gemeinsam Lernen sie deutsch in der Volkshochschule in Nagold.

Themen sind breitgefächert

Die Zusammenkunft und der Austausch im Rathaus ist von Offenheit geprägt. Nach einer kurzen Begrüßung und einer Vorstellung des Gebäudes, des Saals und deren Funktionen, steht Jürgen Großmann für Fragen der Besucher zur Verfügung. Die Themen des Vormittags sind breitgefächert. Meinungsfreiheit, Ambitionen und Träume, Mietwohnungen, Arbeitslosigkeit, Krieg und Flucht aber auch Fragen rund um die Stadt Nagold werden gestellt. Der Wissensdurst der Kursbesucher ist groß.

Nagolds OB gibt den Gästen mit seinen Antworten nicht nur Sicherheit sondern begegnet ihnen auch verständnisvoll. Er fordert bewusst die Kursteilnehmer auf, ihren Eindruck von Nagold, inklusive negativer Wahrnehmungen offen zu formulieren. Eine Lebendigkeit und Veränderung der Stadt sei wichtig. „Stillstand ist wie ein Rückschritt”, erläutert Großmann.

Zurzeit laufen sieben Kurse

Neben den zwei Integrationskursgruppen, die im Rathaus empfangen werden, bietet die VHS Oberes Nagoldtal zur Zeit noch fünf andere Integrationskurse an. Die sieben Kurse laufen gleichzeitig und weisen eine Anzahl von 140 Teilnehmenden auf. Dabei gibt es Angebote wie den Orientierungskurs und die Vorbereitungen auf Prüfungen zum Beispiel mit dem Niveau B1 oder die Prüfung „Leben in Deutschland”.

Im Sitzungssaal des Rathauses: Wo sonst Nagolds Stadträte sitzen, nehmen an diesem Morgen die Teilnehmer der Integrationskurse Platz. Foto: Mira Hofmann

Darüber hinaus finden in der VHS zwei Berufssprachkurse mit dem Zielniveau B2 mit insgesamt 36 Teilnehmern statt. Oberbürgermeister Großmann begrüßt gerade den Gedanken, eine berufliche Orientierung durch die Verbesserung der Sprache zu erzielen. „Wir brauchen junge berufsorientierte Menschen”, betont er und erzählt anschließend von einer jungen ukrainischen Geflüchteten, die nach dem Besuch der Sprachkurse nun selbst bei der VHS angestellt sei.

Großes Interesse am Kanzlerbesuch

Neben der Stadt Nagold und dem deutschen Grundgesetz waren die Kursbesucher auch besonders am Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz vor einigen Wochen interessiert. Aufgeregt erzählen sie davon, dass sie den Kanzler in Nagold von der Volkshochschule aus sehen konnten. Mario Gotterbarm, Leiter der VHS stimmt zu und gesteht, dass an diesem Morgen an der VHS der Unterricht einige Sekunden ausbleiben musste. Sowohl Kursbesucher als auch Dozierende folgten gespannt den Geschehnissen vor der Seminarturnhalle, in die Scholz zum Bürgerdialog eingeladen hatte.

Großmann ermutigt die jungen Menschen dazu, sich von der Sprachbegeisterung anstecken zu lassen, wohlwissend um die Schwierigkeiten der deutschen Sprache, die ab und an sicher etwas demotivierend wirken könne. Nachdem das Treffen bereits eine halbe Stunde länger als geplant dauert, verabschiedet Großmann die Integrationskurse. Er versichert: Ihm sei es wichtig, die Gäste ohne Zeitdruck willkommen zu heißen und Platz für alle Fragen zu bieten, deswegen mache ihm das Überziehen in dem Fall auch nichts aus.