Ein Sulgener geriet bei seinem Abendspaziergang unabsichtlich in einen Schwarm Ameisen, die ihn attackierten.
Abends macht Rentner Franz S. (Name von der Redaktion geändert) aus Sulgen gerne einen Spaziergang. Den letzten vor zwei Wochen wird er nicht vergessen.
Der Schreck sitzt ihm heute noch in den Knochen, wie er im Nachhinein unserer Redaktion erzählte: Bei beginnender Dunkelheit war er gegen 21.45 Uhr auf einem Weg ungefähr zehn Meter vom Waldrand entfernt unterwegs. „Da wurde ich von einem großen und dichten Schwarm Insekten überfallen“, berichtete er. Er schlug mit seiner Mütze um sich, aber sie ließen sich nicht vertreiben, schwirrten weiter dicht um seinen Kopf herum. Er ging schnell einige Schritte weiter, aber der Schwarm zog mit.
Angst vor Giftstoffen
Da bekam er es mit der Angst zu tun, ließ seine Wanderstöcke fallen und rannte Richtung Wasserturm. Da ließen sie von ihm ab, aber er hatte die Insekten noch am Hals, auf und in der Jacke, sogar in der Unterwäsche, wie sich später zeigte, und zahlreiche Bisse schmerzten.
Er sorgte sich, dass diese vielleicht Giftstoffe enthielten und er noch umfallen könnte. Zu Hause angekommen, sah er im Hellen, dass es sich um große geflügelte Ameisen handelte, die er am Leib und in der Kleidung hatte: „Zähe Viecher, die sich nur durch kräftiges Draufdrücken erledigen ließen.“ Nach einer Stunde ging es ihm besser, die Bisse schmerzten kaum noch. Einige Ameisen hob er in einem leeren Marmeladenglas auf.
Hochzeitsflug gestört
Einige Tage später stieß er in der Ausgabe des Schwarzwälder Boten vom 13. August unter der Rubrik „Aus aller Welt“ zufällig auf ein Interview mit dem Biodiversitätsforscher Hanno Seebens von der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Thema waren die Schäden durch eine eingeschleppte Ameisenart im Raum Kehl. Weil ihn sein Erlebnis immer noch umtrieb, griff er zum Telefon und schilderte dem Forscher seine Erfahrung: Der habe ihn zunächst beruhigt, er müsse sich keine Sorgen machen, solche Bisse hätten auch längerfristig keine giftige Wirkung.
Er habe einfach Pech gehabt, dass er in einen Hochzeitsschwarm von normalen heimischen Waldameisen geraten sei, die sich paarten: „Viele Tausende treffen sich dazu normalerweise im Wald“, habe Seebens erklärt. Ungewöhnlich sei, dass der Schwarm neben dem Wald auf dem Weg gewesen sei. „So war es eigentlich kein Überfall, sondern eine Störung durch mich, weil ich in den Schwarm hineingelaufen bin“, schloss der Rentner seinen Bericht.
Info
Beim Schwarm- oder Hochzeitsflug verlassen die zuvor geschlüpften Jungköniginnen und Männchen das Nest ihrer Kolonie, um sich zu paaren. Da dies bei verschiedenen Kolonien einer Art synchron passiert, können riesige Schwärme entstehen, die sogar für Rauchwolken gehalten werden und Feueralarm auslösen.
Der Rentner dürfte dagegen in eine „Schwarmsäule“ hineingelaufen sein. Diese, so der NABU, haben eine Höhe von wenigen Metern, gehen vom Boden oder kleinen Sträuchern aus und verweilen – im Wind leicht schwankend – längere Zeit an einer Stelle.