Die „Insectophobie“-Ausstellung im Kurhaus Freudenstadt mit Riesenspinnen und Insekten wurde von Besuchern überrannt. Die von den Tieren ausgehende Faszination ist offenbar riesengroß. Bei manchen sorgten die haarigen Tiere aber auch für Unbehagen.
Ob es die Angst, die Neugier oder die eher seltene Gelegenheit gewesen ist, haarige große Vogelspinnen und sonstiges Getier einmal aus nächster Nähe zu betrachten und sich ein solches Exemplar vielleicht sogar auf die Hand setzen zu lassen, sei dahingestellt. Tatsache ist jedenfalls, dass die „Insectophobie“-Ausstellung am Sonntag Besuchermassen aus der ganzen Region angezogen hat – und das während des gesamten Ausstellungstags.
Über Stunden bildeten sich Schlangen und Menschentrauben an der Kasse und im Kienbergsaal. Die zahlreichen Besucher – darunter viele Familien mit Kindern – brauchten deshalb viel Zeit und Geduld. Beides hatten die meisten in Anbetracht der mit Spannung erwarteten Tierchen auch mitgebracht.
In den rund 100 Terrarien, die im dafür eigentlich zu kleinen Kienbergsaal Platz gefunden hatten, konnten die Besucher die gesamte tierische Bandbreite von Riesengespensterschrecken und Texasskorpionen über Riesentausendfüßler bis hin zu den verschiedenen Riesenvogelspinnen aus nächster Nähe betrachten.
Berührungsängste abbauen
Vor allem letztere bereiteten vielen Besuchern schon aufgrund des großen und haarigen Körpers und der haarigen acht Beine ein gewisses Unbehagen, wenn nicht gar Ekel oder Furcht. Bestehende Vorurteile will Giovanno Neigert, dem diese Ausstellung gehört, mit Hilfe seiner Tiere abbauen und den Besuchern so das Unbehagen nehmen.
Das versucht Neigert nicht nur durch viele Informationen zu erreichen, die sich der leidenschaftliche Sammler im Laufe der Jahre über die Tiere angeeignet hat, sondern auch durch den Abbau von Berührungsängsten – und das im wahrsten Sinne des Wortes.
Neigerts Teamkollege Pierre Bülow hatte diesen Part am Sonntag übernommen, weil Neigert selbst an der Kasse gefordert war. Wer wollte, bekam von Bülow eine Vogelspinne direkt auf die Hand gesetzt. Und wer bereit war, das Tierchen dort auch eine kleine Weile sitzen zu lassen, der wurde auf Wunsch sogar fotografiert und konnte das Foto am Ende mit nach Hause nehmen.
Die Reaktionen auf die Spinnen waren so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Rosemarie Reiser aus Empfingen beispielsweise geht mit Spinnen, die ihr begegnen, immer sehr achtsam um. Sie findet die langen Beine der Spinnen auch schön und versucht eben dies auch schon immer ihren drei Enkeln zu vermitteln, die mit ihr in der Ausstellung waren.
Gruselig oder flauschig?
Ohne große Scheu waren ihre Enkel deshalb sofort bereit, die Vogelspinne auf die Hand zu nehmen – auch wenn Lukas (8) die Beine der Spinne schon etwas „gruselig“ gefunden hat. Für Moritz ( 10) waren sie hingegen einfach nur „ flauschig“. Überhaupt keine Berührungsängste hatten auch Andreas und Carmen aus Freudenstadt, die selbst ein solches Exemplar zuhause haben und Spinnen einfach schön finden.
Andere waren nicht nicht ganz so entspannt und sprachen offen über ihre Angst vor dem Spinnenbiss. „Beißen würde sie dich nur dann, wenn du eine Heuschrecke wärst oder wenn du sie ärgern würdest, beides ist nicht der Fall“, beruhigt Bülow ein Mädchen. Sie durfte die Beine der Spinne zunächst ganz entspannt auf seiner Hand berühren, bevor sie es selbst wagt, diese auf die Hand zu nehmen.
Auch Karina aus Baiersbronn leidet seit der Kindheit an einer Spinnenphobie, empfindet Abscheu vor allem wegen der acht Beine „Alles, was sechs Beine hat, ist kein Problem“, meinte sie. Daher beobachtete sie erst einmal abwartend, wie sich die Spinne auf der Hand ihres Mannes und Sohnes verhält. Erst danach war sie selbst bereit. „Weil ich mir hier einfach auch beweisen wollte, dass ich es kann“, sagt sie hinterher erleichtert. Das Unbehagen war ihr trotzdem deutlich anzusehen.