Die Hechinger Innenstadt entwickelt sich weiter: Nun soll schnellstmöglich das städtische Gebäude in der Schulstraße 6 abgerissen werden, dessen Standsicherheit gefährdet ist. Vorübergehend sollen dort Parkplätze entstehen – eine Neubebauung ist geplant.
In der Hechinger Innenstadt – konkret in der Schulstraße 6 – könnte zeitnah eine Baulücke entstehen. Das dortige ehemalige Schulgebäude soll „schnellstmöglich abgerissen“ werden, wie es in der Vorlage für die Sitzung des Verwaltungsausschuss des Gemeinderats am kommenden Dienstag, 24. September, heißt.
Der Grund: Das heruntergekommene Gebäude ist nicht mehr uneingeschränkt standsicher, wie ein Gutachter eines Ingenieurbüros dem städtischen Liegenschaftsamt jüngst bestätigte. In dem Bericht des Gutachters heißt es: „Horizontale Lasteinwirkungen wie zum Beispiel Erdbeben oder Wind können in diesem Bauzustand nicht mehr abgetragen werden, eine ausreichende Standsicherheit ist nicht mehr gegeben.“
Komplettabriss oder umgehende Sicherung
Auch für den Laien macht das Gebäude, welches sich nach einem Rückkauf von der Immobilienfirma EJL wieder in städtischen Eigentum befindet, einen stark sanierungsbedürftigen Eindruck. An der Fassade löst sich der Putz ab, die Außenwand wird nur noch durch die Gefachausmauerung sowie den Außenputz gehalten. Laut Gutachter kann bereits unter den Holzpfosten komplett vom Innen- bis zum Außenputz durchgegriffen werden. Im Inneren habe die Braunfäule die tragende Holzbalkenanlage befallen.
Die Empfehlung des Ingenieurbüros: Ein Komplettabriss oder eine umgehende Sicherung des Gebäudes. Dies könne zum Beispiel durch ein vorgestelltes Holzkorsett erfolgen, das über Verspannungen in das Gebäude hinein verhängt wird.
Für die Verwaltung scheint laut Sitzungsunterlage diese Frage schon geklärt. Der Komplettabriss soll es werden, seien doch die Sicherungsmaßnahmen mit einem „unverhältnismäßig hohen Aufwand“ verbunden.
Gemeinderat muss noch zustimmen
Noch muss der Gemeinderat dem Abriss in seiner Sitzung am Dienstag, 1. Oktober, zustimmen. Vorberaten wird der Sachverhalt bereits in der Sitzung des Verwaltungsausschusses am kommenden Dienstag. Im Haushalt sind die Mittel für den Abriss – veranschlagt werden in der Sitzungsunterlage 150 000 Euro – noch nicht einkalkuliert.
Kurzfristig Parkplätze, langfristig Neubebauung
Aufgrund der angespannten Haushaltslage wird darauf verwiesen, „den Kostenrahmen nach Möglichkeit zu unterschreiten“. Sollten sich wiederum unerwartet Mehrkosten für den Abbruch ergeben, müssen diese erneut im Gremium beraten werden.
Zu den 150 000 Euro für den Abriss sind weitere 50 000 Euro als Puffer sowie für die Grundstücksherstellung vorgesehen. Denn: Die Baulücke soll künftig wieder genutzt werden. Vorübergehend im vorderen Teil zur Schulstraße hin als Parkplatz, um den innerstädtischen Parkdruck, der sich durch die Sanierung der Zollernstraße und dem damit verbundenen Wegfall von Parkmöglichkeiten zuspitzt, entlasten. Mittelfristig strebt die Verwaltung eine Veräußerung zur Wiederbebauung und damit eine anteilige Einnahmegenerierung an. Dies ist im Lauf des Jahres 2025 geplant. In der Schulstraße 6 ist dann eine Wohnbebauung, verbunden mit einer Baupflicht für den Grundstückskäufer, vorgesehen.
Deutlich wird: Neben dem Fortschritt der Bauprojekte Am Rain und der Alten Hofapotheke, wo derzeit Geschäfts- und Wohnräume entstehen, geht nun auch die Entwicklung in der Schulstraße voran. Wenn auch zwangsläufig, ob der Einsturzgefahr des ehemaligen Schulgebäudes.
Die Historie des Gebäudes in der Schulstraße 6
Neubau 1816
Das Gebäude in der Schulstraße 6 blickt auf eine lange Historie zurück, wie unsere Redaktion von Stadtsprecher Thomas Jauch erfährt. Im Jahr 1816 entstand dort der Neubau als Schulhaus. Davor wurden die Kinder im Haus Schulstraße 1 auf der gegenüberliegenden Straßenseite unterricht. Es handelte sich laut Jauch um eine Elementarschule mit anfänglich vier Klassenstufen, die beständig erweitert wurde. 1907 wurde die 8. Klasse eingeführt.
Für katholische Kinder
Mit Ausnahme der ersten zwei Klassen herrschte keine Koedukation, das heißt Jungen und Mädchen wurden in getrennten Klassen unterrichtet. Unterrichtet wurden die katholischen Kinder, die jüdischen und die evangelischen Kinder wurden in eigenen Schulen unterrichtet.
„Schrannengebäude“
Im Jahr 1886 wurde das „Schrannengebäude”, also das Gebäude, in dem sich jetzt das Jugendzentrum befindet, für schulische Zwecke hergerichtet. Ab diesem Zeitpunkt wurden dort die katholischen Mädchen unterrichtet.
Schloßbergschule
Im April 1929 folgte die Einweihung der neu erbauten Schloßbergschule (heute Werkrealschule) als katholische Volksschule. Dadurch wurde das Schulhaus in der Schulstraße frei.
Nutzung als Wohnraum
Ab dem Jahr 1929 wurde das Gebäude in private Wohnungen umgebaut.