Mit Blick auf die zeitgemäßen Anforderungen schlagen die Grünen Asphaltbänder im Heiligkreuzort vor. Foto: Sucker

Die Grünen-Fraktion schlägt Mobilitätsbänder für den Heiligkreuzort vor und verweist dazu auf ein anerkanntes Beispiel.

Wer denkt beim Sanieren historischer Innenstädte nicht spontan an schön gefugte Kopfsteinpflaster in Gassen und auf Plätzen, die von stattlichen Bürgerhäusern gesäumt sind? Handwerklich gekonntes Pflastern gehört ja zur bewundernswerten Baukultur, die gerade mittelalterlich geprägten Städten ihr ganz besonderes Flair schenkt. Die Rottweiler Stadtratsfraktion der Grünen fragt sich nun, ob an dieser Tradition sachte gekratzt und neue Überlegungen angebracht werden dürfen, die zeitgemäßen Anforderungen genügen?

Hubert Howack wagte das in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses, in der es um die Oberflächengestaltung im Heiligkreuzort ging. Nowack wünschte sich nämlich „mehr Asphalt in den Gassen“ und dachte dabei vor allem an die Rollstuhlfahrer.

Positive Resonanz

Nach dem Bericht im Schwarzwälder Boten erreichten die Grünen positive Rückmeldungen, sodass diese nun einen Antrag an die Verwaltung zu formulierten. Ihre klare Forderung lautet nun, im Heiligkreuzort in den gepflasterten Gassen vernetzende, asphaltierte Mobilitätsbänder einzuplanen.

Die Grünen-Fraktion meint, auch in historisch geprägten Sanierungsgebieten verdienten Mitbürger Rücksichtnahme, die alt oder behindert sind oder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben. Auch solle man bedenken, dass das Spital am Nägelesgraben mit dem Heiligkreuzort eng benachbart ist. Für diese Menschen sei die Mobilität in gepflasterten Quartieren sehr beschwerlich – ob zu Fuß, mit Rollator oder Rollstuhl.

Wohn- und Lebensort

„Aber auch sie sollten die Schönheiten unserer Stadt und deren wohltuende Aufenthaltsqualität genießen können“, schreibt die Fraktion in ihrer Begründung. Das stärke zudem die historische Innenstadt als Wohn- und Lebensort. Es gelte sich darauf einzustellen, dass wir eine alternde Gesellschaft sind.

In ihrem Antrag verweisen die Grünen aber auch auf die Radfahrer. Kopfsteinpflaster habe für diese so seine besonderen Tücken: Bei Regen und Glätte sei es rutschig und schränke das Sicherheitsgefühl stark ein.

Gibt es gestalterisch gelungene Lösungen, wie man mittelalterliche Atmosphäre und Barrierefreiheit miteinander versöhnen kann? Die Grünen sind in der oberschwäbischen Stadt Bad Waldsee fündig geworden. Dort ist man bei der Sanierung der mittelalterlichen Altstadt innovative Wege gegangen: Die Innenstadt durchziehen als Bewegungs- und Kommunikationsfläche so genannte asphaltierte Mobilitätsbänder.

Innovative Wege

Dank ihrer glatten Oberfläche aus Farbasphalt bieten sie Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, ein barrierearmes Angebot. Auch das Radfahren ist dort – mit Schrittgeschwindigkeit – zulässig. Das Motto dieser Planung laute: „Altstadt für Alle“. Das Projekt sei als nationales Projekt des Städtebaus anerkannt. Die Grünen-Fraktion rät abschließend in ihrem Antrag, Gemeinderat und Verwaltung sollten die dortige Altstadtsanierung einmal besichtigen.

altstadt-fuer-alle.bad-waldsee.de