Maximilian Schmidt ist seit März 2020 Vorstand der Hofstetter Atemag AG, die für Aggregatetechnologie und Manufaktur steht. Was zunächst in erster Linie für die Holzbearbeitung entwickelt wurde, hat sich im Laufe der Jahre in Richtung Kunststoff, Alu, Stahl und Composite erweitert. Foto: Störr

200.000 Euro Fördergeld erhalten. Fehleranalyse weltweit - aus dem eigenen Büro.

Die Hofstetter Firma Atemag – Aggregattechnologie und Manufaktur AG – ist mit dem Wirtschafts-Förderpreis für künstliche Intelligenz (KI) ausgezeichnet worden. Das Preisgeld in Höhe von 200 000 Euro wird unter den beteiligten drei Firmen verrechnet.

Hofstetten - Im Verbund mit dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) und der Firma Scitis (beide Stuttgart) hatte sich die Hofstetter Firma Atemag beim "KI-Innovationswettbewerb Baden-Württemberg" beteiligt. Das ausgezeichnete Projekt heißt "ViSkI" – das steht für "Virtuelle Sensorik für smarte Prozessüberwachung am Beispiel der Holzzerspanung".

Fehleranalyse vor Ort, "ohne vor Ort sein zu müssen"

Im Gespräch mit Atemag-Vorstand Maximilian Schmidt wird deutlich, was sich hinter dem Projekt verbirgt: "Es ist ein Chip, der physische Daten wie beispielsweise die Drehzahl, Schwingung, Temperatur oder Vibration eines Winkel-Aggregats aufnimmt." Anhand der Aufzeichnungen könne im Bedarfsfall eine Fehleranalyse erstellt werden. Der große Vorteil liege für die Firma Atemag im "vor Ort sein, ohne vor Ort zu sein".

Denn zwei Drittel der in Hofstetten produzierten Aggregate kommen weltweit zum Einsatz. Bei auftretenden Fehlern wären mitunter weite Reisen nötig. Mit dem Chip könne man nun vom Produktions-Standort Hofstetten aus reagieren, ohne in den Flieger steigen zu müssen. "Mit einer Verzögerung von vielleicht ein oder zwei Sekunden sind wir live dabei", betont Maximilian Schmidt.

Der Chip an sich sei ein relativ günstiges Produkt, das die Daten zunächst via Bluetooth übermittelt habe. Da die Datenmengen aber mitunter sehr groß wären, sei nun auch eine Kabelverbindung entwickelt worden. "Das erweitert die Funktionalität, um weitere Prozesse abzufragen", verweist Schmidt auf Künftiges. Denn auf Anfrage des Fraunhofer-Instituts sollen in der weiteren Entwicklung nicht nur die physischen Daten abgefragt und bewertet werden, sondern auch der Zustand des Werkzeugs am Winkelkopf. Damit würden intelligente Tool-Anwendungen im Chip integriert.

Und der Atemag-Vorstand hat weitere Visionen in Richtung selbstlernender Technik, die einen Produktions-Prozess anhand von Grenzwerten erkennt und analysiert. "Wenn man nicht mit einer Mission an die Entwicklung geht, wird man immer hinter seinen Zielen bleiben", ist sich der 34-jährige studierte Ingenieur sicher. An der weiteren Entwicklung werde in Verbindung mit der Offenburger Hochschule gearbeitet, um die theoretischen Berechnungen voranzutreiben.

Digitalisierung gehört zur Philosophie der Atemag

Und um das eigene Unternehmen mit seinen 25 Fachkräften aus Technikern, Ingenieuren, Mechatronikern, Kaufmännischen Mitarbeitern und Logistikern zukunftsorientiert aufzustellen, laufe das interne Projekt "Digital jetzt". Damit werden die administrativen Aufgaben digitalisiert und automatisiert, weil es ein Stück weit auch die Unternehmenskultur sei.

"Wir sind ein kleines Unternehmen, das mit Themen arbeitet, die Große noch nicht leisten können", zeigt sich Maximilian Schmidt stolz auf die Leistungen seines Teams. Aus der Automobilbranche kommend, ist er seit März des vergangenen Jahres Vorstand der Atemag AG in Hofstetten.

Info: Das ist der Förderpreis

In der Kategorie "KI-Innovationswettbewerb BW für Verbundforschungsprojekte: Wissens- und Technologietransfer stärken" wurde die Hofstetter Firma Atemag ausgezeichnet. Federführend durch das Fraunhofer-Institut IPA, mit dem die Atemag schon längere Zeit zusammenarbeitet, wurde in einer dreimonatigen Bewerbungsphase das Projekt "ViSKI" umfangreich dokumentiert. Die Firma Scitis beteiligte sich mit einer Cloud-Anwendung und entsprechender Software. "Wir waren der Produkt-Lieferant und hatten damit einen kleineren Anteil am Projekt", erklärt Atemag-Vorstand Maximilian Schmidt. Das Preisgeld in Höhe von 200 000 Euro wird in Abhängigkeit der Stundenzahl auf die drei beteiligten Firmen verteilt und dient der Kompensation der von ihnen im Projekt geleisteten Arbeitszeit.

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