Preisgekrönt und hochgelobt: Das Hechinger Begegnungszentrum Refugio hatte den Integrationsminister des Landes, Manne Lucha (Grüne), zu Gast.
Den Mittagstisch aus brasilianischen und ukrainischen Köstlichkeiten hat der Oberbayer Manne Lucha sichtlich genossen.
Der Abschiedsbesuch des scheidenden Sozial-, Gesundheits- und Integrationsministers im Zollernalbkreis führte den Grünen mit seiner wahlkämpfenden Parteifreundin Cindy Holmberg im Gefolge am Freitag ins Hechinger Integrationszentrum Refugio.
Dort traf er die Macherinnen des Hechinger AK Asyl wieder, denen er im vergangenen Mai den Integrationspreis 2025 des Landes verliehen hatte.
In der Kategorie „Zivilgesellschaft“ hatte der AK Asyl für das Refugio den 1. Preis gewonnen.
Ist Ende 2026 wirklich Schluss?
Weil Landrat Günther-Martin Pauli und Bürgermeister Philipp Hahn mit am Tisch saßen, interessierte vor allem ein Thema: Ist Ende 2026 wirklich Schluss mit dem auf drei Jahre angelegten Modellprojekt im ehemaligen Hotel Klaiber am Obertorplatz? Oder gibt es Aussichten auf eine Verlängerung?
Pauli: Schließung „täte mir weh“
Für den Zollernalbkreis, der das Projekt trägt, redete der Landrat nicht um den heißen Brei herum: „Wir tun uns mit Blick auf die Kosten schwer.“ Eine halbe Million Euro Zuschuss vom Land und vom Landkreis sei sehr viel Geld, verglichen mit anderen Unterkünften für Geflüchtete. Andererseits, so Pauli: „Mir täte es weh, das Projekt schließen zu müssen. Wir wünschen uns, dass wir Lösungen finden, damit wir das fortsetzen können.“ Klar ist: Die Fixkosten müssen gesenkt werden, wenn der Kreistag mitmachen soll. Und was die Einnahmenseite angeht, sagte der Landrat: „Vielleicht finden sich noch andere Partner“ – und blickte in die Runde, in der mit Bürgermeister Philipp Hahn und den Stadträten Lorenz Welte (CDU) und Jürgen Fischer (SPD) Vertreter der Stadt Hechingen saßen.
Hahn: Der Erfolg gibt dem Projekt recht
Zur Zukunft des Refugio äußerte sich Hahn nicht, für die Gegenwart stellte er aber fest: Es sei „viel wert“, dass der Leerstand am Obertorplatz auf diese Weise belebt worden sei: „Der Erfolg gibt dem Projekt recht.“ Zurückblickend sagte der Rathauschef, dass die Flüchtlingsunterkunft am zentralen Platz der Stadt nicht unumstritten gewesen sei, um dann festzustellen: „Aber warum nicht? Wenn wir Menschen integrieren wollen, ist die Mitte der Stadt der richtige Platz.“ Was der AK Asyl seit Jahrzehnten an Integrationsarbeit leiste, sei unverzichtbar.
Minister Lucha seinerseits betonte: „Ich bin hier, um solche Projekte zu stärken.“ Seine Zeit im Amt gehe zwar zu Ende, wenn Grüne und CDU aber nach der Landtagswahl weiterregierten, dann würden die positiven Eindrücke weitergegeben. Im Wahlkampfmodus klang das mit Blick auf den AfD-Spitzenkandidaten dann so: „Wenn Rechtsradikale wie Frohnmaier mit seiner offensichtlichen Abhängigkeit von Russland gegen die vielfältige Gesellschaft Stimmung machen, dann hilft nur, die Orte des Gelingens dagegenzusetzen.“
Das Refugio – ein Ort des Gelingens
Und solch ein Ort des Gelingens ist für den Minister das Refugio – samt Umfeld. Lucha: „Der 1. Preis für Zivilgesellschaft für den AK Asyl ist auch ein Preis für die demokratische Stadtgesellschaft in Hechingen. Solche Städte braucht das Land!“
Refugio-Chefin Almut Petersen hatte eingangs das Konzept des Refugio vorgestellt. Und sie war näher auf zwei Projekte eingegangen, die aktuell von Luchas Ministerium gefördert werden. Im Projekt „Begegnung leben“ gehe es darum, Begegnung, Verständnis und Kommunikation zu fördern – zum einen zwischen den verschiedenen Communitys von Geflüchteten, zum anderen zwischen Geflüchteten und der deutschen Gesellschaft. Deshalb beteilige sich das Refugio an jedem Stadtfest (und demnächst auch wieder an der Fasnet), und deshalb gebe es im Refugio regelmäßig Film- und Vortragsabende, Back- und Kochkurse, aber auch Konzerte, Spieleabende oder Public Viewing: Neulich, beim Finale des Afrika-Cups, hätten Menschen aus neun Nationen gemeinsam mitgefiebert.
Deutschunterricht ganz individuell
Das zweite, gerade anlaufende Projekt „Freiarbeit in der Refugio-Sprachschule“ charakterisierte Almut Petersen als Modellprojekt der Sprachförderung. Es zielt darauf ab, dass Deutschschüler individueller, passend zu ihrer jeweiligen Lebenssituation, gefördert werden. Wer nicht regelmäßig zu den Kurszeiten kommen könne, soll bei seinem Leistungsstand abgeholt werden, und wer schneller lernt als andere, soll einen zusätzlichen Schub erhalten. „Wir wollen austesten, was geht“, sagte Petersen. Ein erster Workshop für ehrenamtliche Helfer findet am Montag, 9. Februar, von 17 bis 19 Uhr statt.
Unterstützung für Hussain Salan
Von Abschiebung bedroht ist die Refugio-Stammkraft Hussain Salan. Die Hängepartie des Syrers, der vom Bundesamt für Migration aus einem Ausbildungsverhältnis bei der barth-Logistikgruppe herausgerissen wurde, war beim Ministerbesuch ebenfalls ein Thema. Almut Petersen machte Manne Lucha klar, wie frustrierend und kontraproduktiv es sei, wenn Menschen, die sich alle Mühe geben, die arbeits- und integrationswillig seien, trotzdem vor der Abschiebung stünden. Gebhard Stein sekundierte: „Es darf keine Politik geben, bei der Leute, die in Arbeit oder Ausbildung stehen, abgeschoben werden.“ Manne Lucha pflichtete bei: „Wer schafft, muss eine Perspektive haben.“ Den Schwarzen Peter gab er der Bundespolitik: „Wir waren da schon mal einen Schritt weiter. Dobrindt dreht das zurück.“ Luchas Appell: „Wir müssen alle Spielräume ausreizen. Formale Hürden müssen weg, damit Arbeit und Engagement belohnt werden.“ Landrat Pauli brachte es mit Blick auf das Bundesamt für Migration auf diesen Punkt: „Wenn Minister, der Landrat, die Gemeinde, der AK Asyl für jemanden bürgen, dann sollte das gehört werden. Dann sollten alle Ermessensspielräume ausgeschöpft werden.“