Eine fröhliche Menschenmenge und ein sprudelnder Umzugssprecher – für gehandicapte Menschen kommt die Teilhabe am Fastnachtsumzug häufig nicht in Frage. Das soll sich ändern.
Beim Dienstagsumzug der Villinger Fasnet 2026 wird im Klosterring nicht nur ein geschützter Bereich für eben jene Menschen eingerichtet, ihnen werden auch Umzugssprecher an die Seite gestellt, die die Kunst der einfachen Sprache beherrschen. Außerdem werden einige Hästräger gebeten, näherzukommen, sich anfassen und befragen zu lassen.
„Fasnet für älle“ heißt ein in Konstanz geborenes Projekt, das in Deutschland unter regional unterschiedlichen Namen seit einiger Zeit die Runde macht. Felicitas Bichweiler, Mitglied der Hexenzunft und Mitarbeiterin bei der Stiftung Liebenau, sowie dem ehemaligen Schulleiter Jörg Westermann aus den Reihen der Historischen Narrozunft kam beim letztjährigen Besuch des Bad Dürrheimer Jubiläumsumzuges die Idee, das dort erlebte Projekt auch in Villingen zu etablieren.
Nach Recherchen in Konstanz machte sich das Duo auf die Suche nach Unterstützern und wurde sehr schnell fündig. Im Lions-Club Villingen sei man sich sofort einig gewesen, sagen Roland Brauner, Oliver Bittlingmaier und Meik Gildner, diesem Projekt die rund 6000 Euro zuzuschießen, das für die Anschaffung einer Lautsprecheranlage mit 52 Kopfhörern notwendig wurde.
„Einfache Sprache“ lernen
Darüber können die Menschen mit den unterschiedlichsten Handicaps dem Umzugsgeschehen individuell folgen, erklärt Jörg Westermann. Die Anlage mit drei Kanälen ist bereits vorhanden, gesucht werden nun Menschen, die sich zum einen mit der Villinger Fasnet auskennen, zum anderen bereit sind, die „einfache Sprache“ mit kurzen und prägnanten Sätzen zu lernen.
Einen Informationsabend bietet die ebenfalls mitwirkende Zuggesellschaft Villingen am Montag, 10. November, im Hexenstüble in der Turmgasse 14 an. Eine eintägige Ausbildung werde dann für den 29. November von Julian Limberger, Blindenstadionsprecher beim SC Freiburg, in Bad Dürrheim angeboten, kündigt Geschäftsführerin Renate Belz an.
Anselm Säger, Zunftmeister und stellvertretender Vorsitzender der Zuggesellschaft, wirbt für den 10. November aber auch weitere Mithelfer an – unter anderem für den Auf- und Abbau vor Ort oder das Geleit der Hästräger auf den Platz.
„Tolle Aktion“
„Eine tolle Aktion“, kommentierte der Vorsitzender der Zuggesellschaft, Jürgen Roth in seiner Funktion des Oberbürgermeisters. Angesichts der soeben erfolgten Diskussionen im Gemeinderat um die gestiegenen Kosten der Villinger Fasnet zeigte er sich dankbar für das bürgerschaftliche Engagement für dieses inklusive Angebot.
Auf offene Türen traf man laut Felicitas Bichweiler auch bei der Hausverwaltung Zacke und der Sauser Event GmbH, die im Klosterring 4 ihren Vorplatz zur Verfügung stellen werden, wenn am 17. Februar dort der Große Umzug vorbeifließt. Hier besteht für die Menschen im Rollstuhl, für Hör- und Sehbeeinträchtigungen oder kognitiven Defiziten die Möglichkeit, dem Geschehen auf der Straße auf einem abgesperrten Platz mit Rückzugsmöglichkeit und der für sie passenden Moderation zu folgen.
Auch für das leibliche Wohl wird gesorgt. Dafür gewannen die Projektmacher auf Anhieb das Café-Mobil der Carl-Orff-Schule, an dem es Waffeln und heiße Getränke geben werde, wie Sabine Auberle verspricht. „Wir freuen uns und machen gerne mit, zumal auch unsere Schülerschaft davon profitiert“.
Termin
Das Inklusions-Projekt
„Fasnet für älle“ findet am Dienstag, 17. Februar 2026, vor dem Anwesen Klosterring 4 in Villingen statt. Am 10. November, 19 Uhr, wird es dazu im Hexenstüble (Turmgasse 14) eine Info-Veranstaltung für Helfer und Helferinnen geben. Am 29. November findet in Bad Dürrheim die Ausbildung für „Einfache Sprache“ statt. Fragen und Anmeldungen über inklusion@villinger-fasnet.de.