Gesprächscafé mit Geflüchteten in der Ansprech-Baar. Auch Asad aus Afghanistan (Mitte) ist regelmäßig Teil der Gespräche hier. Er lebte lange Zeit im Iran und ist glücklich darüber, nun in Deutschland zu sein. Foto: Nadja Varsani

Menschen zwischen Integration und Abschiebung erhalten Unterstützung im Mehrgenerationenhaus.Wir fragten, wie sie die Stadtbild-Debatte sehen.

„Kaffee oder Tee?“, fragt Renate Droste einen Mann und legt ihm freundschaftlich die Hand auf den Rücken. Mittwochabends findet im Mehrgenerationenhaus in Donaueschingen ein internationales Gesprächscafé statt. Etwa zehn zugewanderte Männer und fünf Ehrenamtliche haben sich um einen Tisch versammelt. Die Stimmung wirkt freundlich, die Teilnehmenden sind per Du. Benedikt Drolshagen trägt ein Kreppband mit dem Namen Ben und sagt, er verbringe gerne Zeit hier – es mache Spaß, und er lerne viel.

 

Renate Droste schlägt vor, nur Vornamen zu nennen. In der schnellen Vorstellungsrunde berichten Ahmad, Abdul, Safi und Asad aus Afghanistan, Aboubakar aus Kamerun sowie Michaele aus Eritrea von ihren Hintergründen. Ihre Sprachstände reichen von A1 bis B2; einige arbeiten, andere suchen eine Stelle oder besuchen Integrationskurse. Gemeinsam ist ihnen, dass sie erst seit wenigen Jahren in Deutschland leben.

Das „Problem im Stadtbild“

Asad spricht mit Klaus Berblinger über die Aussagen von Bundeskanzler Merz zu „Problemen im Stadtbild“. Obwohl Asad seit drei Jahren in Donaueschingen lebt und sich wohlfühlt, kenne er fremdenfeindliche Aussagen seit seiner Kindheit. Mit seiner Familie flüchtete er im Alter von drei Jahren in den Iran, wo Afghanen als Menschen zweiter Klasse gelten. In Deutschland fühle er sich sicherer, auch wenn Bürokratie den Alltag erschwere.

Im Mehrgenerationenhaus an der Schulstraße finden diverse Veranstaltungen wie das Gesprächscafé statt. Es soll ein offener Treffpunkt für Menschen sein. Auch die Donaueschinger Tafel ist hier zu Hause. Foto: Jens Wursthorn

Asad fragt, ob die anderen sich willkommen fühlen, und erhält zustimmendes Nicken. Gleichzeitig sorgt die angekündigte Verschärfung der Abschiebepolitik der Bundesregierung für Unruhe. Klaus Berblinger, seit 2015 in der Flüchtlingshilfe aktiv, erzählt von den daraus resultierenden Sorgen.

Abou aus Kamerun absolviert eine Ausbildung in der Altenpflegehilfe. Doch seine Stimmung trübt sich, als er Unterlagen hervorholt: Sein Asylantrag wurde abgelehnt. Seine Zukunft ist ungewiss. Edith Lienhard und Klaus Berblinger begleiten ihn in einen Nebenraum, um den Bescheid zu besprechen.

Lange Verfahren lähmen

Socrates Mustafa, selbst 2015 aus Syrien geflohen, kennt diese Unsicherheiten gut. Heute gibt er ehrenamtlich Ratschläge im Gesprächscafé. Er betont, wie wichtig die Sprache sei, und erzählt von der deutschen Familie, die ihn aufgenommen habe. Viele Geflüchtete würden jedoch durch langwierige Anerkennungsverfahren ausgebremst, sagt Bertram Muris.

Safi erzählt, dass er großen Respekt für die Anwesenden empfinde. „Respekt, so wie für meine Mutter“, sagt er. Asad ergänzt: „Das afghanische Wort für Lehrerin kann man mit ‚zweite Mutter‘ übersetzen.“

Mehrgenerationenhaus

Treffpunkt
Das Mehrgenerationenhaus Donaueschingen besteht seit 2008. Es versteht sich laut Webseite als Treffpunkt für alle Bürger und Bürgerinnen von Donaueschingen und Umgebung. Zu der Einrichtung gehört das Café Ansprech-Baar. Träger des Mehrgenerationenhauses Donaueschingen ist der Caritasverband für den Schwarzwald-Baar-Kreis.