Mehlwürmer sind ein guter Rohstofflieferant. Foto: imago/Lars Berg/imago stock&people

Die wirtschaftliche Nutzung von Insekten steckt in Deutschland in den Kinderschuhen. Aber sie hat Potenzial, schreibt Andreas Geldner.

Eigentlich liegen die Vorteile von Insekten für die Nahrungsmittelversorgung auf der Hand: Keine Tiergattung ist ein derart effizienter Futterverwerter. Mit wenig Energie, oft mit Abfällen können mit den Krabbeltieren die vielfältigsten Nahrungsrohstoffe hergestellt werden. Denn es geht beileibe nicht darum, Grillen zu grillen und knusprig mit Genuss zu verzehren. Dass das hierzulande nicht funktioniert, hat mir kulturellen Faktoren zu tun, die wohl nur schwer und langfristig zu verändern sind.

 

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Am besten dürfte die Insekten-Ökonomie dort funktionieren, wo sie gar nicht sichtbar ist: Was Hühner oder andere Nutztiere fressen, merkt der Endverbraucher nicht. Hier geht es nur um den Preis und ökologische Erwägungen, etwa den Ersatz von Fischmehl.

Heikler wird es schon beim Thema, Insektenbestandteile in andere Lebensmittel wie etwa Nudeln zu mengen. Hier gibt es nicht nur durch gezielte Zucht lösbare Geschmacksprobleme. Hier bremsen vor allem Vorschriften: So muss jede Insektenart erst für den menschlichen Verzehr zugelassen werden, was aus Sicht der interessierten Branche in einem quälend langsamen Prozess vor sich geht. Es fehlen gerade für eine wichtige Zielgruppe der ökologisch bewussten Verbraucher bisher auch jegliche Möglichkeiten, Insekten als ein Bioprodukt zu vermarkten.

Potenzielle Zukunftsbranche

Was es bräuchte, wäre auch ein stärkeres Bewusstsein, dass man hier, um im Bild zu bleiben, langfristig eine Zukunftsbranche heranzüchten könnte. Und dies gilt insbesondere für eine deutsche Stärke: die notwendige Technologie für effiziente Produktionsprozesse zu entwickeln. Denn die Wirtschaftlichkeit der Produktion hängt daran, ob es gelingt, die viele Handarbeit, die es heute noch braucht, voll zu automatisieren. Auch die gezielte Zucht, etwa für die Bedürfnisse der Pharmaindustrie, steckt immer noch in den Kinderschuhen.

Es sind also nicht die im Fernsehen gezeigten, leicht gruseligen Insekten-Snacks, sondern solche Bereiche, die für Deutschland in die Zukunft weisen.