Carolin Schölzl (von links), Petra Schnierle und Corinna Gerlach stellen das inklusive Theaterprojekt vor. Foto: Gerhard Keck

Blinde und sehbehinderte Menschen erleben im Dezember eine Theateraufführung im Kurhaus als inklusives Projekt. Gesucht werden dafür noch Begleitpersonen.

In dieser Form ist die Veranstaltung am Donnerstag, 18. Dezember, im Kurtheater eine Premiere: Die Initiative Sehnixe, eine Selbsthilfegruppe für Blinde, hochgradig Sehbehinderte und Angehörige, bietet in Kooperation mit Petra Schnierle von „Impressio“ und Freudenstadt Tourismus Betroffenen den Besuch des Theaterstücks „Der verkaufte Großvater“ an.

 

Im Pressegespräch erläuterten Petra Schnierle, Tourismusdirektorin Carolin Schölzl und Veranstaltungsleiterin Corinna Gerlach Ziele und Inhalte dieses außergewöhnlichen Kulturangebots. Beim Sommertheater auf der Gartenschau hatten Blinde und sehbehinderte Personen bereits Gelegenheit, diese besondere Form der Kulturvermittlung als Teil des Publikums zu erleben. Die Erfahrungen, die Besucher, Theaterensemble und Verantwortliche machten, erwiesen sich als durchweg positiv.

Carolin Schölzl betonte, dass Inklusion einen hohen Stellenwert bei der Freudenstadt Tourismus einnehme und das aktuelle Angebot deshalb große Bedeutung habe.

Eingängiges Stück in schwäbischer Mundart

Corinna Gerlach hielt „den verkauften Großvater“ als „leichtes, eingängiges Stück in schwäbischer Mundart“ für besonders geeignet. Das Theaterprojekt firmiert unter dem Slogan „Theater mit den Ohren sehen“, also hautnah erleben – auch ohne Augenlicht.

Die Herangehensweise erfordert bestimmte technische Unterstützung, wie Petra Schnierle deutlich machte. Während des Stücks erhalten blinde und sehbehinderte Zuschauer über einen Knopf im Ohr eine Live-Audiodeskription.

Petra Schnierle als erfahrene Audiodeskriptorin beschreibt, was auf der Bühne abläuft, und zwar in Echtzeit während der Sprechpausen des Ensembles. Dadurch wird das Hörerlebnis nicht gestört.

Tastführung durch das Bühnenbild

Bereits vor der Vorstellung wird den sehbehinderten Gästen eine Tastführung durch das Bühnenbild mit Requisiten, Kostümen und Bühnenobjekten geboten. Die Darsteller stellen sich persönlich vor, so dass Stimme und Charaktere leichter zugeordnet werden können.

Die Mitwirkenden des Theaters Lindenhof, so wusste Corinna Gerlach zu berichten, hätten kein Problem damit, von den Gästen berührt zu werden. Interessant sei jedoch nur das Ertasten der Kostüme, erklärte Petra Schnierle, um Stoffe fühlen zu können.

Über Petra Schnierle

Petra Schnierle entdeckte die Autodeskription als Managerin in einem Hotel in Bad Liebenzell. Dort machte sie ihren blinden und sehbehinderten Gästen Kulturangebote. Nach ihrem Umzug nach Ravensburg, wo ihr Mann lebte, setzte sie nach positiven Erfahrungen mit der Einflüsterung von Szenen für blinde Freunde ihr Experiment in die Tat um. Damit hatte sie bereits 2007 ein Alleinstellungsmerkmal.

Inzwischen ist aus der Autodeskription ein bundesweit praktiziertes Format geworden. In Ravensburg gehört dieses Verfahren fest zum Spielplan. 19 beschriebene Aufführungen verschiedenster Art gehen aktuell auf Schnierles Konto.

Heute lebt sie mit ihrem Mann in Seewald. Ihr erklärtes Ziel ist es, das erfolgreiche Ravensburger Modellkonzept auch in Freudenstadt möglichst dauerhaft umzusetzen und Kulturträger dafür zu gewinnen.

Alle Infos zum Theater

Veranstalter ist die Selbsthilfegruppe Sehnixe im Landkreis Freudenstadt in Zusammenarbeit mit Petra Schnierle von „Impressio“ und Freudenstadt Tourismus. Um 17.30 Uhr startet das Begleitprogramm mit dem Treffpunkt Theaterkasse im Kurhaus. Die Anmeldung ist erforderlich bei Petra Schnierle bis zum 30. November unter info@impressio-rv.de oder unter 01520/8 29 55 60. Die Eintrittskarte kostet 16 Euro.

Mit den Merkzeichen B (Begleitperson), Bl (Blindheit) und H (Hilflosigkeit) im Schwerbehindertenausweis hat die Begleitperson freien Eintritt. Gesucht werden noch Begleitpersonen für alleinstehende blinde und sehbehinderte Theaterbesucher. Sie können die oben genannten Kontaktdaten von Petra Schnierle nutzen.