Posierten beim Lothar-Späth-Award mit einem Aufsteller einer Statue des Namensgebers (von links): Landesjustizministerin Marion Gentges, Unternehmer Martin Herrenknecht, Späth-Tochter Daniela Späth-Zöllner und Ex-KIT-Präsident Holger Hanselka. Foto: Armbruster

Zum vierten Mal ist der Lothar-Späth-Award an junge Unternehmen verliehen worden. Mit-Initiator und Juror Martin Herrenknecht erinnerte an den Namensgeber des Preises.

„F ür mich persönlich war Lothar Späth ein prägender Charakter – und ein Visionär“, erklärte Martin Herrenknecht bei der feierlichen Siegerehrung im Baden-Badener Kurhaus. Der Schwanauer Unternehmer sprach mit viel Respekt vom ehemaligen Südwest-Ministerpräsidenten. In Anekdoten blickte er auf den 2016 gestorbenen Späth und ganz persönliche Erfahrungen mit dem „Cleverle“ zurück.

 

Begonnen hatte die vom Ortenauer Tunnelbohrmaschinen-Experten als bereichernd beschriebene Beziehung allerdings mit einem Fauxpas: Er habe den damaligen Ministerpräsidenten 1986 als Teil einer Wirtschaftsdelegation nach Istanbul begleitet, schilderte Herrenknecht.

Bei einem spontanen Besuch der Blauen Moschee kurz vor dem Rückflug sollte er mit Späth für ein Foto posieren – wie es sich in einem islamischen Gotteshaus gehört natürlich ohne Schuhe. Das Problem: „Ich war Jung-Unternehmer, hatte gerade 200 Mitarbeiter – und Löcher in den Socken“, so Herrenknecht. Späth – ganz Staatsmann – ließ sich ohne großes Aufhebens mit dem Unternehmer ablichten.

Lothar Späth übernahm 1998 Vorsitz des Herrenknecht-Aufsichtsrats

„Ich dachte, die Szene hatte ich überstanden“, erzählte Herrenknecht in Baden-Baden. Indes: Auf dem Rückflug sei er zum Ministerpräsidenten in die Business-Klasse zitiert worden. „In Zukunft, wenn wir gemeinsam wegfliegen, zeigen Sie mir zwei Paar neue Socken vor!“ Noch heute habe er immer ein Paar neuer Socken mit dabei, so Herrenknecht – der mit der Anekdote für hörbare Erheiterung im Saal sorgte.

Der Kontakt brach nie ab und 1998 bat Herrenknecht den Ex-Politiker Späth – zwischenzeitlich Geschäftsführer von Jenoptik in Jena – den Vorsitz seines Aufsichtsrats zu übernehmen. „Damals wussten wir erst an Weihnachten, ob wir während des Jahres überhaupt Geld verdient hatten“, erinnerte sich Herrenknecht.

Er werde nie vergessen, wie Späth bei einer der ersten gemeinsamen Sitzungen tobte: „Wir fahren nicht mehr raus auf die Baustellen! Ich will die Bücher sehen.“ Es sei „kritisch zugegangenen, sehr laut geworden“. Sein Finanzchef und er seien „zusammengefaltet“ worden und Späth forderte eine ordentliche Kalkulation – geschadet hat es dem heutigen Weltmarktführer aus Schwanau offensichtlich nicht.

Herrenknecht blickt auf seine Anfänge zurück

„Er war für mich ein faszinierender Mensch“, gab Herrenknecht freimütig zu. Späth beschrieb er auch im Gespräch mit unserer Redaktion am Rande der Preisverleihung als einen Macher – so wie der streitbare Schwanauer Unternehmer längst selbst bezeichnet wird. Sterben solche Köpfe aus?

Angesprochen auf das Klischee der „faulen Jugend“ schüttelt Herrenknecht mit dem Kopf. „Die Jungen bringen Einsatz, wenn sie gefordert werden“, betonte der 83-Jährige. Das habe man bei den Preisträgern des Abends gesehen, „die todsicher keine Arbeit scheuen und sicherlich keine Vier-Tage-Woche haben, sondern wirklich ranklotzen“.

Foto: Herrenknecht

Entsprechend erkennt der Erfolgsunternehmer in Deutschland auch kein Motivationsproblem. „Wir haben ein Bürokratieproblem – das müssen wir abschaffen“, konstatierte Herrenknecht, der den Abend nicht ganz ohne Beamtenschelte absolvierte. Es brauche schnell ein Gesetz zur Beschleunigung von Innovationen und der Infrastruktur. „Wir müssen uns anstrengen in Europa, sonst essen unsere Enkelkinder künftig mit Stäbchen“, prognostiziert Herrenknecht mit Blick Richtung China in bekannter Manier.  

Ehrfurcht vor gewaltigen Naturkräften

Seine Motivation finde er auch nach vielen Jahren noch in der eigenen Arbeit. Am Vortag der Preisverleihung sei er etwa auf der Baustelle des Gotthard-Basistunnels zum Barbara-Fest gewesen. „Da stößt der afrikanische Kontinent gegen den europäischen. Wenn du da im Tunnel drin stehst, die Stahlträger siehst, die schier unvorstellbare Kräfte aushalten und denkst, selbst dort können wir Tunnel bauen – mich begeistert das wie am ersten Tag.“

Und was würde der erfolgreiche Unternehmer einem heute 20-Jährigen raten? „Ideen haben – und sie umsetzen“, so der 83-Jährige. Ganz im Sinne von Lothar Späths Leitsatz: „Man kann, was man will.“ 

Die Preisträger

Modernste Medizintechnik, Beton-Recycling und winzige optische Linsen – die Preisträger und ihre Partner aus Baden-Württemberg und Thüringen präsentierten Innovationen mit dem Potenzial, die Welt zu verändern. Dotiert war der diesjährige Award mit insgesamt 100 000 Euro. Mit dem Kurhaus Baden-Baden war nicht nur der Veranstaltungsort hochkarätig, auch die Laudatoren des Abends hatten es in sich: Neben Justizministerin Marion Gentges und dem ehemaligen Ministerpräsidenten Günther Oettinger sprach auch Lothar Späths Tochter Daniela Späth-Zöllner. Der erste Preis ging an die Inflamed Pharma GmbH (Jena). Sie entwickelte ein Präparat, das Funktion und Struktur der Leber und der Gallenwege darzustellen ermöglicht. Den zweiten Platz belegte die Rement GmbH (Baden-Württemberg) mit dem Konzept, Abbruchbeton chemisch zu recyceln. Der dritte Preis ging an die Printoptix GmbH (Baden-Württemberg). Diese nutzt präzisen 3D-Druck , um winzige optische Bauteile in Serie herzustellen.