Khaled Mousa und Patrizia Birneis sind die neuen Integrationsmanager in der Donauquellstadt. Das eingespielte Team hat sein Büro in der Villinger Straße im Keller des Rathauses IV. Foto: Denise Kley

Khaled Mousa und Patrizia Birneis bieten in Donaueschingen Hilfe an. Sie zeigen Wege durch das behördliche Labyrinth. Sie berichten, weshalb sie bereits ein eingespieltes Team sind

In den Kellerräumen des Rathauses IV an der Villinger Straße haben sich die beiden neuen Integrationsmanager Patrizia Birneis und Khaled Mousa mittlerweile eingerichtet. Die Wände sind zwar noch kahl, die Räume wirken steril – „aber sie erfüllen ihren Zweck“, sagt Birneis und lacht.

 

Hier empfangen die beiden Klienten, führen Beratungsgespräche und prüfen, welche Potenziale vorhanden sind. Sie besprechen die nächsten Schritte und zeigen ihren Klienten Wege aus dem behördlichen Labyrinth, das aus Anträgen, Bewilligungen und Regeln besteht.

Man merkt: Die zwei sind ein eingespieltes Team: Bereits im Landkreis Tuttlingen haben die beiden Integrationsmanager innerhalb eines Gemeindeverbunds zusammengearbeitet. Doch da der Zusammenschluss des Gemeindeverbunds auslief, musste eine neue Wirkungsstätte her.

Team ergänzt sich

Kurzerhand haben sich beide im Herbst 2024 in Donaueschingen beworben – und hatten kurz darauf die Zusage in der Hand. „Die Freude darüber ist natürlich groß, da wir beide im Team einfach super funktionieren und uns ergänzen“, so Birneis.

Birneis und Mousa können sich gut in die Gedankenwelt ihrer Klienten einfühlen. Beide blicken selbst auf eine Migrationsbiografie. „Ich bin ein Gastarbeiterkind. Und ich kenne das Gefühl, wenn man zwischen den Stühlen sitzt. In Italien bin ich die Deutsche, in Deutschland bin ich die Italienerin“, so Birneis. Diese Identitätsproblematik beschäftige auch viele ihrer Klienten.

Aus Syrien geflohen

Auch Khaled Mousa kann davon ein Lied singen. Er ist studierter Agraringenieur und ist 2019 aus Syrien nach Deutschland geflohen. Doch seine Flucht- und erfolgreiche Integrationsgeschichte helfen ihm bei seiner täglichen Arbeit.

Er kennt den bürokratischen Dschungel wie seine Westentasche, da er alles selbst erlebte. Sein Tipp, wie die Integration funktioniert: Deutsch lernen. „Die Sprache ist der Schlüssel zum Erfolg“, sagt Mousa. Er selbst spricht kurdisch, arabisch, türkisch, englisch und deutsch fließend.

„Zwar ist es der Sache oft dienlich, dass ich übersetzen kann oder in der Muttersprache mit den Klienten sprechen kann, aber sobald ich merke, dass bereits Deutschkenntnisse vorhanden sind, wechsle ich auf Deutsch“, so seine Strategie.

Hier wird Deutsch gesprochen

„Wir sind hier in Deutschland, hier wird Deutsch gesprochen. Meine Klienten müssen ab und an ins kalte Wasser geschmissen werden und ihre Komfortzone verlassen“, so Mousa. Und dazu gehöre eben auch, dass man sich aktiv im Leben in Deutschland einbringe. Besonders für die Sorgen und Nöte der Neuankömmlinge haben die beiden immer ein offenes Ohr. „Derzeit treibt viele das Thema Abschiebungen um – das ist eine Angst, die bei vielen ganz tief drinsitzt“, so Patrizia Birneis. Die kürzliche Abschiebung der georgischen Familie aus Brigachtal haben die beiden auch mitbekommen, da Mousa auch in Brigachtal Menschen betreut. „Das war für viele ein Schock“, so Mousa. Birneis berichtet von einem ihrer Klienten, der in Freiburg bereits seit zwei Jahren einer Arbeit nachgeht und jeden Tag aufgrund der Wohnsitzauflage von Donaueschingen nach Freiburg pendelt. „Er gibt sich unglaublich viel Mühe, ist engagiert bei der Sache und fleißig. Doch nun hat er seinen zweiten Ablehnungsbescheid erhalten und ist verzweifelt.“

Das ständige Leben in Angst vor einer Abschiebung könne zu Depressionen und Retraumatisierung führen, wie Birneis aus ihrem Arbeitsalltag berichtet. „Und wenn diejenigen dann noch an die falschen Anwälte geraten, die die Notsituation der Asylbewerber ausnutzen, ist das Chaos vorprogrammiert.“

Restriktive Politik

Die derzeitige restriktive Politik habe auf den Alltag der Geflüchteten erhebliche Auswirkungen, berichtet Birneis. „Früher waren Abschiebungen die Ausnahme, heute passiert das viel öfter. Und ein Stück weit spielt da oft behördliche Willkür mit.“

Viele ihrer Klienten hätten Angst, dass sie zu Hause oder bei der Arbeit von den Behörden aufgeschnappt und in den Flieger zurück in ihr Herkunftsland gesetzt werden. Und mit welchem Märchen die beiden mal aufräumen möchten? „Deutschland gilt bei Geflüchteten nicht mehr als das Mekka und Paradies, wie es vielleicht noch vor ein paar Jahren war“, so Birneis.

Unter anderem aufgrund der Bezahlkarte: Die Einführung sehen die beiden jedoch mit gemischten Gefühlen. „Der Vorteil ist, dass sich das Leben damit auf Deutschland fokussiert, das Geld bleibt hier“, so Birneis. Andererseits würde dadurch eine Zweiklassengesellschaft entstehen – und die Menschen sind nicht mehr frei in ihren Kaufentscheidungen. „Eine Familie kann sich zum Beispiel nicht mehr bei Temu günstige Klamotten bestellen. Und jede Zahlung wird vom Landratsamt überwacht.“

Namen, Zahlen, Fakten: So sieht die Arbeit rund um die Eingliederung aus

Die Finanzierung:
2024 hat man sich entschieden, gemeinsam mit Brigachtal, Blumberg, Bräunlingen und Hüfingen 2,5 Stellen für Integrationsmanager zu schaffen. Die Integrationsmanager sollen mit einer Förderung finanziert werden. Die Mittelverteilung der Förderungsbeträge orientiert sich anhand der zugewiesenen Flüchtlinge in den Gemeinden. Maßgeblich für die Verteilung sind immer die vergangenen drei Jahre. Für das Jahr 2025 sind dies die Zuweisungen aus den Jahren 2021 bis 2023. Es werden nur die Zuweisungen der Stadt Donaueschingen für die Anschlussunterbringungen berücksichtigt.