Die sogenannte Aufwertung des Hechinger Marktplatzes, die konkret ein Fußgängerzonen-Versuch ist, hat begonnen.
Aufgepasst, wer schnell in die Hechinger Altstadt will, um Besorgungen zu machen, Einkäufe zu tätigen oder im Bürgerbüro oder im Rathaus etwas zu erledigen: Es ist kein direktes Durchkommen mit dem Auto! Der Marktplatz ist komplett gesperrt (bis auf die neue Zufahrt von der Synagogenstraße her), und am Kirchplatz ist nur ein schmales Durchkommen in die Goldschmiedstraße. Aufs Parkdeck und zum Schloßplatz kommt man also ausschließlich über den Bierweg.
Hinter der massiven Sperrung inklusive großräumiger Umleitung steckt ein mutiges Vorhaben: Nach Jahrzehnten wagen es Stadt und Gemeinderat, den Marktplatz autofrei zu machen. Das Jahr 2026 geht als der Versuch einer Fußgängerzone in die Stadtgeschichte ein. Das Projekt ist immer wieder gefordert, dann aber aus Existenzangst um die Geschäfte nie umgesetzt worden.
Ohne Plan geht es nicht
Damit der Versuch aber auch wirklich erfolgreich sein kann, starten jetzt die Arbeiten zur sogenannten Aufwertung beziehungsweise Möblierung der guten Altstadt-Stube: Nur Autos raus und Leute rein, das kann nicht funktionieren. Aber Hechingen ist vorbereitet. Seit Monaten schaffen ein Team und ein Fachbüro an der Sache.
Spätestens am Samstag, 2. Mai, muss alles fertig sein. Da eröffnet Hechingen mit einem Stadtfest seinen „neuen“ Marktplatz. Bis dahin ist noch einiges zu tun. Zwischen Goldschmiedstraße und Rathaus gibt es dann noch mehr beziehungsweise endlich ausreichend und bequem Platz für Außenbewirtung.
Projekt wird vom Land gefördert
Die riesige Pflasterfläche, die sich am Dienstag urplötzlich und wenig schön präsentiert, wird bestückt mit weiteren Sitzelementen, einem Stadtstrand (einem voluminösen Sandkasten) plus Liegestühlen, einer Murmelbahn und einer zusätzlichen Station des Schaukelpfads. Über allem wird der Stadthimmel schweben: Zwischen den Gebäuden aufgehängte Lampions sorgen auch abends für die ganz spezielle Atmosphäre.
Wer denkt da Böses?! Hechingen hat doch kein Geld, und jetzt das?! Weit gefehlt. Die Zollernstadt profitiert bei ihrem Fußgängerzonenversuch von einem Landesprogramm, dem „aktivmobil BW“, und eben dieses fördert das Hechinger Projekt finanziell. Sogar fürs Eröffnungsfest gibt es Geld aus Stuttgart. Insgesamt stehen für das Vorhaben bis zu 150 000 Euro bereit. Ansonsten lässt die Stadt durchaus Vorsicht walten: Die Lampions sind vorerst nur gemietet. An anderes ist ebenfalls gedacht: Die Gastronomen müssen keine Sondernutzungsgebühren für die Außenbewirtung begleichen.
Parkleitsystem für Ortsunkundige
Kann man die Geschäfte auf dem Marktplatz und das Hechinger Rathaus ab sofort und bis zur Abschlussveranstaltung am 12. September, nicht mehr ganz direkt mit dem Auto ansteuern? Diese Furcht scheint unbegründet. Die Stadt richtet ein Parkleitsystem ein, auf dass sich auch weniger Ortskundige zurechtfinden. Parkraum gibt es auch weiterhin nicht zu knapp, und dies eigentlich fast ums Eck. Im Endeffekt fallen nur fünf Stellplätze in der Altstadt weg. Außerdem kann man für Besorgungen und Einkäufe sehr wohl noch vorfahren: Die Einbahnregelung in der Synagogenstraße ist seit Dienstag aufgehoben, und man kann vor dem Rathaus parken.
Durchkommen an der Kirche
Wissen muss man dazu, dass man die Sperre an der Einfahrt vom Obertorplatz in den Kirchplatz ignorieren darf. Eine Fahrgasse direkt an der Stiftskirche zur Goldschmiedstraße ist frei gehalten, und ab da darf munter gekurvt werden. Leider ist in der Schulstraße wegen des langwierigen Abbruchs der ehemaligen Pizzeria „Paradiso“ weiterhin kein Durchkommen, und man muss weiter ausholen. Heraus aus der Altstadt geht es ausschließlich über die Turmstraße und über den Schloßplatz zum Bierweg hin.
Die Möblierung allein wird nicht einen Sommer lang die Menschen auf den Marktplatz locken. Stadt und Gemeinderat setzen große Hoffnungen auf die Gastronomie, die gern noch wachsen darf. Ein erster Anlauf, im Eckgebäude zur Goldschmiedstraße zumindest temporär einen weiteren Betrieb unterzubringen, soll aber gescheitert sein.
So setzt alles auf die bewährte Rolle der Hofkonditorei Röcker und das Café Blixen der Buchhandlung Teresa Welte. Wer abends länger offen hat, könnte noch ein Thema sein. Eine gute Nachricht: Der Glufamichel will sonntags wieder öffnen wie früher. Außerdem steht weiterhin der beliebte Foodtruck mit Crêpes, Kaffee und mehr am Kirchplatz.
Verlegt auf den Marktplatz
Überdies sollen Veranstaltungen gezielt in die Hechinger Altstadt gelenkt werden. Gleich nach dem Eröffnungsfest bezieht „Hechingen aktiv“, das Stadtfest des Stadtmarketingvereins, den Marktplatz mit ein. Die Lebenshilfe verlegt ihr Open Air ebenfalls in die Oberstadt. Kinderfest und Ratzgiwatz sind obligatorisch.
Die Märkte allerdings finden auch weiterhin auf dem Obertorplatz statt. Vor lauter Möblierung dürfte schließlich der Platz fehlen für Obst und Gemüse sowie Krämerartikel.