Insekten und Bienen sind in Gefahr, Wildbienen stehen sogar auf der roten Liste – eine Tatsache, die zum handeln jedes Einzelnen führen soll. Ein Verfechter und Aufklärer für die Wildbienen ist der Obmann für Wildbienenweiden Manfred Kraft aus Unterkirnach.
Von etwa 560 Bienenarten, sei eine davon die Honigbiene, 559 gehörten zu den Wildbienenarten. Während bei den Honigbienen, auch Dank der Imker, schon ein gewisses Umdenken stattgefunden habe, sei die Situation für die Wildbienen äußerst schwierig, zumal sie hauptverantwortlich für die Bestäubung von Wild- und Nutzpflanzen seien.
Sicherlich liegt es auch am fehlenden Wissen, denn während die Honigbienen die Massentracht (viele Blüten auf einen Schlag wie bei der Obst- oder Rapsblüte) für ihre Ernährung benötigen, sind die Wildbienen auf heimische Blüten angewiesen. Doch es verschwinden immer mehr Heuwiesen, die bereits vor dem Blühen für die Silagen abgemäht werden, bedauert der Wildbienen-Experte.
Wichtige Blühflächen
Bei Futterengpässen könne der Imker immer noch seine Honigbienen mit Zucker versorgen, dagegen hätten die Wildbienen, deren Flugradius auf 80 bis 100 Meter (Honigbienen fliegend 1,5 Kilometer) beschränkt sei, kaum Chancen. Eine Lösung für die Wildbienen seien Blühflächen, allerdings mit Saatgut heimischer Pflanzen, doch dieses Saatgut sei sehr teuer und würde bei den Blühstreifen meist nicht eingesetzt. Das übliche Saatgut für die Blühstreifen enthielt vor allem gezüchtete Kulturpflanzen, so Manfred Kraft.
Also keine Nahrung für die Wildbienen. Nur manche Wildbienen sammeln Pollen und Nektar von unterschiedlichen Pflanzen, ein Großteil allerdings hat sich auf nur eine Pflanzengattung spezialisiert. Die Agrarindustrie führe zu artenarmen Landschaften, weshalb ein Großteil der Wildbienen auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehe.
Blühflächen sollten nicht abgemäht werden
Deshalb appellierte Manfred Kraft bei Blühstreifen zertifiziertes Saatgut heimischer Pflanzen zu verwenden. Außerdem sollten die mageren Blühflächen keineswegs abgemäht werden und offene Flächen enthalten. Denn diese dienten der Wildbiene als Brutfläche. Die kleinen geschlüpften Larven gehen in ihrem Kokon bereits im Juni/Juli in die „Winterruhe“. Wenn also zu dieser Zeit die Blühstreifen abgemäht werden oder der Boden bearbeitet, haben die Wildbienen zum Überleben keine Chance.
Blühender Naturpark
Doch nicht nur die Landwirtschaft ist hier gefragt, sondern auch die Gemeinden und jeder Einzelne. Bienen-Obmann Manfred Kraft hat das Projekt „Blühender Naturpark“ in den sieben Naturparks des Landes geschaffen und betreut dies auch. Mit diesem Projekt wirbt er auch bei Gemeinden, Bienenweiden mit dem zertifizierten Saatgut zu schaffen.
Jeder Garten- oder Balkonbesitzer kann mit seinem Zutun Wildbienen aber auch andere Insekten eine Zukunft geben.
Heimische Stauden und Sträucher, wie die Kornelkirsche, im Garten oder einen großen Pflanzenkübel mit heimischen Pflanzen mit Tellerhandgroßen offener Erde, die mit ein paar Schippen Sand versetzt sein sollen, sind hier hilfreich. „Sonnenblumen oder Geranien sind keine heimischen Pflanzenarten“, so Kraft.
Wichtig sei auch hier die Biodiversität. Wer gerne ein Insektenhotel aufstelle, solle darauf achten, dass dieses nicht zu groß sei und wenige Röhren mit unterschiedlichen Durchmessern habe. Sonst bestehe die Gefahr der Bienenschädlinge für die Wildbienen.
Hier gibt es Tipps
Für weitere Informationen oder Saatgut heimischer Pflanzen steht Manfred Kraft zur Seite per E-Mail manfred.kraft@bluehende-heimat.de oder Telefon 0171/6 06 14 01.