Der Eigentümerfonds des City-Rondells ist insolvent, die Zukunft des Einkaufszentrums im Herzen von Schwenningen ist ungewiss. Foto: Marc Eich

Wie geht es weiter mit dem City-Rondell in Schwenningen? Diese Frage stellt sich nun lauter denn je – der Immobilienfonds Highstreet VIII PropCo III Sarl, dem das Einkaufscenter gehört, hat einen Insolvenzantrag gestellt. Was das bedeutet – und was eben nicht.

Es ist ein kompliziertes Firmengeflecht: Die Corestate Capital Group mit Sitz in Luxemburg ist Eigentümerin des City Rondells im Rahmen ihres Fonds Highstreet VIII. Die operative Verwaltung des Centers liegt jedoch bei der Multi Germany GmbH, während die City Immobilien Verwaltungsgesellschaft mbH aus Düsseldorf für die Verwaltung zuständig ist. Der Fonds Highstreet VIII umfasst mehrere Einzelhandelsobjekte, vergrößert wurde sein Portfolio im Jahr 2019 nach Käufen in Rostock und Sindelfingen um drei weitere Einzelhandelsobjekte: neben Immobilien in Garbsen, Nordhorn zählte hierzu auch das City-Rondell in Schwenningen.

 

Die Mieter des Unternehmens sind bunt gemischt, darunter auch Ankermieter, die gemeinhin als bedeutende Standortsicherungen für derlei Unterfangen gelten – Deichmann, Edeka, Rewe oder New Yorker etwa zählen dazu, in Schwenningen ist das der Drogeriemarkt Müller.

Im Hintergrund stürzt der Aktienkurs ab

250 Millionen Euro wurden anfangs für den Fonds eingesammelt, das definierte Zielvolumen war somit laut Mitteilung der Corestate Capital Group 2019 erreicht worden. Gekauft wurden damit die fünf Einzelhandelsobjekte, zu welchen auch das City Rondell gehört. Jetzt aber soll der Fonds pleite sein.

Schon 2023 soll die Muttergesellschaft, die Corestate Holding S. A., laut Medienberichten eine drohende Insolvenz nur durch ein umfassendes Restrukturierungspaket abgewendet haben. Die Aktienkurse der Corestate Capital Holding S. A. haben tatsächlich einen Sinkflug hinter sich – notierte sie zu ihren besten Zeiten im Jahr 2019 noch mit 39,50 Euro, lag der Kurs am 24. April 2025 um 17.30 Uhr bei gerade einmal 26 Cent.

Während hinter den Kulissen des City-Rondells viel passiert, läuft drinnen der ganz normale Einkaufsbetrieb geregelt weiter. Foto: Marc Eich

Die Highstreet VIII PropCo III Sarl, eine luxemburgische Gesellschaft ist am 4. Februar mit dem Status „In Insolvenz“ eingetragen worden. Zu dem dazugehörigen Fonds Highstreet VIII, der in deutschen Mittelstädten investierte, gehört auch das City-Rondell. Am 29. Januar erging laut Wirtschaftsauskunft, die unserer Redaktion vorliegt, das Urteil über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beim Bezirksgericht in Luxemburg – und auch ein Insolvenzverwalter ist mit dem luxemburgischen Anwalt Ralph Hellinckx bereits eingesetzt. Bis Ende Juli 2025 sind im Zuge des Konkursverfahrens bei ihm Forderungen anzumelden.

Bemerkenswerte Zahlen

Die Zahlen der Wirtschaftsauskunft der Creditreform indes sprechen für sich: Ausgewiesen wurden dort zuletzt ein Bilanzverlust von über zehn Millionen Euro sowie eine negative Eigenkapitalquote, womit die Verbindlichkeiten das Eigenkapital übersteigen, und eine ebenfalls deutlich negative Erfolgsquote. „Kredite werden abgelehnt. Von einer Geschäftsverbindung wird abgeraten“, so die Beurteilung der Geschäftsverbindungen der Creditreform.

Aufhorchen lässt Insider indes auch eine Personalie: Kurz vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens, am 7. Januar 2025, wurde bei der Highstreet VIII PropCo statt des bisherigen luxemburgischen Geschäftsführers Matthias Sprenker eine neue Geschäftsführerin eingesetzt – Karin Janse van Rensburg, in Südafrika. Und: Im Umfeld des Immobilienfonds Highstreet VII gibt es ein weiteres Insolvenzverfahren – zur Highstreet Premium II PropCo I Sarl, im Februar 2025 in Flensburg. Dass das deutsche Flensburger Gericht zuständig ist, obwohl auch diese Gesellschaft in Luxemburg sitzt, hat einen Grund: Die Gesellschaft hält in Deutschland Vermögenswerte. Die wirtschaftsrechtlichen Mühlen also mahlen auf Hochtouren.

Der fast normale Center-Alltag

Derweil läuft im City-Rondell der normale Einkaufsalltag zunächst recht unberührt weiter. Erst Monate später macht die Information über die Pleite nun auch auf offiziellem Weg die Runde, während das Centermanagement sich zu unserer Presseanfrage bislang noch nicht geäußert hat.

Bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft WIR Villingen-Schwenningen GmbH beobachtet man die Situation bereits seit Anfang März und unternahm aufgrund der Hinweise aus dem Center-Umfeld eigene Recherchen. „Eine offizielle Information des Immobilieneigentümers selbst liegt uns bis heute nicht vor“, erklärte Citymanager Thomas Herr auf Anfrage unserer Redaktion.

Sofort habe man Gespräche mit der Centerleitung aufgenommen, seitdem stehe man im Austausch mit dem Centerleiter Ralf Gertz sowie dem Stadtplanungsamt – auch ein Gesprächstermin vor Ort gemeinsam mit der Stadtplanung der Stadtverwaltung habe stattgefunden. Parallel dazu bemühe man sich um einen Austausch mit dem Insolvenzverwalter und hofft, diesen zu einem gemeinsamen Gespräch mit dem Stadtplanungsamt, der WIR und dem OB einladen zu können, so Herr.

Das City-Rondell, so der Citymanager, sei „ein identitätsstiftender Ort für Schwenningen, ein Stück Stadtgeschichte – aber auch ein Symbol für einen bestimmten Typ von Handelsimmobilien, deren Modell zunehmend unter Druck gerät.“ Die Zeiten großer Shopping-Malls mit 1A-Lagen und maximaler Flächenverwertung seien vorbei. Das zeige sich deutschlandweit.

Richtig sei es daher, mit der Entwicklung des Rössle-Areals in eine andere Richtung zu gehen. Und was das City-Rondell anbelangt, so hoffe man sehr, „dass es zu einer geordneten Veräußerung kommt und ein neuer Eigentümer bereit ist, das Gebäude mit frischen Ideen weiterzuentwickeln“.

Alle Kräfte werden gebündelt, denn klar ist: Die Nachricht ist für den Stadtbezirk Schwenningen, für den man sich aktuell so stark macht und viele zukunftsweisende Pläne hat, eine schlechte. Umso wichtiger: der Blick nach vorne.

Insolvenzverwalter muss entscheiden

Noch ist die Lage unübersichtlich – der Immobilienfonds sitzt in Luxemburg, dort läuft auch das Insolvenzverfahren. Welche Folgen die Vorgänge am Ende auf das Einkaufscenter in Schwenningen haben werden, ist noch ungewiss. Klar ist aber: Wenn ein geschlossener Immobilienfonds insolvent wird – was beim Highstreet VIII der Fall ist, nachdem die Zielsumme von 250 Millionen Euro 2019 erreicht und in den Erwerb der Centerimmobilien investiert worden ist – sieht die Lage für Anleger oft kritischer aus als bei offenen Fonds. In der Regel haben Investoren nur eingeschränkte Rechte – für einen geschlossenen Fonds wird einmalig Kapital eingesammelt, um Objekte zu finanzieren, eine Rückgabe der Anteile während der Laufzeit ist nicht vorgesehen – der Insolvenzverwalter entscheidet, wie es weiter geht, ob beispielsweise Immobilien verkauft und Pachtverträge weitergeführt oder gekündigt werden.

Was der Insolvenzverwalter im Fall des City-Rondells und der anderen im Fonds gebündelten Center tun wird, ist aktuell noch nicht bekannt. Eine Anfrage unserer Redaktion hat Ralph Hellinckx   noch nicht beantwortet. Den Ausgang des Verfahrens dürfte man indes nicht nur in Villingen-Schwenningen mit Spannung und Sorge beobachten, sondern auch unweit entfernt in Sindelfingen. Zum Immobilienfonds gehören nämlich außerdem neben dem PEP Neuperlach, dem Rostocker Hof, dem City-Center Garbsen und dem City-Center Nordhorn nach unseren Recherchen auch das Breuningerland in Sindelfingen.

WIR bietet Unterstützung an

Abwarten und Ausharren mag man in der Doppelstadt allerdings trotz des laufenden Verfahrens nur ungern. Das Centermanagement – die Multi Germany GmbH, die von der Corestate Capital zum 1. Juni 2019 mit der Vermietung des City-Rondells beauftragt worden ist – beantworte Fragen nur in Schriftform und zeitverzögert, ist aus dem Umfeld des Einkaufscenters zu erfahren. Entsprechend groß ist die Verunsicherung unter den Händlern.

Aber: Im Regen stehen will man die Händler aus der Kronenstraße 21 in Schwenningen seitens der WIR Villingen-Schwenningen auf gar keinen Fall. Das Citymanagement bietet sich deshalb als Ansprechpartner, Vermittler und Berater an. Eine Schließung des Centers sei aktuell nicht abzusehen, so Herr, der von einem „geordneten Verfahren ohne Betriebsstilllegung“ ausgeht. Sollte sich jedoch abzeichnen, dass das nötig werden sollte, will man den City-Rondell-Pächtern seitens der WIR gegebenenfalls offenbar bei der Suche nach Ersatzstandorten in Schwenningen behilflich sein.