Instagram, TikTok, Snapchat – wie beeinflussen Soziale Netzwerke das Selbstbild von Jugendlichen? Ein Blick hinter die Bildschirme im Kreis Rottweil.
Instagram, TikTok, Snapchat – Soziale Netzwerke sind für viele Kinder und Jugendliche längst mehr als nur Zeitvertreib. Sie sind Kommunikationsmittel, Bühne, Rückzugsort – und nicht selten Auslöser für Selbstzweifel. Doch was passiert, wenn Anerkennung plötzlich in Likes gemessen wird und der eigene Wert scheinbar von Followerzahlen abhängt?
Das Smartphone ist für viele selbstverständlich geworden – morgens, in Pausen, oder abends im Bett. Bilder werden bearbeitet, Momente inszeniert, Likes und Kommentare bewertet. Hinter Filtern und Clips steckt mehr als Unterhaltung: Es geht um Zugehörigkeit, Vergleich und das eigene Selbstbild. Wie stark soziale Medien das Selbstbild prägen, erleben auch die Schulen in Rottweil. An der Achert-Schule beschäftigten sich Schulleiter Stephan Keßler und Schulsozialarbeiter Simon Metzger intensiv mit dem Thema.
Fester Teil des Alltags
„Social Media ist ein fester Bestandteil des Alltags unserer Schüler“, erklären sie. Plattformen dienten als Freizeitbeschäftigung, Kommunikationsmittel und Rückzugsraum – vor allem als Ort, an dem Jugendliche Zugehörigkeit erleben. Gleichzeitig beobachte man, dass der digitale Vergleich zunehmend Druck erzeugt: „Viele Jugendliche vergleichen sich mit Influencern oder Gleichaltrigen und haben das Gefühl, nicht gut genug zu sein.“ Besonders sensibel reagierten Schüler mit geringem Selbstwertgefühl.
Der Einfluss beginne früh: „Bereits ab etwa acht Jahren ist ein Einfluss deutlich spürbar, oft auch früher.“ Likes, Followerzahlen oder Kommentare würden oft als direkte Bewertung der eigenen Person verstanden und könnten das Selbstwertgefühl stark beeinflussen.
Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen zeigten sich vor allem bei Schönheitsidealen oder Leistungsdruck, beide Gruppen seien jedoch betroffen.
Prävention und Gespräche
Um dem entgegenzuwirken, setzt die Schule auf Präventionsangebote, Gesprächsrunden und Projekte. „Erfolge im echten Leben, stabile soziale Beziehungen und das Sichtbarmachen von Stärken helfen, ein gesundes Selbstbild zu entwickeln“, erklären Metzger und Keßler. Ihr Rat an Jugendliche: „Bewusst Pausen einlegen, Inhalte kritisch hinterfragen und offen über Gefühle sprechen“.
Social Media im Alltag
Doch wie nehmen junge Erwachsene selbst die Welt wahr? Eine 21-Jährige Auszubildende aus dem Kreis Rottweil berichtet, welche Rolle Social Media in ihrem Alltag spielt, von welchen Inhalten sie sich inspirieren lässt – und welche sie eher kritisch betrachtet.
Für die Auszubildende ist Instagram, TikTok und Snapchat ein fester Bestandteil des Alltags. Sie nutzt sie vor allem zur Kommunikation mit Freunden, aber auch als Unterhaltungsplattform und Inspiration – zum Beispiel für Fitnessübungen oder Kochrezepte. Snapchat nutzt sie vor allem, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben, während Instagram und TikTok für sie eher dem Zeitvertreib dienen – gleichzeitig holt sie sich dort Motivation, etwa durch Fitness-, Lifestyle- oder Selbstentwicklungsinhalte, die sie zu gesünderen Gewohnheiten und neuen Zielen anregen.
Kritisch bleiben
Vergleiche mit anderen spielen kaum eine Rolle: „Ich weiß, dass vieles bearbeitet und nicht real ist“, sagt sie. Likes und Followerzahlen sind für sie kein Maßstab für den eigenen Wert, während motivierende Trends wie Fitness- oder Food-Posts positiv wirken.
Die 21-Jährige hinterfragt Inhalte kritisch, nimmt sich bei Bedarf Social-Media-Auszeiten und wünscht sich, dass Nutzer bewusster posten und die Realität im Blick behalten. Ihren Rat an Gleichaltrige fasst sie so zusammen: „Nicht alles glauben, kritisch bleiben und auch mal Pause machen – besonders, weil vieles durch KI schwer zu unterscheiden ist.“
Social Media kann motivieren, unterhalten und verbinden – birgt aber auch Risiken für Selbstwert und Wahrnehmung. Sowohl die Erfahrungen der Auszubildenden als auch die Beobachtung der Schule zeigen: Entscheidend ist ein reflektierter Umgang.
Wer Inhalte kritisch hinterfragt, sich Pausen gönnt und die Realität im Blick behält, kann also die Vorteile der digitalen Welt nutzen, ohne sich von unrealistischen Bildern oder Zahlen unter Druck setzen zu lassen.