Die Tage von Imsimity im Technologiezentrum in St. Georgen sind gezählt. Die Geschäftsaktivitäten sind künftig am Sitz von Kabetec in Schonach fokussiert. Foto: Markus Reutter

Paukenschlag beim insolventen Bergstadt-Unternehmen Imsimity: Der gesamte Geschäftsbetrieb geht auf Kabetec aus Schonach über – das steht seit Donnerstag fest. Damit verbunden ist der Weggang aus St. Georgen. Die Mitarbeiter werden übernommen.

Sanierung aus eigener Kraft oder Einstieg eines Investors – diese beiden Optionen standen zur Debatte, als das St. Georgener Unternehmen Imsimity im Juni einen Insolvenzantrag stellte. Nun ist klar: Kabetec aus Schonach kauft das Unternehmensvermögen und die Namensrechte des auf Anwendungen der virtuellen Realität (VR) spezialisierten Bergstadt-Unternehmens auf. Die Imsimity GmbH wird abgewickelt.

 

Die gesamte Geschäftsausstattung, die – zusammen mit den Rechten an der Firma – ins Eigentum von Kabetec übergeht, soll noch in diesem Monat an den Unternehmenssitz in Schonach gebracht werden, erklärt Bernd Kaltenbach, Geschäftsführer von Kabetec. Ab 1. Oktober soll der Betrieb komplett von Schonach aus laufen. Wie Insolvenzverwalter Stefano Buck von der Kanzlei Schultze und Braun erklärt, wird der Mietvertrag für die bisherigen Geschäftsräume von Imsimity im St. Georgener Technologiezentrum gekündigt.

Alle Imsimity-Mitarbeiter haben die Option, den Betriebsübergang an das Schonacher Unternehmen Kabetec mitzumachen. In den kommenden zwei Wochen wird sich entscheiden, wie viele von ihnen diese Option nutzen werden. Acht Mitarbeiter hat Imsimity aktuell.

Auftragslage noch immer überschaubar

Insolvenzverwalter Buck ist froh, dass mit der Übernahme eine schnelle Fortführungslösung für den Geschäftsbetrieb von Imsimity gefunden werden konnte. Zum 1. September war das Insolvenzverfahren vom Amtsgericht Villingen-Schwenningen eröffnet worden, sodass der Zeitraum, in dem die Löhne und Gehälter der Imsimity-Mitarbeiter durch das Insolvenzgeld gedeckt waren, endete. Ab September hätten sie daher aus der Insolvenzmasse bezahlt werden müssen. „Man hätte sie aber finanziell aus dem laufenden Geschäftsbetrieb nicht erwirtschaften können“, sagt Buck.

Denn nach wie vor sei die Auftragslage bei Imsimity überschaubar – durch den kurzen Zeitraum zwischen Insolvenzantrag Ende Juni und der nun erfolgten Übernahme habe sich da im Vergleich nicht allzu viel verändert. Denn viele Aufträge in der Branche seien langfristig ausgerichtet, sagt Buck. Darüber hinaus spielen öffentliche Fördergelder eine große Rolle. „Die sind im Falle einer Insolvenz nicht mehr zu bekommen“, verdeutlicht Buck.

Schieflage wegen Verschiebung von Aufträgen

Die Verschiebung gleich mehrerer Aufträge war einer der Gründe für die Zahlungsschwierigkeiten des Unternehmens gewesen. In Verbindung mit hohen Kosten im Entwicklungsbereich und den Gehältern der hoch qualifizierten Mitarbeiter hatte das Imsimity in finanzielle Schieflage gebracht. Die Rücklagen des noch jungen Unternehmens waren überschaubar gewesen.

Kabetec-Geschäftsführer Bernd Kaltenbach Foto: Kabetec

Unter dem Dach von Kabetec soll der Geschäftsbetrieb jetzt wieder voll durchstarten, sagt Geschäftsführer Kaltenbach. In den vergangenen Wochen sei „doch einiges liegengeblieben“. Parallel zum Umzug würden nun zunächst die dringlichsten Projekte verstärkt angegangen.

Strategische Neuausrichtung angestrebt

Perspektivisch hält Kaltenbach eine strategische Neuausrichtung für notwendig. Denn in diesem Bereich sieht der Kabetec-Geschäftsführer Verbesserungspotenzial. „Die Unternehmensstrategie wird sich ändern“, sagt er in Bezug auf Imsimity. Besonders in den Bereichen Vertrieb und Marketing sollen die Strukturen an jene, die bei Kabetec existieren, angepasst werden.

Kombination aus Soft- und Hardware

Aus Sicht von Kaltenbach bietet die Übernahme enormes Potenzial: Denn während Imsimity auf Software-Lösungen in den Bereichen VR, Extended Reality (XR) und Augmentes Reality (AR) spezialisiert ist, ist Kabetec im Bereich der VR-Hardware tätig – eine Kombination, die sich gut ergänzt, findet Kaltenbach. Die beiden Unternehmen hatten auch in der Vergangenheit schon beim einen oder anderen „spannenden Projekt“ zusammengearbeitet, sagt er. „Man kennt sich, man schätzt sich“, beschreibt er die Beziehung zu Imsimity, einer nach Kaltenbachs Worten „exzellenten Software-Schmiede im Schwarzwald“.

Management-Buy-Out kommt nicht zustande

Eine Zeit lang sei bei Imsimity auch ein Management-Buy-Out (MBO) im Gespräch gewesen, erklärt Insolvenzverwalter Buck: Zwei Mitarbeiter des Unternehmens hatten sich dafür interessiert, die Imsimity GmbH zu übernehmen. Doch die Idee wurde wieder verworfen. „Vom Arbeitnehmer zum Unternehmer ist es doch ein großer Schritt“, verdeutlicht Buck. Ganz vom Tisch ist das Thema aber noch nicht: Die beiden Imsimity-Mitarbeiter planen nach Angaben von Buck aktuell die Gründung eines Start-ups.

Das Unternehmen

Kabetec
2017 von Bernd Kaltenbach gegründet, gehört Kabetec heute nach eigenen Angaben zu den führenden Anbietern von VR-Hardware. Unter anderem werden die VR-Headsets des Unternehmens im Europapark eingesetzt. Auch die Telekom, Siemens und der Steinwasen-Park gehören zu den Kunden. Darüber hinaus ist das Unternehmen mit seiner VR-Arena teils weltweit unterwegs. Kabetec hat aktuell sieben Mitarbeiter.

Imsimity
 Das Unternehmen aus St. Georgen wurde 2015 von Martin Zimmermann gegründet und entwickelt Software-Lösungen für die virtuelle Realität. Dazu gehören etwa Lernumgebungen im Bereich der Bildung und Ausbildung, Anwendungen für Feuerwehren und andere Hilfs- und Rettungskräfte. Zudem richtet Imsimity den Virtual-Fires-Congress und den Virtual-Care-Congress aus.