Die meisten Transportpaletten werden ein einziges Mal benutzt und landen dann im Müll. Foto: Ben Kerckx/Pixabay

Mit seinem Start-Up LAP entwickelt Willy Lutz im Altensteiger Gewerbegebiet Turmfeld die Transportpalette der Zukunft – und ist damit schon weit gediehen.

Altensteig - Transportpaletten bestehen aus zwei Dingen – ein paar Holzlatten und ein paar Nägeln. Beides wird nicht nur immer teurer, sondern auch immer knapper. Stöhnten vor nicht allzu langer Zeit Waldbesitzer wie die Stadt Altensteig unter dem darniederliegenden Holzpreis, macht sich jetzt auf der Abnehmerseite Katerstimmung breit: Die Produktionskosten für eine herkömmliche Transportpalette haben sich innerhalb eines Jahres verdoppelt. War der Holzmarkt vor wenigen Jahren aufgrund häufiger Unwetter mit Sturmholz überschwemmt, war er dann wegen steigender Nachfrage aus Übersee plötzlich wie leer gefegt. Russlands Überfall auf die Ukraine sorgte für eine erhebliche Verschärfung der Situation.

Gleiches gelte für Nägel, berichtet Willi Lutz, Geschäftsführer der Paletten-Service-Lutz GmbH im Altensteiger Turmfeld. Die Produktion in der Ukraine liege aus nachvollziehbaren Gründen brach oder Logistikketten seien gestört – das Asow-Stahlwerk beispielsweise brachte es zweckentfremdet als letzte Bastion der Verteidiger von Mariupol zu trauriger Berühmtheit. "Aber auch Russland und Weißrussland fallen derzeit als Lieferanten aus", ergänzt Lutz.

Anfragen kommen auch aus dem Ausland

"Wir beliefern Unternehmen aus dem ganzen Bundesgebiet mit gebrauchten Paletten", berichtet Lutz, der die Branche seit 40 Jahren kennt. Anfragen kämen inzwischen auch aus dem Ausland – aus Frankreich, Italien und sogar aus Schweden.

Das Thema der Paletten-Produktion treibt Willy Lutz aber nicht erst seit Beginn des Ukraine-Kriegs um. Die schieren Zahlen haben ihm schon vor Jahren zu denken gegeben. Im vergangenen Jahr seien in Deutschland 158 Millionen Transportpaletten im Einsatz gewesen - ein großer Teil davon ein einziges Mal, bevor er beim Empfänger im Abfallcontainer landete. Für die Produktion seien sechs Millionen Kubikmeter Holz benötigt worden, ein Viertel des jährlichen Holzeinschlags. Zwar fänden zunehmend Paletten aus alternativen Materialien – Kunststoff, Wellpappe, Metall – Verwendung, aber auch für deren Produktion benötige man hochwertige Rohstoffe.

Lutz baute sich ein Netzwerk auf

Vor sieben, acht Jahren habe er begonnen, sich mit dem Problem auseinander zu setzen, so Lutz. Seine Lösung: Paletten aus Abfall. Damit ließe sich nicht nur der Verbrauch natürlicher Ressourcen reduzieren, sondern auch das stetige Wachsen des Müllbergs etwas eindämmen. Der Geschäftsführer der Paletten-Service-Lutz GmbH gründete die Logistics Arts Production GmbH (LAP) und baute sich ein Netzwerk auf. Das Fraunhofer-Institut ist ebenso an Bord wie ein Karlsruhe Maschinenbauer und "ein großer württembergischer Entsorger", der die Materialmuster zur Verfügung stellt.

Hitzestrom vernichtet Bakterien

Zusammen mit einem Spezialisten für Produktionstechnologie entwickelte Lutz ein bereits bewährtes Verfahren für die Produktion von Recycling-Paletten weiter. Neben Altholz der Kategorien A1 bis A3 kann eine Vielzahl von Abfallstoffen verwendet werden: das Spektrum reicht von PET-Flaschen über allerlei Verbundstoffe bis hin zu FFP2-Masken und Thermoplaste. Zu kleinen Flocken zerkleinert und nach speziellen Rezepturen vermengt, wird das Material durch einen Heißluftstrom und ein Filtersystem geführt, mit einem Bindemittel vermischt und schließlich gepresst – fertig ist die LAP-Pressspanpalette. Der Produktionsprozess vernichtet Bakterien und neutralisiert Gerüche. Das Endprodukt tauge sogar zum CO2-Abfallspeicher.

Gespräche mit Investoren laufen

In einer Versuchsanlage würden bereits Paletten in zwei gängigen Größen mit Tragfähigkeiten bis 750 Kilogramm hergestellt, berichtet Willy Lutz. Der Produktionsprozess sei inzwischen patentiert, die LAP-Palette als Gebrauchsmuster angemeldet und zum EU-Patent eingereicht. Die Einreichung zum US-Patent stehe kurz bevor. Lutz hofft, in ein bis zwei Jahren erste Paletten in Serie produzieren zu können. Derzeit sei man in Gesprächen mit Investoren und Lizenznehmern.

Seit 2020 in Altensteig

Die Paletten-Service Lutz GmbH ist mit ihrem Ableger LAP seit 2020 im Altensteiger Turmfeld ansässig und beschäftigt 14 Mitarbeiter. Willy Lutz übernahm das in den 1980er-Jahren von seinen Eltern gegründete Unternehmen und verlegte den Firmensitz von Ludwigsburg in die Flößerstadt – nicht zuletzt, um die Anfahrt von seinem Wohnort Oberndorf/Neckar zu verkürzen.