Die Sulzer Stadtverwaltung informiert sich, was die Firma Gauzy alles zu bieten hat. Das Ergebnis: Hier ist ein globaler Marktführer, der wachsen will.
„Wenn ich ältere Action- oder Science-Fiction-Filme sehe, denke ich manchmal: ,Das könnte doch von Gauzy sein!’“, erklärt Jens Steinkopf, Director of Operations, schmunzelnd.
Denn das, was damals Zukunftsmusik war, ist jetzt in Sigmarswangen Realität. Drückt man auf einen Schalter, wird aus einer bis eben noch durchsichtigen Glasscheibe eine dunkle Wand.
Scheibe dunkelt sich ab
Das Geheimnis dahinter lautet Polymer Dispersed Liquid Crystal (PDLC). Führt man der Scheibe eine kleine Menge an Strom, beispielsweise drei Watt, zu, richten sich darin einlaminierte Kristalle innerhalb von Millisekunden so aus, dass die dunkle Tönung entsteht. Ein weiterer Druck – die Scheibe wird wieder durchsichtig.
Doch das, was früher scheinbar nur James Bond und Co. vorbehalten war, findet sich dank Gauzy in vielen verschiedenen Produkten. So können durch das Verbundsicherheitsglas etwa Rollläden ersetzt werden, da die Scheibe selbst die Rolle des Lichtschutzes ersetzt.
Standorte in ganzer Welt
„Steht ein Auto im Stau, kann das Warnsymbol an die Heckscheibe projiziert werden, um den nachfolgenden Verkehr zu warnen“, nennt Steinkopf ein weiteres Beispiel.
Auch wenn der Hauptsitz des Unternehmens in Tel Aviv liegt und das Unternehmen mit 600 Mitarbeitern auf allen Kontinenten vertreten ist, spielt Sigmarswangen eine nicht unbedeutende Rolle.
Denn es stehe eine Standorterweiterung an, erläutert Steinkopf. Im Rennen seien drei Orte: einer in den Vereinigten Staaten, einer in Frankreich und eben Sigmarswangen.
Kommt die Erweiterung?
„Aktuell haben wir 21 Mitarbeiter, suchen aber ständig weitere Kräfte“, verrät er. Sollte der Zuschlag an den Neckar fallen, bedeute dies eine Verdoppelung der Kapazitäten. „Unsere deutschen Automobilkunden fänden es gut, wenn die Erweiterung in Süddeutschland käme“, erklärt er.
Welche Folgen hätte dies für die dortige GmbH? Zum einen werde man darangehen, ein weiteres Gebäude in Richtung Vöhringen zu errichten. Dabei ist Solar auf dem Dach sowie ein Photovoltaikpark auf dem Rest des Geländes angedacht.
„Wir unterstützen“
Das Konzept müsse bis zum 30. Juni vorliegen. „Schicken Sie uns eine Skizze, dann schauen wir drüber“, erklärt Hauptamtsleiter Hartmut Walter. Und Bürgermeister Jens Keucher ergänzt: „Wir unterstützten – wir wollen weltweit führende Firmen hier halten.“
Kommt der Zuschlag, werden Maschinen- und Anlagebediener für die Beschichtungsanlagen gesucht. Auch für Logistikarbeiter seien dann weitere Arbeitsplätze da. Schwieriger wird es wohl im Bereich der Laborforschung. „Fachpersonal im Bereich der Elektro-Chemie ist schwer zu finden“, sagt Steinkopf.
Denn bisher würden noch viele Komponenten in Israel gefertigt und dann per Luftfracht nach Deutschland gebracht. „Wir wollen die Produkte auch hier vor Ort herstellen können“, gibt Steinkopf einen Ausblick.