Bei der Friedrich Bergler GmbH am Steinkirchring, die Insolvenzantrag gestellt hat, wird weitergearbeitet. Foto: Daniela Schneider

Die Friedrich Bergler GmbH Federn und Feinmechanik mit Sitz im Steinkirchring in Schwenningen hat einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Produziert wird weiter.

„Eigentlich war ich zuversichtlich, dass es 2024 besser wird und wir es schaffen“, sagt Geschäftsführer Christian Reith. Er hat die Friedrich Bergler GmbH, Spezialist für Metallbearbeitung in Kleinserien, im Jahr 2020 übernommen – „pünktlich zu Corona“, sagt er jetzt im Gespräch mit der Redaktion.

 

Sprich: Einfach sei es von Anfang an nicht gewesen. 2021 habe seine Firma abarbeiten müssen, was durch die Pandemie aufgelaufen war. „Und 2022 ging dann der Krieg los“, fasst er zusammen, dass es dadurch für sein Unternehmen nicht einfacher wurde. Steigende Kosten und eine spürbare Zurückhaltung der Kunden seien die Folge gewesen.

Im vergangenen Jahr habe er dann Hoffnung gehabt, dass es aufwärts gehe – aber tatsächlich sei spätestens ab dem Herbst genau das Gegenteil der Fall gewesen. Die Umsätze seien weiter zurückgegangen. „Es hatte Marktgründe“, sagt der Geschäftsführer, „insgesamt ist es schwieriger geworden.“

Insolvenzgeld wird bezahlt

Neben dem Umsatzrückgang seien steigende Kosten der springende Punkt gewesen. Was die Nachfrage der Kunden angehe, habe man zum Beispiel zu spüren bekommen, dass manche zur internen Fertigung der Teile übergegangen seien und nicht mehr auf den Lohnfertiger zurückgriffen.

Letztlich wurde also der Insolvenzantrag gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Michael Riegger bestellt.

Laut Auskunft des Geschäftsführers hatte das Unternehmen zuletzt im Dezember neun Festangestellte und neun Aushilfen, alle in der Produktion beschäftigt. Die Aushilfen habe man nicht mehr weiterbeschäftigen können, die Festangestellten seien aber weiterhin im Betrieb tätig, fasst er zusammen.

Im Dezember seien Lohnrückstände aufgelaufen. Diese seien aber über das Insolvenzgeld abgesichert, das jetzt ausbezahlt werde.

„Der Betrieb wird fortgeführt“, betont Christian Reith, „wir haben Aufträge, die abgearbeitet werden.“ Zudem gebe es Interessenten, die die Firma übernehmen wollten.

„Wir sind schon in weiteren Gesprächen, um das Unternehmen weiterzuführen“, sagt der Geschäftsführer.

Auf Kleinserien spezialisiert

Das Traditionsunternehmen ist auf Kleinserien für Metallbearbeitung spezialisiert, hier mit den Schwerpunkten Drehen, Fräsen, Oberflächenbearbeitung, Härten und Dokumentation von Maßhaltigkeit. Die Firma setzt auf hohe technische Expertise und einen langjährigen Kundenstamm, vornehmlich aus der Region aus der Mess- und Regeltechnik, der Automation, dem Maschinenbau und der Verpackungsindustrie.

113 Jahre alte Firma

Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1912 von Fritz Bergler am Bitzweg in Schwenningen. Unruhspiralen für mechanische Uhren wurden zunächst gefertigt. Später gehörten Metallfedern für Temperaturmessung und Dreh- und Frästeile für die Lohnfertigung zum Portfolio. 1999 erfolgte der Umzug in den Steinkirchring zur Miete in das dortige Gebäude. 2007 übernahm Peter Gerstenberger die Firma vom Sohn des Gründers.

Im Jahr 2020 dann übergab er es an den neuen Geschäftsführer Christian Reith aus Villingen. Dieser war davor Geschäftsführer des Winkler Bildungszentrums im Zentralbereich gewesen.

„Die Bergler GmbH ist ein kleines, aber feines Unternehmen, das auf hohe technische Expertise und einen langjährigen Kundenstamm bauen kann“, hatte er damals mit vorfreudigem Blick auf seine kommende Aufgaben noch gesagt.

Das erste Quartal 2020 sei sehr erfolgreich verlaufen, hatten Reith und Peter Gerstenberger, der zunächst noch als technischer Berater im Unternehmen blieb, seinerzeit gesagt. Ab dem Frühjahr habe sich dann zwar der Lockdown bemerkbar gemacht. Beide blickten der Zeit nach der Pandemie damals aber optimistisch entgegen – sicher noch nicht ahnend, wohin man auf lange Sicht nun weiter steuern würde.