Die Insel Kharg, die rund 30 Kilometer vor der iranischen Hauptinsel liegt, wickelt laut einer Analyse des US-Vermögensverwalters JP Morgan rund 90 Prozent der iranischen Rohölexporte ab. Foto: Imago/NurPhoto

Kharg ist kleiner als Fehmarn und könnte  in den Fokus von Donald Trump rücken. Auf der Insel im Persischen Golf befindet sich das wichtigste Ölterminal des Iran. 

Die Trump-Administration zieht offenbar ernsthafte Pläne zur Übernahme oder Blockade der iranischen Kharg-Insel in Betracht, wie aus einem aktuellen Bericht des geopolitischen Nachrichtenportals Axios hervorgeht. Nach Angaben von vier mit der Angelegenheit vertrauten Quellen soll damit der Iran unter Druck gesetzt werden, die Straße von Hormuz wieder zu öffnen.

 

Allerdings benötige die US-Armee "etwa einen Monat, um die Iraner durch weitere Angriffe zu schwächen", bevor eine mögliche Besetzung der Insel erfolgen könnte. Die massiven Luftangriffe, die die USA bereits letzte Woche durchführten, waren laut von Axios zitierten US-Beamten ein "Warnschuss", aber auch eine Vorbereitung für eine potenzielle Bodenoperation. Als Reaktion auf diese Entwicklung sind drei Marine-Einheiten mit jeweils etwa 2.500 Soldaten bereits auf dem Weg in die Region, während das Pentagon die Entsendung weiterer Truppen erwägt.

Insel Kharg im Fokus von USA und Israel

Die USA und Israel sind bisher im Umgang mit der Insel relativ vorsichtig vorgegangen, doch ein Bericht der Nachrichtenagentur Axios zitierte bereits letzte Woche Beamte der Trump-Administration, die erklären, die Eroberung von Kharg sei eine Option, solange der Krieg im Nahen Osten andauere.

Kharg ist eine bewohnte Insel im Persischen Golf. Sie gehört zu Iran und liegt etwa 30 Kilometer vor der Küste des Festlands. Sie ist rund 6 Kilometer lang und 4 Kilometer breit und hat etwa 10.000 Einwohner. Die Insel liegt 55 Kilometer westlich von Buschehr und 35 Kilometer südlich von Ganaveh.

Die Insel, die rund 30 Kilometer vor der iranischen Hauptinsel liegt, wickelt laut einer Analyse des US-Vermögensverwalters JP Morgan rund 90 Prozent der iranischen Rohölexporte ab. Experten zufolge hätte jede Maßnahme in diesem Gebiet, das etwa ein Drittel so groß ist wie Manhattan, rasche Konsequenzen.

Karges Eiland: Blick aus dem Weltall auf die iranische Insel Kharg im Persischen Golf, rund 30 Kilometer vor der iranischen Küste. Foto: Google Earth/Data SIO, NOAA, U.S. Navy, NGA, GEBCO/Maxar Technologies/Airbus

Großteil der iranischen Rohölexporte käme zum Erliegen

„Ein direkter Angriff würde den Großteil der iranischen Rohölexporte sofort zum Erliegen bringen und wahrscheinlich schwere Vergeltungsmaßnahmen in der Straße von Hormus oder gegen die regionale Energieinfrastruktur auslösen“, berichtet JP Morgan.

Die iranischen Angriffe haben den Schiffsverkehr in der Straße von Hormuz – durch die normalerweise ein Fünftel des weltweiten Rohöls und Flüssigerdgases transportiert wird – nahezu zum Erliegen gebracht und auch die Öl-Infrastruktur in anderen Golfstaaten beeinträchtigt.

Kharg-Angriff „sehr riskant“

Bislang seien die iranischen Energieanlagen jedoch nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Ein Angriff auf die Insel wäre „ein sehr riskantes Unterfangen“, erklärt Farzin Nadimi, Senior Fellow am Washington Institute for Near East Policy. Der Iran habe nicht nur „Erfahrung im Einsatz von Alternativen“ im Kriegsfall. Er könnte „den Öl- und Gasanlagen am Golf noch viel größeren Schaden zufügen, wenn er wollte. Und er kann sehr schnell viel mehr tun, und das weiß jeder“.

„Ich glaube nicht, dass die Einnahme der Insel über die Debatten im US-Kongress hinausgehen wird“, fügt Nadimi hinzu. Eine Möglichkeit, die in Washington seit der Geiselkrise im Jahr 1979, die mit der Gründung der Islamischen Republik begann, diskutiert wird.

Kharg bleibt laut JP Morgan „eine kritische Schwachstelle“ für den Iran. Foto: Imago/NurPhoto

Kritische Schwachstelle des Iran

Kharg erlebte in den 1960er und 1970er Jahren, während der iranischen Ölexpansion, wichtige Entwicklungen, da ein Großteil der Küste des Landes für Supertanker zu flach war. Der Iran hat versucht, seine Exportkapazitäten zu diversifizieren, indem er 2021 das Jask-Terminal außerhalb der Engstelle Straße von Hormuz im Golf von Oman eröffnete.

Aber Kharg bleibt laut JP Morgan „eine kritische Schwachstelle“ für den Iran. „Sie ist ein Eckpfeiler der iranischen Wirtschaft und eine wichtige Einnahmequelle für die iranischen Revolutionsgarden“, heißt es in dem Bericht von JP Morgan.

„Es ist sehr schwierig, auf dieser Insel eine Militäroperation durchzuführen.“ Foto: Imago/NurPhoto

USA wollen das iranische Öl

Der Krieg hat die Ölpreise in die Höhe schnellen lassen, obwohl sich der Markt offenbar immer wieder mit Ankündigungen beschwichtigen lässt. Jarrod Agen, Direktor des Nationalen Energie-Dominanzrates des Weißen Hauses erklärte: „Unser Ziel ist es, diese gewaltigen Ölreserven im Iran aus den Händen von Terroristen zu entfernen.“

Auch die Washington Post berichtete von verstärkten Spekulationen darüber, dass US-Bodentruppen für einen Einsatz vorbereitet werden könnten, und zitierte Analysten, die sagten, die Insel Kharg wäre ein Ziel.

Die ganze Insel besteht aus Ölanlagen, Pipelines und Tanklagern. Foto: Imago/Xinhua

Drohender Kampf auf Kharg

Nadimi erklärte, Washington könne die Insel nach dem Ende der Kampfhandlungen einnehmen, aber das sei während der Kämpfe „keine kluge Entscheidung“, da Kharg „fast eine ganze Insel aus Ölanlagen, Pipelines und Tanklagern“ sei. „Es ist sehr schwierig, auf dieser Insel eine Militäroperation durchzuführen.“

Doch auch andere Ölinfrastrukturen könnten ins Visier geraten, da Trump wiederholt auf seine Operation im Januar verwiesen hat, mit der er den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro stürzte und sich Zugang zu den Ölreserven des Landes verschaffte, und diese als Blaupause nutzte.

"Israel muss alle iranischen Ölfelder und die gesamte Energie-Industrie auf der Insel Kharg zerstören."  Foto: Imago/NurPhoto

„Auge um Auge“: Iran droht mit Vergeltung

Der Iran – der viertgrößte Rohölproduzent innerhalb der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) – hat geschworen, dass kein Liter Öl aus dem Golf exportiert wird, solange der Krieg andauert. Jeder Angriff auf die Infrastruktur werde mit einer Vergeltungsmaßnahme nach dem Prinzip „Auge um Auge“ beantwortet, heißt es aus Teheran.

Der israelische Oppositionsführer Yair Lapid forderte in einem X-Post dennoch Angriffe und schrieb: „Israel muss alle iranischen Ölfelder und die gesamte Energie-Industrie auf der Insel Kharg zerstören. Das wird die iranische Wirtschaft zusammenbrechen lassen und das Regime stürzen.“