Hand aufs Herz, Michael Steiger. Gibt es in ein paar Jahren noch mehr Handyläden, Brillenstudios und Barbershops und immer weniger Lokale oder geht da noch etwas in der Gastronomie?
So düster würde der stellvertretende Dehoga-Chef für den Landkreis die Zukunft von Restaurants und Cafés in Villingen-Schwenningen nicht malen, im Gegenteil. Doch einen Appell hat Michael Steiger, Vize im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Schwarzwald-Baar, an die Verpächter: Vernünftige Preise für Gastro-Interessenten auszuhandeln statt „nur aufs schnelle Geld zu schauen“.
Das La Rusticana-Betreiberehepaar hört auf, wenn auch aus gesundheitlichen Gründen, das Café Les Saveurs de France streicht die Segel: Nicht wenige Doppelstädter sehen recht schwarz für die Gastronomie in VS. Halten Sie dagegen?
Klar, denn der Markt regelt alles. Wenn Angebot und Konzept stimmen, dann kommen auch die Leute, dann werden die Lokale angenommen.
Wird das Gastrosterben, das sich auf dem Land schon seit Jahren abzeichnet, auch in Städten wie VS grassieren?
Nein, eine solche Entwicklung sehe ich nicht. Wir haben nach wie vor in Villingen-Schwenningen einen gesunden Mix aus Cafés und Restaurants für jeden Geschmack. Die gute Gastronomie, die viele fordern, die gibt es hier doch!
Gastrobetriebe und ihre Sogwirkung sind nicht zu unterschätzen, wenn Sie an eine Zahl denken?
Absolut. Laut einer jüngsten Studie kommen 60 Prozent der Besucher wegen der Gastronomie in die Innenstädte.
Zu einer anderen, eher unerfreulichen Entwicklung. Manche potenzielle Gäste haben deutlich weniger Geld in den Taschen und sehen von Restaurant-Besuchen häufiger ab?
Die Konsumzurückhaltung sehen wir alle. Statt einer Flasche Wein ordern Gäste eben nur noch ein Glas Rosé. Und die Vorspeise lassen einige auch lieber weg und bestellen nur noch das Hauptgericht. Die meisten Gäste müssen deutlich mehr aufs Geld schauen als früher.
Die Pachten empfinden viele Betreiber als zu hoch, um dauerhaft überleben zu können, so die Kritik. Berechtigt?
Sicherlich gibt es Eigentümer, die aufs schnelle Geld aus sind, statt vernünftige Pachtgebühren anzubieten. Durch hohe Mieten haben viele Gastronomen nur wenig Überlebenschancen und müssen nach kurzer Zeit wieder aufgeben. Letztendlich sind die Miethöhen aber Sache von Hauseigentümern und Erbengemeinschaften. Doch manchmal hilft auch ein Gespräch mit dem Vermieter.
Die Kritik an den Pachten greift für Sie jedoch zu kurz?
Definitiv. Jeder, der einen Mietvertrag unterschreibt, weiß doch, was auf ihn zukommt. Die Pachthöhe wird schwarz auf weiß dokumentiert. Zudem bieten Verbände wie die Industrie- und Handelskammer Beratungen an, um Businesspläne einem Realitätscheck zu unterwerfen. Kurzum: Bekomme ich das mit meinem Café hin, wenn ich Ausgaben und zu erwartende Gewinne hochrechne?
Die neue Bundesregierung möchte die Mehrwertsteuer wieder von 19 auf sieben Prozent senken, wie zu Coronazeiten. Eine Forderung, die die Dehoga schon länger erhebt. Könnte dies manchem Betrieb helfen?
Es würde viele Betriebe entlasten, die unter deutlich gestiegenen Kosten für Energie und Lebensmittel leiden, dazu kommt die weitere Erhöhung des Mindestlohnes. Zudem geht es um Steuergleichheit. Es kann doch nicht sein, dass Take-Away-Betriebe nur sieben Prozent bezahlen und die anderen 19 Prozent. Das ist ungerecht.
Wenn die Steuersenkung kommt, sollten Gastronomen diese an ihre Gäste weitergeben, die Preise entsprechend senken?
Ich hoffe, dass Sie dies tun.