Football-Meister Stuttgart Surge fehlt nach Meinung unseres Autors Jochen Klingovsky auch deshalb das Geld, um weitermachen zu können, weil es die Rebellen-Liga noch nicht gibt.
Es gibt viele Umstände, die zur Insolvenz eines Sportbetriebs führen können: überhöhte Gehälter, um sich den Erfolg zu erkaufen, ausbleibende Sponsorengelder, zu optimistisch angesetzte Zuschauereinnahmen oder zu große Investitionen in Bauvorhaben. Der Grund, warum nun das Projekt Stuttgart Surge auf bittere Art und Weise zu Ende geht, ist ein eher ungewöhnlicher.
Auch der Club, der sich im September in einem spektakulären Finale in der MHP-Arena erstmals den Titel in der European League of Football (ELF) holte, hat stets seine finanziellen Grenzen ausgereizt, üppig verdient wurde in Stuttgart aber von niemandem.
Großer Kader, schmales Budget
Nur rund 1,7 Millionen Euro gab der Meister in der vergangenen Saison aus, um einen Kader von 65 Footballern (darunter einige US-Importkräfte), ein 23-köpfiges Trainer-Team, den Betreuerstab, die Mitarbeiter der Geschäftsstelle, die Reisen und den Rest des Spielbetriebs zu finanzieren – allein schon diese Auflistung zeigt, dass das vorhandene Geld sparsam eingesetzt wurde. Und trotzdem ist es nun ausgegangen. Was zwar auch, aber nicht allein an Surge liegt.
Die zehn Rebellen, die vor allem aufgrund wirtschaftlicher Differenzen in diesem Sommer aus der ELF ausgetreten sind, wussten alle, dass sie ein riskantes Spiel treiben – weil es eine kaum zu lösende Aufgabe ist, innerhalb kürzester Zeit eine eigene Liga aus dem Boden zu stampfen. Anfangs gab es dafür keine Strukturen, keine Führung, keine Mitarbeiter, keine Sponsoren, keine Investoren, keine TV- und Streaming-Partner, keine Schiedsrichter – nun, drei Monate später, sind die Rebellen nicht viel weiter. Im Gegenteil: Mittlerweile haben sie sich sogar aufgespalten, weil sie sich nicht auf ein Finanzierungsmodell einigen konnten.
Eine bitterer, aber auch konsequenter Gang in die Insolvenz
Surge ist nun das erste dieser Franchises, dem mit Blick auf die Saison 2026 die fehlende Sicherheit einer fixen Liga-Zugehörigkeit zum Verhängnis wurde: Der Meister rutschte auch deshalb in die Insolvenz, weil er möglichen Investoren und Sponsoren nicht ein Projekt versprechen wollte, das womöglich nie zustande kommt. Das ist bitter, aber auch konsequent – und es liegt auf der Hand, dass Stuttgart Surge nicht der einzige Club bleiben könnte, dem letztlich das Geld ausgeht.