Die Ettenheimer Initiative hilft Flüchtlingen auch dabei, Deutsch zu verstehen – sowohl in Wort als auch in Schrift. (Symbolfoto) Foto: Sokolow

In Ettenheim leben derzeit 400 Flüchtlinge – Tendenz steigend. Damit sie in Deutschland Fuß fassen können, bietet die Initiative „Neustart“ viele Angebote an.

Auch bei der inzwischen zehnten Mitgliederversammlung der „Willkommensinitiative Neustart“ stand der Blick auf den aktuellen Stand der Flüchtlingssituation in Ettenheim im Mittelpunkt. Kevin Voll, im Ordnungsamt der Stadtverwaltung für den Bereich Flüchtlinge und Migration zuständig, fasste eingangs die aktuelle Situation in Zahlen. Demnach leben in Ettenheim derzeit 400 Flüchtlinge. Zuzüge waren in diesem Jahr 50 zu verzeichnen, wobei Ettenheim das Soll von 40 übererfüllte. 37 Flüchtlinge indes haben Ettenheim verlassen.

 

Von der Gesamtzahl der Flüchtlinge und Migranten in Ettenheim sind 224 zugewiesen, ausnahmslos in Anschlussunterbringung. 178 wohnen derzeit in städtischem Wohnraum, 18 in Wohnungen, die über die Stadt angemietet sind. 78 leben in privaten Mietverhältnissen.

Etwas mehr als die Hälfte (52 Prozent) der Flüchtlinge in Ettenheim kommen aus arabischen Ländern – aus der Ukraine sind es 19 Prozent. Mit einer Entspannung der Flüchtlingssituation, so Voll, rechne er nicht. Dazu gebe die weltpolitische Lage keine Hoffnungssignale. Die Arbeit von „Neustart“ verdiene höchste Anerkennung und Dank.

Besonders die Nachfrage nach Kleidern ist groß

Was das Zahlenwerk an inhaltlicher Arbeit mit sich bringt, verdeutlichte Ettenheims Integrationsmanager Bienvenu Tchatchou. Er übt dieses Amt seit 2018 aus. Er betreut rund 150 Flüchtlinge – darunter auch Kinder und Jugendliche. Die Menschen kommen aus 14 Ländern. Türkei, Syrien, Irak, Afghanistan stehen bei ihrer Herkunft an oberster Stelle. Seine Aufgabenbereiche umriss er mit der Hilfe bei Arbeitsverhältnissen, Schuldenberatung, bürokratischen Formalien, Hilfestellung bei dem Bemühen um Sprachkurse, Gesundheitsproblemen, bei Kindern und Jugendlichen im Bereich von Schule und Kitas. Als Zielsetzung seiner Arbeit nannte Tchatchou in der Mitgliederversammlung: Begleitung der Menschen in möglichst große Selbstständigkeit, sich selbst möglichst schnell „überflüssig“ machen. Für seine „zuverlässige und engagierte Arbeit“ bekam Tchatchou viel Beifall der Mitgliederversammlung. Im kommenden Frühjahr wird er sein Büro im ehemaligen Volksbank-Gebäude einrichten können.

Initiative erlebt seit Corona einen Aufschwung

Den vielfältigen Bereich der Hilfestellungen von „Neustart“ skizzierte die Vorsitzende des seit zehn Jahren bestehenden gemeinnützigen Vereins, Beate Kostanzer. Nach der Corona-Pandemie habe der Verein „einen neuen Drive“ erhalten. Das zeige sich bei der Kleiderkammer, bei Nachhilfe-Organisationen, bei Familienpatenschaften, bei der Hilfe beim Abschluss von Mietverträgen in einer grundsätzlich angespannten Wohnraumsituation, bei vielen niedrigschwelligen Hilfestellungen, in der Aktion Schwimmbad-Gutscheine, in der Schreibstube. In Zusammenarbeit mit dem DRK nutze man auch dessen Suchdienst, wenn Flüchtlinge nach Verwandten suchen, zu denen der Kontakt auf der Flucht verloren gegangen ist.

Abbau der Kleider-Container erschwert die Arbeit

Regina Dees wusste von einem erfreulich großen Helferstamm und reichlich Angeboten in der Kleiderkammer auf dem Campus der Schule St. Landolin zu berichten. Nutzer des Kleiderangebots kämen teilweise aus einem größeren Einzugsgebiet. Die Kleiderkammer arbeite auch mit Hilfsorganisationen wie Kolping in Kleidertransporten nach Rumänien oder Togo zusammen. Erschwerende Herausforderungen bringe der zunehmende Abbau der Kleider-Container im öffentlichen Raum mit sich.

In Kleingruppen tauschten die Besucher zum Abschluss der Versammlung in eine Ideenbörse Überlegungen zu weiteren Hilfsmöglichkeiten aus. Die Bereiche „Sprechen“ und „Wohnen“ bildeten einen unüberhörbaren Schwerpunkt – Ideen, denen „Neustart“ nachgehen möchte.