Mit Hochdruck sucht Insolvenzverwalter Michael Pluta nach Käufern für den Uhinger Konzern. Doch die Finanzierung ist ohne Investor nicht mehr lange gesichert, deshalb bereitet er eine der Sparten nun vorsorglich auf eine Schließung vor.
Die Suche nach einem Investor für die Prozesssparte der insolventen Uhinger Allgaier-Gruppe gerät zu einem Wettlauf gegen die Zeit. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, eine Schließung der Prozesstechnik zu verhindern“, sagte Insolvenzverwalter Michael Pluta unserer Zeitung. „Aber die Finanzierung dieser Sparte ist nur noch bis Ende Januar gesichert. Deshalb müssen wir vorsorglich schon jetzt eine Schließung vorbereiten.“ Man habe dem Betriebsrat für den Fall einer Schließung bereits einen Plan zum Interessenausgleich und einen Sozialplan übergeben. „Wir alle wünschen, dass der Verkauf klappt, aber wir müssen auch darauf vorbereitet sein, dass es anders ausgeht.“
Für die Sparte gebe es drei Investoren, und für alle lägen unterschriftsreife Verträge auf dem Tisch. „Zur Unterschrift gehört aber auch der Zahlungsnachweis durch den potenziellen Investor. Wenn die Zahlung nicht sichergestellt ist, etwa durch Bankgarantien, kann das Geschäft nicht zustande kommen.“ Den gewünschten Finanzierungsnachweis hätten noch nicht alle erbracht.
Das Vermögen sind die Mitarbeiter
Für das Autogeschäft von Allgaier gebe es sieben bis zehn potenzielle Investoren, die allerdings nicht alle die gesamte Sparte übernehmen wollten. „Bei der Auswahl verfolgen wir das Ziel, so viele Mitarbeiter wie möglich übernehmen zu können.“ Dieses Ziel lasse sich „allerdings nicht um jeden Preis verfolgen, weil es im Interesse der Gläubiger auch um die maximale Werterhaltung geht“. Die beiden Ziele stünden gleichwertig nebeneinander. Zum Wert des Unternehmens gehörten auch die Beschäftigten. „Für mich machen Belegschaft und Kunden das eigentliche Vermögen des Unternehmens aus. Der Maschinenpark ist es nicht.“ Es sei zu begrüßen, dass vor allem die Mitarbeiter, die Maschinen bedienen können und am schwierigsten zu ersetzen sind, größtenteils weiter an Bord seien.
Einen einseitigen Sparbeitrag der Belegschaft hält Pluta in der gegenwärtigen Situation nicht für nötig. Die IG Metall hatte einen entsprechenden Ergänzungstarifvertrag angeboten, der einen Verzicht der Beschäftigten auf Bestandteile des Gehalts vorsieht. „Die Lohnkosten sind im Moment völlige Nebensache. Derzeit geht es schlicht darum, einen Eigentümer zu finden, der bereit ist, kräftig zu investieren.“ Es gebe einen hohen Investitionsstau. Verhandlungen über Gehaltskürzungen, die im Gegenzug mit Investitionen durch einen neuen Eigentümer einhergehen, könnten zwar durchaus Sinn ergeben, so Pluta. „In der gegenwärtigen Phase, in der es noch keinen Investor gibt, kann sich aber niemand auf Gehaltskürzungen einlassen.“
Eine klare Absage erteilt Pluta allerdings Forderungen der IG Metall, wonach ein neuer Investor den Standort Uhingen sichern solle. „Darauf kann sich kein Investor der Welt einlassen. Wir sind nicht in der Lage, in dieser Hinsicht Bedingungen zu stellen, sondern müssen froh sein, einen Käufer zu finden, der zudem viel investieren will.“
Fristverlängerung für die Autosparte
Bei der Automobilsparte ist der Zeitdruck nicht so hoch wie bei der Prozesstechnik. „In der Automotive-Sparte haben wir die Frist bis Ostern verlängern können.“ Dies sei auch ein positives Signal an die Belegschaft, so Pluta. Zu der Verlängerung hätten auch die Autohersteller beigetragen, die von Allgaier mit Karosserieteilen beliefert werden. Sie fingen Verluste zeitweise auf, um die Belieferung mit Karosserieteilen sicherzustellen und immens teure Produktionsausfälle zu vermeiden.
Üblicherweise warten die Hersteller nach Einschätzung von Branchenexperten aber nicht auf die Sanierung, sondern nutzen den Aufschub, um mit Hochdruck einen Plan B mit stabiler aufgestellten Lieferanten zu entwerfen. Das erschwert die Rettung umso mehr, je länger sie dauert. Zu den größten Allgaier-Kunden zählen nach Informationen unserer Zeitung Mercedes, Porsche, Audi und BMW. Einem Verkauf müssen nicht nur die Gläubiger zustimmen, sondern auch die Automobilhersteller, die mit einem neuen Eigentümer zugleich einen neuen Vertragspartner bekommen.
Nach Informationen aus der Branche hat der chinesische Vorbesitzer Westron, der auch die Autosparte übernehmen will, keine Chance auf eine solche Zustimmung. In seiner Zeit als Eigentümer soll er im Preispoker mit Autoherstellern derart überzogen haben, dass Hersteller einen Lieferstopp befürchteten. Dies überschreitet aber selbst in den hart geführten Preiskämpfen der Autobranche eine rote Linie – spätestens seit der Zulieferer Prevent im Jahr 2016 im Streit über Preise und Lieferkonditionen die Belieferung von Volkswagen kurzfristig aussetzte und damit Produktionsausfälle von rund 100 Millionen Euro verursachte.
Das Interesse der Gläubiger
Auch die Gläubiger leisten einen Beitrag, um die Automobilsparte vorerst weiterführen zu können. Sie seien bereit, länger auf ihr Geld zu warten, das Allgaier ihnen schuldet. Die Fortführung des Unternehmens liege auch in ihrem Interesse. Pluta: „Wenn das Unternehmen geschlossen wird und alle Mitarbeiter nach Hause gehen, bleibt nur noch eine Immobilie übrig. Ohne Betrieb ist diese aber fast wertlos.“