Mayer & Cie. in Albstadt (Archivfoto) Foto: Karina Eyrich

Der insolvente Tailfinger Strickmaschinenhersteller Mayer & Cie. stellt Produktion und Geschäftsbetrieb ein. 350 Arbeitsplätze gehen verloren, davon 280 in Albstadt.

Die Hoffnung, dass ein auswärtiger Investor dem schwächelnden Weltmarktführer für Rundstrickmaschinen zu neuer Liquidität verhelfen und so den Fortbestand der Produktion sichern könnte, hat sich zerschlagen; der eine, mit dem der Generalbevollmächtigte der Insolvenz, Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger, im Gespräch gewesen war, hat in der vergangenen Woche abgesagt. Am Montagnachmittag teilte Mucha der Belegschaft bei einer Betriebsversammlung mit, dass die Produktion Ende Januar eingestellt wird.

 

Für die rund 270 Tailfinger Mitarbeiter bedeutet das, dass sie in zwei Monaten arbeitslos sind. Bis dahin sollen die letzten verbliebenen Aufträge abgearbeitet sein; danach bleibt laut Mucha nur noch eine „kleine Mannschaft“ zurück, die den Betrieb endgültig abwickelt. Die Insolvenz ist eröffnet; es gilt, den Maschinenpark, die restlichen Lagerbestände und die Immobilien zu Geld zu machen. Ein Interessenausgleich mit dem Betriebsrat wurde ausgehandelt, ein Sozialplan am Montagnachmittag unterzeichnet. Dem Vernehmen nach wird es ein letztes Mal Weihnachtsgeld geben; das Dutzend Auszubildende soll an Unternehmen der Region weitervermittelt werden.

Für die Belegschaft kam die Nachricht von der Schließung nicht vollkommen überraschend; Gerüchte, dass sie bevorstehe, hatten bereits Tage zuvor die Runde gemacht. Die am Werktor befragten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wirkten überwiegend gefasst, es flossen aber auch Tränen. Nicht wenige hatten über 30 Jahre lang für Mayer und Cie. gearbeitet; einer nannte sogar die Zahl 45 – er war mit 16 in die Firma eingetreten. „Jetzt fehlen mir Rentenpunkte.“

Eine Firmengeschichte mit etlichen Aufs und Abs

Wer so lange im Betrieb war, hat etliche Aufs und Abs erlebt: Mayer & Cie. hat in seiner 120-jährigen Firmengeschichte immer wieder Durststrecken durchgemacht und überstanden. Anfang der 1970er-Jahre kollabierte die Nachfrage nach Strickware; ein 70-prozentiger Umsatzeinbruch war die Folge. Der Firmentochter STP, Herstellerin von Leiterplatten, welche Mayer & Cie. 1995 im Zuge der Diversifizierung von IBM übernommen hatte, machte sieben Jahre später die „Dotcom-Blase“ in der IT-Branche den Garaus. Rund 800 Arbeitsplätze in Sindelfingen und in Tailfingen gingen verloren.

Planinsolvenz im Jahre 2009

2009 ging Maier & Cie. in der Folge der globalen Finanzkrise selbst in die Knie und musste in die Planinsolvenz: Von rund 450 Albstädter Mitarbeitern – Anfang der 1990er Jahre waren es noch an die 2000 gewesen – wurde damals die Hälfte entlassen. Der Personalstand erholte sich zwar wieder, doch bereits 2018 folgte sieben guten Jahren ein globaler Konjunkturabschwung und ihm die Corona-Krise und die große Teuerung von 2022.

Keine Chance gegen die subventionierte Konkurrenz

In der Folge geriet das Unternehmen gegenüber der billigeren, weil massiv vom Staat subventionierten chinesischen Konkurrenz mehr und mehr ins Hintertreffen; die schwere Wirtschaftskrise in der Türkei, wo traditionell viele Textilunternehmen deutsche Maschinen abnehmen, tat ein Übriges. Im Frühjahr 2024 handelte die Geschäftsführung mit dem Betriebsrat und der IG Metall einen Verzicht der Belegschaft auf einen Teil der Sonderzahlungen – Trafo- und Urlaubsgeld – aus; Ende des Jahres kam noch das Weihnachtsgeld hinzu. Der Verzicht wurde 2025 fortgeschrieben.

Bereits vor dem Insolvenzantrag im September hatte Mayer & Cie. versucht, auswärtige Investoren ins Boot zu holen – allerdings ohne Erfolg. Die Frage, ob unternehmerische Fehlentscheidungen eine Rolle gespielt hätten, verneint Martin Mucha. „Was hier passiert ist, ist nicht ungewöhnlich. Das erlebt man zurzeit überall.“