„Mein Leben als Blindfisch“ war das erste Buch von Sabine Ludi – doch das zweite folgt sogleich. Foto: Schneider

In „Der Blindfisch schwimmt weiter“ erzählt die blinde Sulzerin Sabine Ludi von lustigen, aber auch nachdenklichen Situationen im Umgang mit Menschen mit Handicap.

Mit ihren Lesungen kann Sabine Ludi ganze Hallen füllen – das hat sie mit ihrem ersten Buch „Mein Leben als Blindfisch“ beispielhaft in der Halle 16 gezeigt.

 

Dass es in ähnlicher Art und Weise weitergehen kann, verrät die seit Geburt blinde Ludi im Gespräch mit unserer Redaktion. Denn der zweite Teil ihrer Biografie – „Der Blindfisch schwimmt weiter“ – werde in der nächsten Zeit in Druck gehen.

Zweite Ausgabe nötig

Möglich wurde das durch Assistenzleistungen im Wohn- und Sozialraum. Das bedeutet: Ludi erhält Unterstützung, wenn es darum geht, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und Teilhabe an der Gesellschaft zu haben. Was auch Hilfe beim Erstellen des Buches oder Begleitung zu den Lesungen beinhaltet.

Die 2024 stattgefundenen Lesungen holen Ludi übrigens immer wieder ein. „Die Leute sagen mir immer wieder, sie haben vieles aus dem Buch mitgenommen“, erzählt sie. Und dass eine entsprechende Nachfrage unter der Sulzer Bevölkerung herrschte, ist auch daran zu erkennen, dass Ludi, nachdem die erste Ausgabe schnell vergriffen war, einen Nachdruck in Auftrag geben musste.

Das elektrische Seniorenmobil

Auch Jahre später werde sie immer noch auf die Ereignisse während ihrer Kindheit in Nordrhein-Westfalen, der Blindenschule in Düren oder ihre Arbeit als Telefonistin beim Fernmeldeamt der Bundespost angesprochen.

„Der zweite Teil setzt mit der Assistenz ein“, gibt sie einen ersten Einblick in das neue Werk. Aber auch das „Stromerle“, das elektrische Seniorenmobil, dessen Beantragung überhaupt erst zu der zusätzlichen Unterstützung aus der Stiftung St. Franziskus führte, wird entsprechend gewürdigt.

„Jede Jahreszeit riecht anders“

„Damit haben wir schon viel erlebt“, blickt Ludi freudig zurück. Die Kapitel behielten viel Lustiges, aber auch Nachdenkliches im Umgang mit Menschen mit Handicap bereit, verspricht sie. Dabei gehe sie nicht nur auf Blindsein ein, sondern spreche auch weitere Sinnesbehinderungen, etwa beim Hören, an.

„Da bin ich zwar kein Fachmann, aber ich hoffe, es ist mir gelungen“, gibt sie sich selbstkritisch. Sie werde etwa gefragt, wie sie als blinde Person denn die Natur um sich herum wahrnehme. „Jede Jahreszeit riecht anders“, stellt Ludi klar.

Große Hilfsbereitschaft

Und findet für ihre Sulzer Mitbürger noch viele lobende Worte. „Egal, wie lange die Autoschlange hinter unserem ‚Stromerle‘ war – wir sind nie angehupt worden“, freut sie sich. Aber auch, wenn es um leere Akkus und Ladekapazität ging, habe es zu jeder Zeit helfende Hände gegeben.

„Die Hilfsbereitschaft ist einfach toll!“, strahlt Ludi. So etwas sei nicht selbstverständlich, findet sie. Und kommt auf eine Begegnung im Supermarkt zu sprechen, die ihr noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Zwischenmenschliche Begegnungen

Wegen technischer Probleme an einer der elektronischen Kassen musste die Kassiererin Ludi an die nächste – funktionierende – Kasse verweisen. „Sie hat sich bei uns entschuldigt und gesagt, es täte ihr Leid, uns nicht selbst bedienen zu können – weil sie uns doch so mag“, erzählt Ludi gerührt.

Und auch für Situationen, in denen ihr andere Menschen beispielsweise das Angebot des vor ihr stehenden Kaffeeautomaten vorlesen, seien sehr eindrücklich, gesteht sie.

Probleme in der Stadt

Verbesserungsbedarf in Sachen Barrierefreiheit gebe es hingegen im Bereich Gastronomie. „Viele Gaststätten sind nur über Stufen erreichbar“, sagt sie. Und auch der Tag der Müllabfuhr stelle für sie oft ein Problem dar.

„Wenn die Mülltonnen auf dem Gehweg stehen und man deshalb auf die Straße ausweichen muss, ist das traurig“, hält Ludi fest.