Die Gebäude und Grundstücke am Standort Sulz sollen im Rahmen des Insolvenzverfahrens vermarktet werden. Foto: Schneider

Nach 130 Jahren endet eine Sulzer Traditionsgeschichte. Im Sommer wird der Geschäftsbetrieb des Unternehmens überwiegend eingestellt. 25 verbleibende Mitarbeiter haben bereits Kündigungen erhalten, heißt es seitens der Geschäftsführung.

Für die Angestellten des Traditionsunternehmens Kitzlinger Haus ist das eine bitte Botschaft. „25 verbleibende Mitarbeiter haben bereits Kündigungen erhalten“, schreibt die Geschäftsführer Uwe und Otto Kitzlinger in einer Pressemitteilung.

 

Und: „Nach reiflicher Überlegung haben wir schweren Herzens, aber mit innerer Überzeugung entschieden, den Geschäftsbetrieb im Sommer zu beenden“, schreibt die Geschäftsführung.

Unternehmen in vierter Generation

Somit endet nach 130 Jahren die Geschichte der Sulzer Firma. Und zwar in knapp drei Monaten. „Wegen der weiterhin angespannten Lage am Bau und einer anhaltend schwachen Nachfrage wird der Geschäftsbetrieb überwiegend zum 31. Juli eingestellt“, heißt es weiter.

Doch wie kam es dazu? Kitzlinger Haus war weit über die Region hinaus für den Bau ökologischer und energieeffizienter Häuser aus Holz bekannt. Das Unternehmen wurde bereits 1895 als eingetragener Zimmereibetrieb gegründet und hat sich seither stetig weiterentwickelt. Uwe und Otto Kitzlinger führen den Zimmereibetrieb in der vierten Generation.

Kein wirtschaftlicher Neustart

Anfang Februar dann der Paukenschlag – für das Unternehmen wurde ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt. Die Ursachen für die aktuelle Situation seien vielfältig gewesen. „Seit Beginn des Ukrainekrieges beobachten wir eine anhaltend schwache Nachfrage. Die Energiekrise 2022, explodierende Kosten und fast verdoppelte Bauzinsen haben die Investitionsbereitschaft unserer Kunden massiv gedämpft“, hatte Otto Kitzlinger damals erläutert.

Gemeinsam mit dem Rechtsanwalt Alexander Kästle aus Rottweil versuchte man deshalb, das Vermögen zu sichern und zu erhalten. Allerdings ohne Erfolg. „Trotz intensiver Anstrengungen, der engen Zusammenarbeit mit Bauherren und großer Unterstützung der Belegschaft konnte ein wirtschaftlicher Neustart nicht dauerhaft gesichert werden“, heißt es in der Mitteilung.

Dank an Bauherren

Doch würden alle Bauvorhaben in gewohnter hoher Qualität abgeschlossen. Die verbliebenen Aufträge sicherten somit eine verlässliche Beschäftigung bis in den Sommer.

„Wir sind stolz und dankbar, dass wir viele Bauherren in den letzten Wochen davon überzeugen konnten, ihr Bauvorhaben gemeinsam mit uns fertigzustellen, erklären Uwe und Otto Kitzlinger.

Insolvenzverfahren eröffnet

Gleichzeitig bliebe die Realität herausfordernd. „Die Baukonjunktur ist weiter schwach, die Nachfrage gering, die Bauzinsen hoch“, wird die aktuelle Situation beschrieben.

Darüber hinaus geben die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen keine klare Perspektive. Wie geht es nun weiter? Das Amtsgericht Rottweil hat zwischenzeitlich das Insolvenzverfahren eröffnet.

Ort der handwerklichen Leidenschaft

„In diesem Zusammenhang werden die Gebäude und Grundstücke am Standort Sulz vermarktet“, schreibt die Firma. Für die Mitarbeiter wie auch die Eigentümer ist die Auflösung des Unternehmens ein schmerzlicher, aber klarer Schritt.

„Kitzlinger Haus war für viele von uns weit mehr als ein Arbeitgeber: Es war ein Ort der Ideen, der Verantwortung und der handwerklichen Leidenschaft. Wir blicken mit Dankbarkeit zurück und sind stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht haben“, erklären Uwe und Otto Kitzlinger abschließend.