Viele Vegetarier tun sich schwer damit, ihr Haustier mit klassischen Tierprodukten zu füttern. Inzwischen gibt es Alternativen – auch solche, die beim Thema Nachhaltigkeit besser abschneiden. Wir stellen sie vor.
Auf Fleisch größtenteils verzichten, aber dem eigenen Hund jeden Tag tierisches Futter geben – geht das? Einem kleinen, süßen Fleischfresser? Der Fleischkonsum nimmt immer mehr zu. Lag er laut Statistischem Bundesamt 1990 noch bei 33,5 Kilogramm pro Kopf, wurden 2018 bereits 42,9 Kilogramm Fleisch verzehrt. Die Deutschen kommen im Pro-Kopf-Vergleich sogar auf 78,8 Kilogramm. Zugleich gibt es einen Gegentrend: eine vegetarische oder vegane Ernährung. Nach Informationen von Statista stieg die Zahl der Vegetarier um 1,3 Millionen von 2016 bis 2020. Im gleichen Zeitraum nahm die Zahl der Veganer um etwa 300 000 Menschen zu.
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Aber mag auch der Hund oder die Katze tatsächlich Veganer sein? Theoretisch sei es möglich, Hunde vegetarisch oder vegan zu ernähren, sagt die Privatdozentin und Tierärztin Petra Kölle von der Medizinischen Kleintierklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Bei Katzen sei es diffiziler, „weil sie einige Nährstoffe essenziell benötigen, die sie selbst nicht herstellen können“. Vegetarisch gehe prinzipiell auch bei ihnen, vegan nicht. Letztlich müsse man es „im Einzelfall abklären“, ob sich eine alternative Kost für ein Tier tatsächlich eigne.
Futter auf Insektenbasis bisher eine Nische
Ein anderer Trend, der in manchen Teilen der Welt auf dem Esstisch der Menschen längst Einzug gehalten hat, kommt in den Futternäpfen von Haustieren an: Insekten.
Noch ist Futter auf Insektenbasis aber eher eine Nische. Dass sich Halter dafür entscheiden, hat mit einer nachhaltigeren Lebensweise zu tun, zudem gelten Insekten als geeignete Alternative bei Futtermittelallergien, sagt Kölle. Futter aus Insektenproteinen sei durchaus „innovativ und interessant“, sagt ein Sprecher von Fressnapf, einer Firma für Heimtierbedarf, dazu. Im Mai 2021 habe man ein reines Insektenfutter auf den Markt gebracht, „der Launch ist so erfolgreich, dass wir die Range über weitere Produktformate ausdehnen werden“, so der Sprecher. Bisher gebe es eine größere Nachfrage von Hundebesitzern, „aber perspektivisch sehen wir das auch für Katzen in unserem Sortiment“.
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Regina Rottgardt aus Bedburg-Hau in Nordrhein-Westfalen gehört zu den Pionieren auf dem Markt für Insektenkatzenfutter. Sie vertreibt es seit einem guten Jahr online, vor allem über Instagram. Die 36-jährige Industriekauffrau hat in einem Unternehmen für Nahrungsergänzung für Hunde und Katzen gearbeitet und kam schließlich auf die Geschäftsidee. Sie rühre sich selbst schon lange Insektenproteine ins Frühstück. Dann sei ihr Kater Elmo krank geworden, er brauchte ein anderes Futter. Inzwischen vertilgen Elmo und die Katze Emmely nur noch Insektenproteine.
Rezeptur kommt ohne Fleisch aus
Während in der Regel auf die Schwarze Soldatenfliegen gesetzt wird, ist das Rezept, das Regina Rottgardt zusammen mit ihrem Hersteller entwickelt hat, auf der Basis von Mehlwurmproteinen. Sie sagt, diese seien noch verträglicher für Katzen. Vor Kurzem hat sie sich zur Ernährungsberaterin für Katzen weitergebildet. Die Mehlwürmer kommen aus Belgien oder Frankreich. Sie würden in vertikalen Farmen gezogen, brühend heiß abgedampft und so in Millisekunden getötet. Anschließend würden sie geschreddert und in Fett und Proteine zerlegt.
Wettbewerber bieten die Insekten teils ins Fleischfutter gemischt an. Regina Rottgardts Rezeptur ist fleischlos, in sie gehören neben dem Wurmprotein Kokosflocken, Zucchini, Leinsamen und Vitamine. Sie hat das Futter selbst gekostet, „es schmeckt nussig, ein bisschen wie Quinoa“.
Wichtig ist, dass es dem Kater oder der Katze schmeckt. „Hunde sind nicht so wählerisch, viele Katzen sind aber super mäkelig“, sagt sie. Und auch die Halter von Katzen seien „voreingenommener“ als die von Hunden. Das Futter, das sie verkauft, ist dehydriert und wird mit Wasser zubereitet. Verpackt ist es in kompostierbaren Beuteln. Nachhaltigkeit sei ihr wichtig, wie sie sagt. Sie lebe seit anderthalb Jahren vegan, vorher war sie lange Vegetarierin.
Bisher fehlt es an Langzeitstudien
Auch wenn Katzen dafür bekannt sind, dass sie gern Fliegen nachjagen, ist eine reine Insektenernährung gesund für sie? Die Veterinärin Petra Kölle sagt, das könne durchaus funktionieren. „Aber das Futter muss bedarfsdeckend zusammengestellt sein.“ Deshalb rät sie zu einer Rationsüberprüfung, bei der die Daten aus dem Futter mit dem Bedarf des Tieres abgeglichen würden. Die meisten Tierärzte könnten dies selbst nicht, aber sie könnten an einen Spezialisten überweisen. Ob es dauerhaft gesund ist, sei unklar: „Es existieren noch keine Langzeitstudien“, sagt sie. „Sicher unproblematisch ist es, Katze oder Hund ab und zu mit Insektenfutter zu füttern.“
Klimabilanz
Laut einer Studie der Technischen Universität Berlin aus dem Jahr 2020 gilt: Je größer ein Tier, desto höher die Umweltbelastung. Demnach stößt ein
30 Kilogramm schwerer Hund in 18 Jahren rund 19 Tonnen CO2 aus, das entspricht einer Tonne CO2 im Jahr und ist etwa vergleichbar mit einem Economy-Rückflug von Frankfurt nach Las Palmas auf den Kanarischen Inseln. Der Ausstoß einer 4,2 Kilogramm schweren Katze entspricht etwa einer Autofahrt von 1164 Kilometern.
Haustiere
Die Zahl der Haustiere in Deutschland ist zuletzt stark gestiegen. Ursache dürfte die Coronapandemie gewesen sein. Nach Angaben des Industrieverbands Heimtierbedarf und des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands stieg die Zahl 2020 um fast eine Million auf 35 Millionen. Das beliebteste Haustier in Deutschland war mit 17,5 Millionen Exemplaren die Katze. Daneben gab es 10,7 Millionen Hunde.