Frisches Bio-Gemüse bringt die Solawi-Genossenschaft in Mahlberg seit 2023 auf die Teller ihrer Mitglieder – und hat noch viel vor. Die Initiatoren Tanja Roß und Niels Horstrup wollen den Anbau erweitern und mehr Menschen für das Konzept begeistern.
Rot und grün leuchtender Mangold und weiteres junges Wintergemüse wartet in den Gewächshäusern darauf, geerntet zu werden.
Obwohl auch bei der Solawi Mahlberg in der Eisenbahnstraße 39 aktuell der Winter Einkehr hält – viele Beetflächen liegen noch brach und die Wege sind von dem vielen Regen schlammig – haben die beiden Initiatoren Tanja Roß und Niels Horstrup rund um die Uhr zu tun:„In der Regel sind wir sechseinhalb Tage von früh bis spät im Einsatz. Aber wir sind ja auch eine Gärtnerei, da sind feste Arbeitszeiten schwierig. Wenn gutes Wetter ist, muss man auch am Sonntag raus“, erklärt Horstrup beim Besuch unserer Redaktion.
„Das ist auch den Kinderschuhen geschuldet, in denen die Genossenschaft noch steckt. Als Initiatoren sind wir aktuell noch die treibenden Kräfte und tragen viel Verantwortung“, ergänzt Roß. „Wir versuchen aber, das künftig auf mehr Schultern zu verteilen.“
Aktuell sing 150 Genossen Teil der Solawi
Seit November 2023 gibt es die Solawi-Genossenschaft, die den alten Hof der Gärtnerei Zipf mit neuem Leben füllt. Das Motto: „Was einer nicht schafft, schaffen viele gemeinsam.“ Im Frühjahr 2024 wurde das erste Biogemüse angebaut und ab Sommer an die Mitglieder verteilt. „Aktuell sind wir 150 Genossen und Genossinnen. Derzeit liefern wir jede Woche knapp 110 Kisten aus. Da sind aber auch Probekisten dabei“, erklärt Roß.
Genossenschaftsmitglied kann in Mahlberg jeder werden, durch das Einzahlen von Geschäftsanteilen. Mindestens 300 Euro müssen dabei einmalig eingelegt werden, die bei Austritt aber auch zurückkommen. Die Mitgliedschaft ist Voraussetzung für den Erhalt von Ernteanteilen, also den Gemüsekisten, die die Solawi wöchentlich an die Verteilstationen in Mahlberg, Lahr, Kenzingen, Seelbach und Offenburg liefert. Für einen kleinen Anteil – das sind rund 2,5 Kilo Gemüse – liegt der Richtwert bei 17,50 Euro pro Woche. Für einen großen Anteil (rund fünf Kilo) bei 28,50 Euro. Um das Ziel, dass sich alle Mitglieder regionales Bio-Gemüse leisten können, zu erreichen, kann man auch einen Ermäßigungsbeitrag zahlen.
Gegenfinanziert wird das von Mitgliedern mit mehr finanziellem Spielraum, die auch mehr als den Richtwert zahlen können. „Man kann bei uns auch Probekisten nehmen, um nicht nur unser Gemüse, sondern auch die Solidarische Landwirtschaft kennenzulernen und in die Strukturen einzutauchen“, so Tanja Roß. Das sei auch möglich, ohne Genossenschaftsmitglied zu sein. „Im Winter sind in den Kisten sechs bis neun verschiedene Kulturen, im Sommer acht bis zwölf“, erklärt sie. Roß und Horstrup hoffen, dass noch mehr Menschen Teil der Solawi werden. Ziel sei es, irgendwann zwischen 300 und 400 Kisten pro Woche zu liefern.
Mitglieder können sich selbst einbringen
Seit mehreren Generationen beliefert die Gärtnerei Zipf auch einige Wochenmärkte in der Region. Diese betreibt die Solawi nun weiter. Genossenschaftsmitglieder (egal ob mit oder ohne Ernteanteil) erhalten bei den Wochenmarktständen in Lahr, Seelbach, Herbolzheim und am Hofmarkt in Mahlberg acht Prozent Rabatt auf ihren Einkauf. „Mehr Menschen an den Wochenmarkt zu bekommen, ist eine unserer aktuellen Herausforderungen“, berichtet Roß.
2025 soll nun zunächst der Anbau erweitert werden. „Wir wollen dieses Jahr beispielsweise auch Zuckererbsen und dicke Bohnen anbauen“, kündigt Roß an. „Wir haben jetzt die Erfahrungen aus dem letzten Jahr und können überlegen, was sich bewährt hat und was nicht“, ergänzt Horstrup. Auch mehr Kräuter und Freilandpaprika soll es geben. „Insgesamt fünf bis zehn Kulturen kommen schon dazu.“ Um das alles zu schaffen, ist die Mahlberger Solawi auch auf der Suche nach einem weiteren Gärtner für die Saison ab März.
Teil des Solawi-Konzepts ist auch, dass sich Mitglieder, die Zeit und Lust haben, einbringen können. „Aber auch nicht müssen“, ist Roß wichtig zu betonen. So gibt es regelmäßig Ackereinsätze, bei denen etwa Beete vorbereitet werden. Auch wenn das Konzept mit der Zeit immer bekannter werde, gebe es noch immer viele Vorurteile – etwa, dass mitgearbeitet werden muss – , mit denen die beiden aufräumen wollen. „Das Schöne an einer Genossenschaft ist, dass alle irgendwas mitbringen“, betont Horstrup. Aktuell sei das Gros der Mitglieder zwischen 40 und 50 Jahre alt. „Junge Familien sind bisher noch die Ausnahme. Das ist noch schwierig, die zu erreichen“, so Roß.
Eine so alte Gärtnerei zu haben sei zwar ein Segen, bedeute jedoch auch jede Menge Arbeit. Dass Niels Horstrup und Tanja Roß diese gerne machen und stolz darauf sind, was sie schon geschafft haben, wird bei dem Gang über das Gelände deutlich. Die beiden geben einen Einblick in ihre Pläne: „Wir wollen beispielsweise unsere Lüftung und Bewässerung stückweise automatisieren“, so Roß. „Es gibt auf dem Gelände so viel Potenzial, Ideen umzusetzen. Wir freuen uns sehr, dass es auch so viele Menschen gibt, die Lust darauf haben.“ Ein Hofladen oder ein Raum, in dem Workshops veranstaltet werden können, sind zwei dieser Ideen. Im Zentrum des Geländes wollen Roß und Horstrup außerdem einen Versammlungsplatz mit Feuerstelle, Außenküche und Sitzmöglichkeiten schaffen. „Das soll ein Platz werden, an dem Ideen entstehen können“, sagt Horstrup.
Solawi-Konzept
In einer solidarischen Landwirtschaft schließen sich Produzenten und Konsumenten zusammen und übernehmen gemeinsam Verantwortung. Die Mitglieder tragen die Kosten für ein Jahr und gewähren so Planungs- und Finanzsicherheit. Die Mitglieder bekommen im Gegenzug die Ernte sowie Transparenz über Anbau- und Arbeitsbedingungen.