Auf der Deponie Oberhaugstett wird bereits seit einiger Zeit Solarstrom erzeugt. Foto: AWG

In der jüngeren Vergangenheit hat man im Landratsamt und im Kreistag das Thema Klimaschutz etwas stiefmütterlich behandelt. Das soll sich jetzt ändern. "Wir müssen etwas tun", sagte Landrat Helmut Riegger bei der Präsentation der Klimaschutzstrategie des Landkreises im Kreistag in Bad Liebenzell.

Kreis Calw - Diese neue Dynamik in Sachen Klimaschutz ist nicht alleine aus der Initiative des Landkreises heraus entstanden. Vor zwei Jahren ist der Landkreis dem Klimaschutzpakt des Landes beigetreten und hat eine Erklärung unterschrieben, die als Ziel eine weitestgehend klimaneutrale Verwaltung bis 2040 formuliert. Darüber hinaus hat das Land 2021 seine Klimaschutzziele neu definiert. Und um diese Ziele auch im und für den Landkreis zu erreichen, hat man im Landratsamt eine Klimaschutzstrategie entwickelt, die nun der Kreistag in seiner Sitzung in Bad Liebenzell vorgestellt bekam.

Beschlüsse stehen unter "Klimavorbehalt"

Insgesamt fünf Themenfelder hat man sich im Rahmen dieser Strategie auf die Fahnen geschrieben. Als erstes sei da "Energieeffizienz und Klimaneutralität" genannt. Da geht es zunächst um einen Fahrplan für die Umsetzung der Sanierungsarbeiten an Landkreisliegenschaften wie Landratsamt oder die beiden Berufsschulzentren in Nagold und Calw. Dann will man in Zusammenarbeit mit den Kommunen Vorgaben für Investoren von Bauprojekten ausarbeiten. Darüber hinaus ist geplant, dass alle Neuanschaffungen für den Fuhrpark des Landkreises mit Elektromotor ausgestattet werden müssen. Der letzte Punkt wird die Arbeit des Kreistags deutlich beeinflussen, denn jede Entscheidung, die das Gremium oder seine Ausschüsse künftig fällt, soll unter einem "Klimavorbehalt" stehen. Das heißt, dass alle Entscheidungen neben ihren ökonomischen Auswirkungen auch auf die Auswirkungen aufs Klima hin überprüft werden soll.

Solarenergie auch entlang der Hessebahn?

Als zweites Thema steht der Ausbau der erneuerbaren Energien auf der Agenda. Was die eigenen Liegenschaften angeht, will man in die Solaroffensive gehen. Auch an der Strecke der Hesse-Bahn kann man sich den Ausbau der Photovoltaik gut vorstellen. Aktuell prüft die Verwaltung auch, wo es Freiflächen gibt, auf denen Photovoltaik installiert werden kann. Ergänzt werden soll das mit einer Forcierung der Photovoltaik auf Dachanlagen. Aber auch das Thema Wind wird in Zukunft vermehrt eine Rolle spielen. Immerhin sollen nach Vorgaben des Landes zwei Prozent der Fläche des Kreises für Windenergie und Photovoltaik genutzt werden. In diesem Zusammenhang denkt man auch an die Gründung einer Kreisenergiegenossenschaft.

Schon beschlossen ist die Ausweitung der Beratungskompetenz. Die "Gemeinschaft der Energieberater im Kreis Calw" soll eine weitere Personalstelle bekommen. Auch das Landratsamt selbst hat Klimaschutzmanagement-Stellen geschaffen, die Aktivitäten im Landratsamt koordinieren und die Strategie umsetzen sollen. Noch relativ unkonkret sieht die Lage bei der "Klimawandelanpassung" aus, dort ist manches im Entstehen.

Beschaffung mehr unter regionalen Gesichtspunkten

Konkret ist es schon beim Thema Regionalität, Nachhaltigkeit und Fairtrade. da sei man sich der "Vorbildfunktion bewusst", wie es in der Sitzungsvorlage heißt. Deshalb würden eben diese Themen verstärkt in die Beschaffung von Materialien und Produkten einfließen.

Aus der Präsentation entspann sich eine lebhafte Debatte im Gremium. Während Lothar Kante (SPD) und Johannes Schwarz (Grüne) die Gründung einer Energiegenossenschaft vorangetrieben haben wollen, legte Volker Schuler (FWV) seinen Fokus auf die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Maßnahmen. CDU-Fraktionschef Jürgen Großmann regte eine verstärkte Kooperation des Landkreises mit den Städten und Gemeinden an – und mit Experten, mit den "Akteuren, die es können", wie es Großmann formulierte. Darüber hinaus gelte es, die Bevölkerung zum Energiesparen zu animieren. Günther Schöttle (AfD) rief zu Umweltschutz "mit Maß und Ziel" auf. Kosten und Nutzen müssten stimmen. Hans-Jochen Burkhardt (FDP), selbst Landwirt, warnte mit Blick auf steigende Lebensmittelpreise und Lebensmittelengpässen davor, landwirtschaftliche Nutzungsflächen für Photovoltaikansiedlungen zu opfern.