Bei der Gedenkfeier: (von links, erste Reihe) Wieslawa Melwinska, Polen, Dorota Nowakowska mit Iga Kozlakowska, Polen, Gaston Raths,Luxemburg; Wieslaw Majchrzak, Polen, Michaela S. Deutschland; Clara Baik, Schweiz; Brigitta Marquart-Schad, Vorsitzende der Initiative Gedenkstätte Eckerwald; (von links, hintere Reihe) Bürgermeisterin der Stadt Rottweil Ines Gaehn, Bürgermeister Karl-Josef Sprenger aus Schömberg. Foto: Friederichs

Bei der Feier der Initiative Gedenkstätte Eckerwald am Sonntag wurde auch vor der gegenwärtigen Destabilisierung der Demokratien gewarnt.

„Errichtung der KZ Dautmergen, Schömberg und Schörzingen vor 80 Jahren - Verblasst die Erinnerung oder behält sie ihren Sinn für uns heute?“- Die Frage für die diesjährige Gedenkfeier der Initiative Gedenkstätte Eckerwald kann und muss bejaht werden. Ja, sie behält Ihren Sinn für uns.

 

Vereint in der Erinnerung

Vier Generationen ehemaliger Überlebender oder in den KZ für das Schieferölprojekt „Wüste“ Umgekommener sind inzwischen vereint in der Erinnerung an ihre Urgroßväter, Großväter und Väter. Aus vielen Nationen: Polen, Ungarn, Luxemburg, Schweiz und Deutschland konnte Vorsitzende Brigitta Marquart-Schad Angehörige von KZ-Opfern bei der Gedenkfeier – wegen des Wintereinbruchs nicht bei der Gedenkstätte im Eckerwald, sondern in der Kapelle Schörzingen – begrüßen.

Tafel mit Namen von 529 Opfern

Einem Ort mit den Tafeln von 529 registriert bekannten Todesopfern – die Zahl dürfte höher sein – allein aus dem letzten Werk Wüste 10 im Eckerwald.

Das Bläseroktett der Musikkapelle Zepfenhan bereitete bei der Gedenkfeier einen würdigen Rahmen eingangs mit der Europahymne und Chorälen wie dem abschließenden „Von guten Mächten wunderbar geborgen“.

Nicht schweigen

Die Redner aus den angereisten Ländern verwiesen alle in ihrem Gedenken an die Opfer, aber auch an deren Vollstrecker, nicht gegen die Erinnerung zu schweigen. Gaston Rath aus Luxemburg warnte vor der gegenwärtigen Destabilisierung der Demokratien und den realen Krisenlagen in der Welt, gerade jetzt den Populisten nicht das Feld zu überlassen und damit den Frieden in der Welt zu gefährden.

Wieslaw Majchrzak aus Lódz, dessen Vater Stanislav mit der Häftlingsnummer 138 163 das KZ Dautmergen und die Todesmärsche Ende April 1945 knapp überlebt hatte, mahnte an, die Erinnerung aufrechtzuhalten. Er war 2017 zum ersten Mal hier und meinte damals, die Erinnerung an das Grauen der KZ vergessen zu wollen, doch heute sehe er das anders, auch weil Geschichte je nach politischen Machtverhältnissen umgeschrieben werden könne.

Sehr bewegend ergänzte die Urenkelin Stanislavs Clara Baik aus der Schweiz mit ihrem Violinstück solo von Tschaikowski – dem Lieblingskomponisten ihres Urgroßvaters – musikalisch den Bericht ihres Onkels.

Nachkommende berichten

Von den beiden Töchtern des langjährigen seit sechs Jahren verstorbenen Freundes der Initiative Jacek Zieliniewicz Dorota Nowakowska und Wieslawa Melwinska aus Polen erfuhren die Anwesenden wie sie, als Nachkommende, ihren Vater erlebt haben und lange nichts von ihm erfahren hatten über seine Zeit im KZ Dautmergen.

Urenkelin Iga bezeichnete seinem Testament entsprechend ihren Urgroßvater als einen „Kämpfer für den Frieden“ und – selbst sichtlich gerührt – als einen Freund junger Menschen.

Zum ersten Mal war Michaela S. aus Deutschland angereist, nachdem sie durch die eigene Spurensuche nach ihrem Großvater auf Dautmergen/Schömberg gestoßen war und erfuhr, dass ihr Großvater im „Schönhager Loch“ verscharrt worden war. Auch nach 80 Jahren gibt es neue Erkenntnisse und bewegende Momente für alle, die davon betroffen sind, und uns und der Initiative Eckerwald berichten.

Einsatz für die Demokratie

Die Erinnerung behält ihren absoluten Sinn. Diesen Sinn umzusetzen und sich für die Werte unserer Demokratien einzusetzen, dafür plädierte auch Bürgermeisterin Ines Gaehn beim anschließenden Empfang der Gäste durch die Stadt Rottweil.